Breite Kritik an Nevrivy Red District Chief „Heisl“-Sager

Der SPÖ-Politiker hatte im Roten Parteitag Kritiker umstrittener Wiener Straßenbauprojekte als “Heisln” bezeichnet. Wissenschaftler, Grüne und Rote sind darüber empört.

Die Forschungsinitiative „Scientists for Future Austria“ ist von der SPÖ in Wien insbesondere wegen Äußerungen beim Parteitag der Roten am Wochenende verärgert. Donaustadt-Bezirksdirektor Ernst Nevrivy hatte dort die umstrittenen Straßenprojekte – Stadtstraße und Lobautunnel – verteidigt und Kritiker “Heisln” genannt. „Die Haltung und das Vorgehen der SPÖ-Wien gegenüber Verkehrsexperten machen uns sprachlos“, heißt es in einer Mitteilung. Auch von den Grünen und einigen Roten gab es harsche Kritik.

Im Vorfeld des Parteitags hatten Wissenschaftler zudem einen offenen Brief verfasst, in dem sie ein Überdenken von Projekten und eine Mobilitätswende empfehlen. „Dieser Text war höflich, konstruktiv und differenziert formuliert und keinesfalls ein Angriff auf die SPÖ“, so die Wissenschaftler für die Zukunft. Nevrivy hingegen bestritt die Expertise der Unterzeichner und Absolventen der Polytechnischen Universität im Allgemeinen.

„Es ist erst ein halbes Jahr her, dass Ulrich Leth und Barbara Laa mit Millionenklagen gedroht wurden“, hieß es. „Angesichts der zu erwartenden Klima- und Biodiversitätskrise war es heute wohl noch nie so wichtig, dass seriöse Wissenschaftler auf ihrem Gebiet gehört und ernst genommen werden“, so die Initiative. Es ist nicht die Aufgabe der Wissenschaft, Politikern zu sagen, was sie zu tun haben. Aber es ist durchaus Aufgabe der Politik, die Wissenschaft ernst zu nehmen und zuzuhören.

Straßenproblem

Wie erwartet haben Straßenbauprojekte am Samstag im Parteitag der Roten für Diskussionen gesorgt. Der Kreisverband Alsergrund und die Junge Generation (JG) sprachen sich sogar per App für „Zukunftsperspektive statt Tunnelblick“ aus. „Nicht nachhaltige, nicht soziale“ Projekte sollten nicht durchgeführt werden, hieß es. Der Antrag wurde schließlich abgelehnt, aber es gab eine lange Debatte.

Gegner des roten Entwurfs argumentierten, dass andere Bundesländer Straßen bauen würden, aber Wien muss dem nicht unbedingt zustimmen. Es wurde auch festgestellt, dass das Unternehmen während der Corona-Pandemie seinen eigenen Weg gegangen war. Mit einer Plakataktion von Jugend- und Studierendenvertretungen („Kein Beton am Wiener Weg“) wurde ein Verzicht auf das Projekt gefordert.

Donaustadt-Bezirkschef Ernst Nevrivy hingegen stellte fest, es gehe darum, ob die Wiener Partei hinter der Stadtregierung und dem Bürgermeister stehe. Denn er sei „von den Grünen und all den anderen Heisln da draußen“ monatelang beschimpft und beschuldigt worden.

Grün-Rote Kritik an „Heisl“-Redaktion.

In den sozialen Medien wurde Nevrivy daraufhin unter anderem von Vertretern der Grünen scharf kritisiert. „Nevrivy hat absichtlich Menschen beleidigt, Ludwig hat gelacht“, schrieb Grünen-Nationalrat Michel Reimon auf Twitter. Er entschuldigte sich bei den beiden SPÖ-Politikern.

Aber auch der meist jüngere Red machte seinem Ärger Luft. Alsergrunder JG-Funktionär Nino Portschy schrieb auf Twitter: „Ein hochrangiger Bezirkspolitiker in Wien bezeichnet die Zivilbevölkerung als Heisln und es wird sogar darüber gelästert. Ich entschuldige mich dafür, dass ich Sie auch beleidigt habe.

Stefanie Berger, die Wiener Präsidentin des Österreichischen Verbandes Sozialistischer Studentenschaft (VSStÖ), kritisierte Nevrivys Sager in ihrer Rede auf dem Parteitag: „Wenn die Aktivisten auf dem Podium wie Heisln beschimpft werden und dafür Applaus gibt, ist das nicht sozial Demokratie, wie ich sie mir vorstelle”, sagte er.

(APA / Hrsg.)

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