Box-Kobra kommt zurück
Tankstellenchef Gjergjaj will es noch einmal wissen
Arnold Gjergjaj will einen weiteren Schuss im Schwergewicht. Drei Jahre nach seinem letzten Kampf kehrt er an die Bretter zurück, gegen einen siegreichen Gegner. Warum macht der 37-Jährige das?
Gepostet: 10.06.2022 um 00:29
Vor sechs Jahren hatte Arnold Gjergjaj (37) die Chance seines Lebens. Am 21. Mai 2016 boxte er in London gegen den ehemaligen Weltmeister David Haye. Die Nacht wird zum Fiasko: Der Mann mit dem Spitznamen „Kobra“ wird weit unter Wert verkauft, er wird zu Beginn der vollen O2-Arena vom Traum einer großen Überraschung KO geschlagen. Es ist seine erste Profi-Niederlage.
Seinen letzten Kampf hat Arnold Gjergjaj vor drei Jahren bestritten. Am 25. Mai 2019 bekommt er Elvis Moyo aus Südafrika im Kirchberg Sports Pavilion vor die Fäuste. Er hat jetzt zwei weitere Insolvenzen erlitten. Immerhin ist der Basler gegen Moyo ungeschoren, es wird ein Sieg nach Punkten. Seitdem beruhigt er sich um den 1,98-m-Hünen, der einst vom Weltmeistertitel im Schwergewicht träumte.
Die Tankstelle schwört auf Spritpreise
Doch jetzt will Gjergjaj es noch einmal wissen. Am Freitag kehrt die Cobra in den Ring zurück. Es ist nicht mehr die grosse Bühne, in Uster ZH boxt er gegen den Kroaten Tomislav Sentic (5 Siege, 2 Niederlagen). Ein Mann, der normalerweise leicht in seine Tasche schlüpft. Aber was kann Gjergjaj noch tun? «Ich bin nicht mehr der Jüngste», sagt er gegenüber Blick. “Aber ich war wieder schneller.”
Posieren Sie für Blick-Fotografen an seinem neuen Arbeitsplatz: Gjergjaj betreibt eine Tankstelle am Kannenfeldplatz in Basel. Außerdem hat er noch sein Box-Gym in Pratteln, und am Wochenende hilft er seinem Bruder in dessen Supermarkt. Der Boxer hat dieser Tage an der Tankstelle viel zu hören. Der Grund: hohe Benzinpreise. „Die Leute werden wütend“, sagt er. “Sie sind sauer auf uns, sie schimpfen nur mit uns, weil wir an der Tankstelle arbeiten. Preise kommen nicht von uns.”
Ein freundlicher Riese wie Gjergjaj regt sich darüber nicht auf. Er hat ganz andere Dinge im Sinn. Schließlich sollte der Kampf gegen Sentic nur ein Galopp auf etwas Größeres sein. „Ich will wieder um einen Titel kämpfen“, sagt er. Am liebsten dieses Jahr. In der Geschichte des Boxers Gjergjaj dürften noch einige Kapitel folgen. “Das ist mein Job. Ich arbeite und boxe. Ich mache nichts anderes.”