Brüsseler Kompromiss: EU stimmt Ölembargo gegen Russland zu

Die EU-Staaten haben sich beim geplanten Ölembargo gegen Russland auf einen Kompromiss geeinigt.

Mehr als zwei Drittel der russischen Öllieferungen in die EU seien von dem Importstopp betroffen, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel (46) am Ende des ersten Gipfeltages im EU-Sonderbericht zur Ukraine. Überschattet wurde der Gipfel von einem Kampf zwischen 26 der 27 EU-Mitgliedstaaten und Ungarn.

Bei dem Deal nach einem Nervenzusammenbruch geht es laut Diplomatenkreisen um Importe per Schiff. Daher sollen Öllieferungen per Pipeline zunächst weiterhin erlaubt sein. Konkret hatte es der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán (59) gefordert und damit das sechste Sanktionspaket gegen Russland um Wochen verschoben (Einstimmigkeit erforderlich).

Deutschland wird darauf Anfang 2023 verzichten

Aber auch Tschechien und die Slowakei, die wie Deutschland und Polen an die Gasleitung „Druschba“ angeschlossen sind, sollen von der Übergangslösung profitieren. Allerdings hatten Berlin und Warschau bereits angekündigt, ab dem kommenden Jahr komplett auf russisches Öl zu verzichten. Damit erhöhe sich der erwartete Rückgang der Ölimporte „um etwa 90 Prozent“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (63) am Abend.

Der ungarische Premierminister Viktor Orbán löste im Gespräch mit der finnischen Premierministerin Sanna Marin Kontroversen auf dem EU-Gipfel ausFoto: JOHANNA GERON / REUTERS

“So bald wie möglich” will man auf das Thema Ölpipelines zurückkommen, heißt es in der Gipfelerklärung.

Laut BILD kam es hinter den Kulissen zu einem heftigen Krach. „Alle Mitgliedsstaaten waren bereit, zugunsten der Ukraine Opfer zu bringen, aber die Angst vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Ländern mit Ausnahmeregelungen war genauso groß“, erfuhr BILD aus Diplomatenkreisen.

Angst vor Wettbewerbsnachteil

Die Folge von Misstrauen: Viele Details, vor allem die genauen Übergangsfristen, blieben offen. Der Rat erklärte außerdem, dass „ein fairer Wettbewerb, Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten und gleiche Wettbewerbsbedingungen gewährleistet sein müssen“. Und er versprach 447 Millionen EU-Bürgern: „Bei einer plötzlichen Versorgungsunterbrechung wird sofort gehandelt, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“

Der EU-Ratspräsident sprach von maximalem Druck auf Russland. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) zeigte sich erleichtert über den Minimalkonsens: „Die EU stimmt zu“, schrieb Scholz am Abend auf Twitter.

Selenskyj kritisiert EU-Schluckauf

Zuvor hatte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, 44, der auf Video aufgezeichnet wurde, um eine Erklärung abzugeben, über das Zögern der EU geärgert.

„Warum verlassen Sie sich beim Druck auf Russland und nicht umgekehrt?“, fragte er die Staats- und Regierungschefs der EU. “Warum kann Russland mit dem Verkauf von Energie immer noch fast eine Milliarde Euro am Tag verdienen?”

Hintergrund: Seit Kriegsbeginn hat Russland seine Energieeinnahmen aufgrund hoher Preise um 13,7 Milliarden Euro gesteigert und damit Putins Kassen gefüllt.

Auch aus dem Europäischen Parlament kamen kritische Stimmen zu den Gipfelbeschlüssen. Vizepräsidentin Nicola Beer (52, FDP) sprach mit BILD über ein „leichtes Öl-Embargo“ und ein Sanktionspaket, in dem „das nationale Kleingedruckte überwiegt“.

Enttäuschend ist auch die Tatsache, dass der Status eines Vollkandidaten für die EU-Mitgliedschaft ausgespart wird, und die unterschwellige Botschaft des Gipfels in der Ukraine: “Eine Klasse Holz wird nicht ausreichen.”

Schließlich will die EU gemeinsam mit den G7-Staaten die Ukraine weiter finanziell unterstützen. Die Staats- und Regierungschefs einigten sich auf neue Hilfen in Höhe von neun Milliarden Euro, um den „unmittelbaren Liquiditätsbedarf“ Kiews zu decken.

Geld soll wohl in Form von langfristigen zinsgünstigen Krediten fließen.

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