Bremens “Tatort”: Eine Horrorgeschichte


Schlechter Schlaf

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn „Love Wut“ am Pfingstsonntag ausgestrahlt worden wäre. Zunächst einmal, was ich mir bei diesem verrückten “Tatort” die ganze Zeit gewünscht hätte, ist eigentlich ein ziemlich verrücktes Fest, bei dem es unter anderem um Zungenredner geht, was ein Symptom einer gespaltenen Persönlichkeit wäre, wenn l „Heiliger Geist, tu das nicht. Legen Sie nicht Ihre Finger in das Spiel. Zweitens sollten Sie sich den Montag sowieso frei nehmen. Einschlafen nach Einschlafschwierigkeiten, was nach “Love Rage” unvermeidlich ist.

Es fließt nicht viel Blut. Wahnsinn bricht jedoch aus jeder Pore der Geschichte. Eine Frau, die eine blutrote Tülltunika trägt, die einst ihr Hochzeitskleid war, befindet sich in einem sorgfältig verschlossenen Raum in einer ausgebrannten Wohnung. Es sieht aus wie ein Selbstmord. Aber keiner ist. An der Decke über der Leiche kritzeln weiße Lettern den Dämon, der durch die Wände spricht (Pfingsten!) und jemanden suchen geht. Die beiden Kinder der Frau in Rot sind verschwunden.

Kommen alle guten Dinge von oben? Machst du Witze? Wenn du das sagst, meinst du das ernst!

Was: Radio Bremen / Claudia Konerding

Es geht um Liebe und wie giftig sie sein kann. Denn wie bei allem im Leben kommt es auch bei der Liebe auf die Dosis an. Eigentlich ging bei allen “Love Wut”-Figuren fast alles schief mit der Dosis.

Martina Mouchot hat das Buch geschrieben, bevor sie eine ziemlich schlechte Nacht hatte, bisher ist sie nicht unbedingt durch ihren übertriebenen Wahnsinn aufgefallen (am Ende wünscht man sich schamlos häufigere Schlaflosigkeitsphasen).

Anne Zohra Berrached hat den Wahnsinn ins Bild gesetzt. Was wiederum grundsolider Realismus sein kann in „24 Stunden“, zum Beispiel über ein Paar, das verzweifelt vor der Frage steht, ob es sein Kind mit Down-Syndrom austragen oder abtreiben soll.-se). Ihm war „Love Wut“ völlig egal, dass er unbedingt seine Schule gründen sollte.

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Cello lernen Oder nicht.

Das Cello gilt sozusagen noch immer als der perfekte Schwiegersohn unter den Streichinstrumenten. In den letzten Jahren hat sie jedoch die Mischung aus Trautonium und Diskantgeige abgelöst und bezeichnet sie als das zentrale Illustrationsinstrument der Horrorfilmmusik.

Tatsächlich begann es mit der isländischen Cellistin Hildur Guðnadóttir. Joaquin Phoenix etwa ließ Joker den gruseligen Clown auf einem dunklen, grauen Teppich aus fast amorphen Puzzles tanzen, ohne die Todd Philipps’ Superhelden-Dystopie nur halb so düster und dystopisch gewesen wäre (dafür erhielt er einen Oscar).

Der Teppich “Love Wut” hat eine ähnliche Struktur und Dunkelheit. Ein weiteres Cello wird gesägt. Auch dies macht die Räume noch dunkler, als sie ohnehin schon sind. Ein weiterer schwerer Schlag ist das, was bei den hier agierenden behinderten Menschen vor sich geht. Mobile menschliche Abgründe.

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Nie wieder Erdbeerwassereis essen.

Naja, jedenfalls haben wir das seit den Anfängen im Schwimmbad nicht mehr gemacht. Und tatsächlich ließ uns die Erinnerung an den Geschmack angesichts der „Liebeswut“ schaudern. Dann sind wir vom sehr zweifelhaften Genuss des Milchtrinkens geheilt nach jener Szene, in der Cary Grant in Hitchcocks Vertigo ein seltsam leuchtendes Glas Milch die Treppe hinunter zu Joan Fontaines Bett trägt.

Gehen Sie in “Love Rage” die Treppe hinunter. Da ist Gernot Schballa, der schmutzige Nachbar des toten Nachbarn: schmutzige Hose um halb zwei, ein schmutziges Unterhemd der frischen Sorte, ein Kleidungsstück, das ihm nicht bis zum Bauch reicht, es muss gut riechen. Und das Eis, das er immer in der Hand hat, immer im Mund wie Lucky Luke einen Strohhalm, ist ein Erdbeerwassereis. Es leuchtet, als wären die LEDs im Inneren versteckt.

Der Mann ist gefährlich. Er löst Albträume aus. ist der Dämon Es ist Aljoscha Stadelmann. Auf alles kann man sich verlassen.

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„Wir sind das Gesetz“

Gründen Sie einen Aljoscha Stadelmann Club.

Gibt es wahrscheinlich noch nicht. Er ist – gerade erwähnt – der Mann des Erdbeereises. Eine Figur, die am Rand des Fernsehers fast anschwillt. Wer jagt dich nachts.

Stadelmann ist immer unverschämt. Es wirft sich mit übermenschlicher Kraft über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus. Ungeachtet des Verlustes stürzt es in ein graues Meer der Hässlichkeit. Dass „Love Rage“ so lange im Wohnzimmer verweilt und sich nicht mit einer Massenausstrahlung vertreiben lässt, hat viel damit zu tun.

Kommissarin Linda Selb (Luise Wolfram) und Hausmeister Joachim Conradi (Dirk Martens)

Was: Radio Bremen / Claudia Konerding

Aber nicht ausschließlich. Ein Club sollte auch gegründet werden Dirk Martens zum Beispiel ist ein Hausmeister der Höllenschule, ein verzweifelter Pädophiler. Und ein Matthias Matschke Club, das ist der Höllenvater in „Love Rage“. Oder ein Jasna Fritzi Bauer Club, das ist Liv Moormann, dieser angebliche Bremer Straßenjunge, der Kurator wurde und nun durch alle Schwebe seines Traumas gejagt wird.

Und natürlich eine Luise-Wolfram-Keule, deren Gesicht wie Scheinwerfer (oder wie Erdbeereis) aufleuchtet, sobald ihr Kommissar Selb auch nur nach Mord riecht. Wir finden besser gleich einen “Love Rage”-Club. Wir betrachten dies mindestens einmal als die Rocky Horror Picture Show. Mit Erdbeerwassereis statt Reis.

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Neuer “Tatort”-Kommissar.

Er glaubt an die Bundesliga-Tauglichkeit der Bremer

Um ehrlich zu sein, haben wir es getan, lange bevor es überhaupt einen Anhaltspunkt dafür gab, dass Werder an die Front zurückkehren würde. Bremens „Tatort“ vor Moormann, Selb und dem Dänen Mads Andersen (der „Borgen“- und „Die Brücke“-Star, Dar Salim), der sozusagen auf Leihbasis in Bremen spielt, war ein echtes Fahrstuhl-Event . Lürsen und Stedefreund fühlten sich jahrzehntelang zwischen drittklassigen Programmen und Netflix hin- und hergerissen.

Seit Amtsantritt des neuen Trios belegt Bremen im „Tatort“-Ranking konstant einen der Euroleague-Plätze. „Love Wut“, diesmal ohne Andersen, dessen Nebenhandlung nur gestört worden wäre (was wiederum ein Test der Redaktionsklasse von Radio Bremen werden könnte), ist nicht der erste Horror-„Tatort“ in diesem Jahr. Systemtheoretiker würden wahrscheinlich gerne alle Fälle von Geistern und Gespenstern analysieren.

Aber so clever und sinnlich und ohne Rücksicht auf die körperlichen und seelischen Folgen des Klischeekonsumenten eines Sonntagnacht-Polizei-Thrillers hat zumindest in diesem Jahr noch niemand die Geschichte des Horrorfilms genutzt. Es beginnt mit dem Anfangsbuchstaben des Abspanns (riesige rote Blutbuchstaben). Die Farbgestaltung der Räume setzt sich fort (das Treppenhaus ist grün, nicht giftgrün).

Jaqueline Deppe (Milena Kaltenbach) lebt beim Ex-Mann des toten “Tatort”

Was: Radio Bremen / Claudia Konerding

Die Musik hatten wir schon. Die Charaktere auch. Du besuchst höllische Orte (zum Beispiel einen garantiert brutalistischen und albtraumverursachenden Reformer der 70er mit unglaublich lustigen Fischen, die an den Wänden schwimmen).

Im Mittelpunkt steht ein „Spukhaus“ mit Erdfallen und doppelten Wänden und versteckten Räumen, das es mit einer gruseligen Kleinbürgervilla aus den 1970er-Jahren aufnehmen kann und vieles kann.

Dem Teufel ist das ziemlich egal. In diesem Fall tanzt sie immer überall. Er spricht durch viele Charaktere. Womit wir wieder bei Pfingsten wären. „Love Rage“ ist ein unglaublich guter „Tatort“

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