Ein Sommerlagerleiter ist ein verurteilter Sexualstraftäter, das Urteil wurde aufgehoben. Nun meldet eine Mutter einen mutmaßlichen Missbrauch.
Wie „Heute“ berichtet, wurde ein Leiter von Werkstätten und Ferienlagern 2010 unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt, die Strafe wurde bereits erlöst. Der Mann hat vor einigen Jahren ein Unternehmen gegründet, das Schulausflüge, Kinderkletterkurse und Geburtstagsfeiern organisiert.
Hinweis-Veröffentlichung
Ein (inzwischen gelöschter) Instagram-Post des „Bündnis-Kinderschutz Österreich“ warnte kürzlich vor dem verurteilten Sexualstraftäter mit seinem bürgerlichen Namen und Firmennamen. Infolgedessen zogen viele Eltern ihre Kinder aus Kursen und Workshops ab, ohne zu wissen, was die Vergangenheit des Lagerbetreibers war.
“Sie kam ohne Unterwäsche von der Reise zurück. Ihr T-Shirt war im Rucksack eines anderen Kindes, ihre Unterhose im eigenen Rucksack” – besorgte Mutter Hannah M.
Im Interview mit Heute zeigt sich auch Hannah M. (umbenannt) sichtlich betroffen: „Mein damals vierjähriger Sohn hat im Herbst 2020 einen Workshop des besagten Mannes besucht. Er war von Anfang an total begeistert und hat immer gemocht mit ihm gehen, aber das hat sich plötzlich geändert. Ein anderer Junge, seine Unterhose im eigenen Rucksack.“
Auf dem Rückweg war der Junge aufgebracht: „Er hat die ganze Zeit geweint und gesagt, er wolle nie wieder zurückkommen. Ich fühle mich aus heutiger Sicht schuldig“, sagt Wien, 30.
„Ich war immer alleine mit den Kindern, oft in Gewässern wie der Lobau“ – Hannah M.
Laut Hannah M. holte die Camp-Betreiberin die Kinder alle zwei Wochen mittags direkt in der Kita Wien-Josefstadt ab: „Meistens waren es kleine Gruppen von fünf oder sechs Kindern. Manchmal kam sie mit.“ Manchmal waren sie immer dabei allein mit ihnen, oft in Gebieten mit Gewässern oder Seen wie der Lobau, die von ihren Ausflügen meist erst um 17 oder 18 Uhr zurückkehrten”, erinnert sich Hannah M .
Was den 30-Jährigen zudem irritiert: Der vorbestrafte Sexualstraftäter machte viele Fotos von den Kindern: „Er hat unglaublich viele Fotos gemacht, die er auch an die Eltern geschickt hat. Einerseits waren wir natürlich sehr „Es ist toll zu sehen, was unsere Kinder gerade machen.
Verdacht auf sexuellen Missbrauch melden
Sie und eine weitere Mutter wollen den Mann noch diese Woche wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs anzeigen. Auch ein anderes betroffenes Elternpaar sagte dem Bündnis-Kinderschutz Österreich: „Es ist unglaublich für unsere Eltern, dass dieser Mann seine Krankheit zum Vollzeitjob gemacht hat.“ Der 30-Jährige ist bestürzt.
Auch Martha H. (41) meldete nach Bekanntwerden des Vorstrafenregisters ihren sechsjährigen Sohn Nicolas (alle Namen geändert) aus der Werkstatt: „Das hat uns viel gekostet, den Kindern gefiel es womit natürlich nichts zu machen war. Aber nach Recherche waren wir überzeugt, dass der Satz richtig war.“
Seltsamer Vorfall im März
Rückblickend erinnert sich der 41-Jährige, der den Betreiber als „ganz besonderen und schrulligen Mann“ beschreibt, an einen Vorfall im März: „Ein Passant hat damals die Polizei gerufen. Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Aber ich habe gehört, dass der Lagerbetreiber nicht identifiziert werden wollte.“
Eltern sind zudem bestürzt über die Gesetzeslage, die es einzelnen Eigentümern trotz entsprechender (bezahlter) Vorstrafen ermöglicht, mit ihren Kindern in den Beruf zurückzukehren. Denn in der Praxis kann nicht überprüft werden, ob der Verantwortliche pädagogisch geeignet und strafrechtlich unbedenklich ist. Nach Angaben der Wiener Kinder- und Jugendstaatsanwaltschaft gab es laut ORF sogar Fälle, in denen ein Trainer mit einschlägiger Vergangenheit eine andere Straftat begangen hat.
Seagull bittet um den Gütesiegel des Kindeswohls
Das Kinderschutzzentrum Möwe empfiehlt in diesem Zusammenhang Eltern und Erziehungsberechtigten darauf zu achten, ob Freizeitangebote und Ferienlager ein Kinderschutzkonzept enthalten, dem sich die Anbieter verpflichtet fühlen. Aus Sicht von Möwe wäre es wünschenswert, in diesem Zusammenhang ein „Gütesiegel“ einzuführen, mit dessen Hilfe Vertrauensanbieter identifiziert werden können, um das Wohl des Kindes zu gewährleisten.
Nav-Compte cz, foto Hora13.06.2022, 06:00 | Akt: 13.06.2022, 07:35