Blatter und Platini vor Bundesstrafgericht wegen Betrugs angeklagt

Haben er und Platini die FIFA um zwei Millionen betrogen?

Hier trabt Blatter vor Gericht in Bellinzona

Er hat die FIFA zu einem Milliardenkonzern gemacht, der dank der WM alle vier Jahre große Gewinne einfährt: Joseph Blatter. Zusammen mit Ex-Fussballer Michel Platini konnte er nun auf über 2 Millionen Franken stossen. Der Prozess beginnt heute in Bellinzona TI.

Gepostet: 06.08.2022 um 00:27

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Aktualisiert: vor 6 Minuten

Sermin Faki und Pascal Tischhauser

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Früher war der Ball rund, ein Spiel dauerte 90 Minuten und am Ende gewannen die Deutschen. Damals rollte der Rubel schneller als der Ball, und die beiden Fußballverbände Uefa und Fifa liefen immer weniger rund.

Kaum jemand war überrascht, als die Bundesanwaltschaft (BA) vor fast sieben Jahren ein Strafverfahren gegen den damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter (86) eröffnete. Er soll 2011 ohne Begründung die Zahlung von zwei Millionen Franken an Uefa-Präsident Michel Platini (66) angeordnet haben.

300’000 Franken waren nicht genug

Ab heute Mittwoch muss sich der ehemalige Blatter-Funktionär und ehemals weltbeste Fussballer Platini vor dem Bundesstrafgericht Bellinzona TI verantworten. Der Vorwurf lautet Betrug, Blatter könnte unlautere Geschäftsführung, Fälschung und höchstens Unterschlagung zur Last gelegt werden.

Platini hatte mit Blatter einen Beratervertrag abgeschlossen. Wie die Anklageschrift zeigt, erhielt er für seine Dienste jährlich 300’000 Franken. Doch 2010 forderte er eine Nachzahlung von zwei Millionen Franken plus Sozialabgaben. Blatter bejahte dies mit der Begründung: Als die Beträge angefallen seien, habe die Fifa kein Geld gehabt, um Platini vollständig zu bezahlen, also sei eine Nachzahlung vereinbart worden.

Beweise dafür haben die beiden nie vorgelegt. Doch nicht einmal die Bundesanwaltschaft sagt in der Anklageschrift, was der Hintergrund der Zahlung gewesen sein soll.

Wie hat die BA das herausgefunden?

Blatter wird an diesem Mittwoch, dem Platini-Donnerstag, erstmals vor Gericht aussagen. Die Staatsanwaltschaft wartet vor allem auf die Vernehmung von Olivier Thormann, 51, der heute Bundesstrafrichter ist, aber 2015 noch Leiter des Referats Wirtschaftsstrafrecht bei der Bundesanwaltschaft war. Die Angeklagten warten auf eine Antwort auf die vielleicht brisanteste Frage im prozess: wie hat die bundesanwaltschaft von der zahlung erfahren?

Für manche ist klar: Der aktuelle Fifa-Präsident Gianni Infantino (52) oder zumindest sein Umfeld haben die Staatsanwaltschaft über die Zahlung informiert. Dies mit dem Ziel, Platini loszuwerden, der damals als Nachfolger von Blatter in der FIFA kandidierte. Und um den Weg zum Sonnenberg in Zürich von Infantino freizumachen.

Ob das der Spielplan war oder nicht: Infantino hat das Spiel gewonnen. Das Urteil in Bellinzona ist für den 8. Juli angekündigt, die Angeklagten gelten als unschuldig.

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