Bildungsbericht 2022 Die Pandemie hat Bildungsprobleme verschärft

Stand: 23.06.2022 16:09 Uhr

Die Corona-Pandemie hat einem neuen Länderbericht zufolge die Probleme des deutschen Bildungssystems verschärft. Und die Chancen im Bildungssystem hängen immer noch stark von der sozialen Herkunft ab.

Die Corona-Pandemie beeinflusst weiterhin die Entwicklung des deutschen Bildungssystems. Familien, Lernende und pädagogische Fachkräfte sind in den vergangenen zwei Jahren erheblichen Mehrbelastungen ausgesetzt gewesen, wie der neue „Bildungsreport 2022“ zeigt.

Die Pandemie hat bestehende Probleme wie den Fachkräftemangel, die Notwendigkeit der Digitalisierung und soziale Ungleichheiten bei den Bildungschancen verschärft. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine sei eine weitere Herausforderung, sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die schleswig-holsteinische Kultusministerin Karin Prien (CDU).

Er stellte fest, dass allein die Schulen im ganzen Land in den letzten Monaten 138.000 weitere Kinder und Jugendliche aus der Ukraine aufgenommen hätten.

Im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich

„Chancengleichheit bleibt die zentrale Herausforderung“, betonte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Es kann nicht sein, dass die soziale Herkunft dieses Landes immer noch entscheidend für Bildungswege ist. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland unter dem Durchschnitt.

Er stellte auch fest, dass die Pandemie „tiefe psychologische und physische Spuren“ bei Kindern und Jugendlichen hinterlassen habe. Daher sollte die Schließung von Schulen im ganzen Land nicht verlängert werden.

Der Qualifikationsgrad der Deutschen nimmt weiter zu

Gleichzeitig ist dem Bericht zufolge das Qualifikationsniveau der deutschen Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Demnach verfügten bis 2020 etwa 26 Prozent oder etwa ein Viertel der Bevölkerung hierzulande über einen höheren beruflichen oder akademischen Abschluss. 2010 lag der Anteil um fünf Prozentpunkte niedriger. Laut Bildungsbericht haben nur 1,5 Prozent der unter 20-Jährigen keinen Abschluss.

Allerdings gibt es nach wie vor einen relativ konstanten Anteil an Erwachsenen ohne Berufsabschluss bzw. ohne Hochschulabschluss. Besonders hoch ist dieser Zusammenhang bei Menschen mit Migrationshintergrund.

Bob Blume, Lehrer und Blogger, über durch die Pandemie verursachte Lerndefizite in Schulen

tagesschau24 14 Uhr, 23.6.2022

Immer mehr Menschen nutzen Bildungsangebote

Der Bildungsbericht wird alle zwei Jahre von Experten im Auftrag des Bundes und der Länder erstellt, um einen Überblick über die Entwicklung und den Stand des Bildungssystems zu geben. Alle Bereiche werden wissenschaftlich untersucht, von Kindergärten über das Schul- und Hochschulwesen bis hin zur Erwachsenenbildung.

Insgesamt stieg die Zahl der Bildungsangebote zwischen 2010 und 2020 um vier Prozent auf rund 600.000. Gründe dafür waren dem Bericht zufolge eine vorübergehend höhere Geburtenrate, Zuwanderung aus dem Ausland und ein allgemeiner Trend zum lebenslangen Lernen . Gleichzeitig stieg die Zahl der Bildungseinrichtungen um vier Prozent auf rund 4.000, vor allem in Kindergärten und Universitäten.

Die Nachfrage wird in den kommenden Jahren weiter steigen

Im Jahr 2021 lag der Anteil der Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die in Kindergärten betreut wurden, bei 92 Prozent und bei Kindern unter drei Jahren bei 34 Prozent. Das Angebot an Ganztagsschulen hat sich in den letzten Jahren massiv ausgeweitet. Im Schuljahr 2005/2006 hatten nur 28 Prozent aller Schulen ein Vollzeitangebot, im Schuljahr 2020/2021 waren es bereits 71 Prozent. Gleichzeitig geht das Gutachten davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter steigen wird und vor allem in den alten Bundesländern mehr als 500.000 zusätzliche Plätze an Ganztagsschulen benötigt werden.

Diese und andere Entwicklungen führen auch im Bildungsbereich zu einem wachsenden Bedarf an Fachkräften. Dem Bericht zufolge werden es bis 2025 etwas mehr als hunderttausend sein. Mit der Umsetzung des gesetzlichen Anspruchs auf Tagespflege im Jahr 2030 werden es knapp 66.000 mehr sein.

Die Lesefähigkeit hat nachgelassen

Dem Bericht zufolge gebe es Hinweise darauf, dass die Lesekompetenz von Grundschülern im Jahr 2021 im Vergleich zu 2016 zurückgegangen sei. Ob dies allein an der Pandemie liege, sei mangels Daten noch unklar, sagte Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Lebenslanges Lernen, der gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Instituten den Bildungsbericht erstellt hat.

Erste Ergebnisse deuteten jedoch darauf hin, dass Kinder, leistungsschwache Schüler und Kinder und Jugendliche mit Migrationsgeschichte oder sozial benachteiligte Familien in den letzten zwei Jahren besonders von negativen Folgen auf die Lernentwicklung betroffen sein könnten.

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