CDU und AfD im Freistaat warnen vor Tabubrüchen in Thüringen

Stand: 04.06.2022 16:50 Uhr

Tatsächlich schließt die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. In Thüringen hingegen könnte sie mit Hilfe der AfD auf ein Windradgesetz drängen. Bundespolitiker an der Ampel sind bestürzt und fordern ein Machtwort von Parteichef Merz.

Ampeln haben die CDU davor gewarnt, mit der AfD in Thüringen zusammenzuarbeiten und damit ein Tabu zu brechen. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sagte dem Spiegel, jetzt sei Führung in der CDU gefragt, denn auch im Erfurter Landtag werde die Autorität von Parteichef Friedrich Merz in Frage gestellt.

Hintergrund ist, dass die Bundestagsfraktion der CDU einen Gesetzentwurf vorgelegt hat, der darauf abzielt, einen Abstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohngebäuden festzulegen. Neben der FDP-Fraktion hat auch die AfD den Landtag unterstützt, wodurch der Entwurf Chancen auf Zustimmung hat. In Thüringen regieren Linkspartei, SPD und Grüne, aber nur mit einer Minderheitsregierung.

„So etwas darf es nie geben“

Ein Gesetz gegen die rot-rot-grünen Stimmen sei „ein Mehrheitsgesetz von Höckes Gnaden“, sagte Kühnert mit Blick auf den AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke. “So etwas hat es noch nie gegeben und sollte es auch nie geben.” Offenbar ist die CDU der Meinung, dass in Zusammenarbeit mit der AfD die Sperrzone erst mit gemeinsamen Koalitionen beginnt. “Wer so argumentiert, hat nichts gelernt.” In Thüringen wird die AfD wegen rechtsextremer Tendenzen vom Verfassungsschutz kontrolliert.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Emily Büning, erinnerte an eine Aussage von Merz im Dezember, dass es mit ihm in der AfD eine Firewall geben werde. Er schweige jetzt, sagte er dem Spiegel. Keine Partei sollte auf die Stimmen von Rechtsextremisten angewiesen sein. “Ich erwarte von der CDU als demokratische Kraft, dass sie diese Brandmauer aufrechterhält.”

Auch FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai forderte die Christdemokraten auf, die Situation zu lösen. „Die CDU ist dafür verantwortlich, die durch ihre Umsetzung geschaffene Situation zu verhindern“, sagte der FDP-Politiker dem Deutschen Verlagsnetzwerk. “Warum er diese staatspolitische Situation jetzt provoziert, ist nicht klar.”

CDU spricht von “Vernunftfrage”

„Wir bringen eigenständig inhaltliche Initiativen ein, die zu unseren Zielen und Überzeugungen passen, egal wer dafür und wer dagegen ist“, sagte CDU-Fraktionschef Mario Voigt am Freitag in Erfurt. Grundsätzlich gilt, dass „das Wahlverhalten in Tatsachensachen der Vernunft folgen muss“.

Nach Kritik an Berlin fügte er hinzu: „Das sind Thüringer Themen, und ich hoffe, dass auch hier in Thüringen Lösungen gefunden werden.“ Die Reaktionen der Bundesregierung zeigten, wie sehr „sich die Berliner Blase von der Lebenswirklichkeit der Menschen im ländlichen Raum entfernt hat“. Kühnert sind die Thüringer egal. “Kritik hat nur ein Ziel: den Erfolg des Kurses von Friedrich Merz zu torpedieren.”

Erinnerungen an Kemmerichs Wahl

CDU und FDP haben in Thüringen bereits im Umgang mit der AfD für Schlagzeilen gesorgt. Am 5. Februar 2020 wurde der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit den Stimmen von AfD, CDU und FDP zum Ministerpräsidenten des Freistaates gewählt. Die AfD hatte ihren eigenen Kandidaten aufgegeben und für Kemmerich gestimmt. Die Liberalen nahmen die Wahl an. Das Ereignis löste im ganzen Land einen Sturm der Empörung aus. Wahlen wurden oft als Bruch mit einem politischen Tabu empfunden. Auf öffentlichen Druck hin kündigte Kemmerich einen Tag nach der Wahl seinen Rücktritt an, den er drei Tage nach der Wahl vollzog.

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