Rückblick – Mozarts „Die Zauberflöte“ in Salzburg Bemerkenswert, aber nicht berauschend
31.07.2022 von Fridemann Leipold
Nächster Versuch: Lydia Steier präsentierte ihre „Zauberflöte“ 2018 bei den Salzburger Festspielen. Mit mäßigem Erfolg. Also versucht es der Regisseur noch einmal. Diesmal mit Regisseurin Joana Mallwitz an seiner Seite. Die Premiere war am Samstag. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch wenn es keinen Begeisterungssturm auslöst.
Bildnachweis: SF / Sandra Then
Zur Eröffnung zeigt die Drehbühne von Katharina Schlipf eine großbürgerliche Puppenstube: In der Familie gibt es Streit, die drei Jungs müssen ins Bett. Dann erzählt ihnen der Großvater als Gute-Nacht-Geschichte die Abenteuer von Tamino und Pamina mit der Königin der Nacht und dem Sonnenkönig Sarastro. Und dann erwachen die traumhaften Figuren zum Leben und locken die drei berühmten Wiener Knabenchöre zu Mozarts „Zauberflöte“. Mit dieser Hintergrundgeschichte erspart Regisseurin Lydia Steier ihren Protagonisten die gestelzte Rezitation von Emanuel Schikaneders Dialog. Roland Koch tut es mit gutem Understatement. Er spielt auch gerne Ping-Pong mit dem Regisseur, wenn er melodramatisch zur Musik spricht. Sie müssen schnell reagieren: Kein Problem für die flinke Joana Mallwitz.
Erst Slapstick, dann wird Lydia Steier ernst
Lydia Steier bedient sich Schikaneders Maschinentheater virtuos, nie ideenlos und gewürzt mit eigener Ironie. Die „Zauberflöte“ ist für sie zunächst die Vorstadtgruppe, die der intelligente Mann des Theaters im Sinn hatte. In einer Maurits-Escher-ähnlichen Wendeltreppe lässt Steier Magazin und Slapstick mit tanzenden Schmetterlingen und riesigen Teddybären anspielen, während Tamino mit seiner Flöte die wilden Tiere beruhigt. Nach dem ersten Anstieg ist man ziemlich platt. Und einer der Titel einer Nestroy-Farce kommt mir in den Sinn, wir sind schließlich in Österreich: Will Lydia Steier aus Mozarts Ideendrama nur einen Witz machen?
Da war etwas…
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Doch mit der „Isis und Osiris“-Welt im zweiten Akt wird es ernst. Der junge, in München bekannte Tareq Nazmi zeigt mit großer Tiefe, dass er das Zeug zum Schneider hat. Lydia Steier zeigt den Herrscher und sein Männersyndikat uniformiert im Anzug mit Bombermütze, wie die grauen Ritter aus Michael Endes „Momo“. Hier stehlen sie den Menschen nicht die Zeit, sondern sogar ihr Leben. Weil sie sich in ein Team von Soldaten verwandeln, die Rekruten rekrutieren, um sie im Krieg zu verbrennen. Während der Feuer- und Wasserprobe von Tamino und Pamina flitzen schreckliche Filmaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg über die Bühne – Fernsehaufnahmen aus der Gegenwart sind unmittelbar präsent.
Herausragend ist die Sopranistin Regula Mühlemann
Mit ihrem jugendlichen und klar geführten Sopran bewies Regula Mühlemann, dass sie eine perfekte Mozart-Stylistin ist. Als Pamina verzauberte sie das Publikum mit ihrer Natürlichkeit und dominierte das gesamte Salzburger Mozart-Ensemble. Mit dem kraftvollen, wenn auch nicht mühelosen Mauro Peter als Tamino, mit dem burschikosen Michael Nagl als Papageno und einem überaus homogenen Frauentrio hatte es gute Festivalqualität. Obwohl Peter Tantsits, natürlich ohne Blackface, Monostatos als stimmliche Karikatur schuf, waren Brenda Raes stimmliche Defizite als Königin der Nacht wohl unfreiwilliger Natur.
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Joana Mallwitz ist die ideale Opernfrau im Graben, immer gestikulierend mit ihren Schützlingen auf der Bühne. Die Wiener Philharmoniker haben es auf die Schaffung historisch informierter Musik reduziert: Der Klang ist fett, lebendig und scharf, manchmal etwas zu kompakt für die Akustik des Hauses für Mozart. Auch im zweiten Anlauf ist diese „Zauberflöte“ aus Salzburg kein großer Wurf, aber ein bemerkenswerter Versuch, den Ambivalenzen des Stücks und der Figuren auf den Grund zu gehen.
Show: „Allegro“ am 1. August 2022 ab 6:05 Uhr bei BR-KLASSIK