Blinken kritisierte China dafür, russische Propaganda zu wiederholen, Moskau vor internationalen Organisationen abzuschirmen und an gemeinsamen Manövern teilzunehmen. Er vermittelte Wang Yi, „dass dies wirklich eine Zeit ist, in der wir alle aufstehen müssen, wie es ein G20-Land nach dem anderen getan hat, um die Aggression zu verurteilen.“
Wang Yi äußerte sich kritisch zu dem Treffen mit Blinken, berichtete der chinesische Staatssender CCTV. Die beiden Länder stehen vor wachsenden Herausforderungen, sagte der chinesische Außenminister. Wang Yi forderte die USA auf, Chinas politisches System zu respektieren und die Mentalität des Kalten Krieges aufzugeben.
Washington sollte sich nicht in innere Angelegenheiten wie die Taiwan- oder Hongkong-Frage einmischen, sagte er. Die USA sollten auch die Strafzölle zurücknehmen, die die Vorgängerregierung um Donald Trump gegen China verhängt hatte. Zur Krise in der Ukraine sagten die Chinesen lediglich, es habe einen “tiefen Meinungsaustausch” gegeben.
„Trotz der Komplexität unserer Beziehung“, sagte Blinken, seien die Gespräche mit Wang „nützlich, offen und konstruktiv“ gewesen. Er drückte jedoch auch die „tiefe Besorgnis“ der US-Regierung über Pekings zunehmend provokative Rhetorik und Aktivitäten gegenüber Taiwan aus.
Laut Peking wollen der chinesische Außenminister und sein US-Amtskollege daran arbeiten, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu verbessern. Bei Gesprächen der beiden Spitzenpolitiker am Rande des G20-Treffens auf Bali wurde nach Angaben des chinesischen Außenministeriums am Samstag ein entsprechender „Konsens“ erzielt.
Beide Seiten hätten „auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und des gegenseitigen Nutzens“ vereinbart, die Beratungen einer chinesisch-amerikanischen Arbeitsgruppe voranzutreiben.
Vor dem Treffen betonte Wang, dass China und die Vereinigten Staaten zusammenarbeiten müssen, damit sich die Beziehungen der beiden Länder in die richtige Richtung entwickeln. Auch ein „normaler Austausch“ und ein „gegenseitiger Respekt“ seien nötig. Blinken und Wang trafen sich zuletzt im vergangenen Oktober.
Die Spannungen zwischen den beiden Weltmächten haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bei den Gesprächen am Rande des G20-Außenministertreffens auf Bali standen einige heiße Themen auf der Tagesordnung, darunter der Konflikt um Taiwan. Weitere Diskussionspunkte sind Handel, Chinas Umgang mit der muslimischen Minderheit der Uiguren und die Zukunft Hongkongs.
Ein Treffen zwischen Blinken und dem nationalen Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, im März 2021 mit seinen chinesischen Kollegen in Alaska hatte große Meinungsverschiedenheiten deutlich gemacht, insbesondere in der Taiwan-Frage. Auch beim Krieg in der Ukraine gehen die Meinungen weit auseinander: Während die USA gemeinsam mit anderen westlichen Ländern die Ukraine mit Waffen unterstützen und harte Sanktionen gegen Russland verhängt haben, demonstriert China seine Nähe zu Präsident Wladimir Putin und hat die Ölimporte aus Russland erhöht.