Chaos am Frankfurter Flughafen: „Niemand sollte mit einer baldigen Genesung rechnen“

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Erstellt: 06.07.2022 Aktualisiert: 06.07.2022 17:23

Von: Niklas Hecht, Alexander Gottschalk

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Der Sommer 2022 wird ein Sommer des Chaos am Flughafen Frankfurt. Lufthansa steht wegen Leerflug in der Kritik. Der Newsticker.

+++ 17.15 Uhr: Nach Angaben von Fraport-Chef Stefan Schulte werden die Abfertigungsprobleme am Frankfurter Flughafen noch mehrere Monate andauern. Laut einem dpa-Bericht sagte Schulte am Dienstagabend, dass das aktuelle Niveau noch zwei, drei Monate gleich bleiben werde und auch andere Flüge gestrichen werden müssten. In Zusammenarbeit mit dem Hauptkunden Lufthansa wurden bereits mehrere hundert Flüge nach Frankfurt für die Monate Juli und August gestrichen. Dies sei notwendig, um das System stabil zu halten, sagte Fraport-Chef. “Bisher haben wir das totale Chaos vermieden.” Und mit Blick auf den bevorstehenden Beginn der Schulferien in Hessen und Rheinland-Pfalz warnte er davor, dass sich die Situation noch verschärfen könnte: „Die Sommerspitzen stehen noch bevor.“

Es gebe eine relativ hohe Pünktlichkeit und lange Wartezeiten vor allem beim Gepäck, wofür sich Schulte bei den Fahrgästen entschuldige, schreibt die dpa. Schulte räumte ein, die Entwicklung während der Corona-Krise falsch eingeschätzt zu haben. Allerdings ließe sich die Abwanderung von Geringverdienern auch mit einer Anhebung des Kurzarbeitergeldes nicht vermeiden, weil auch diese Menschen auf Schichtzuschüsse angewiesen sind. Sie hätten sich in anderen Branchen Arbeit gesucht. Fraport hat laut Schulte seit Spätsommer 2021 fast 1000 neue Leute eingestellt, braucht aber noch mehrere Hundert.

Sitze in Lufthansa-Flugzeugen bleiben in letzter Zeit immer häufiger leer. © DANIEL ROLAND / afp

Chaos am Frankfurter Flughafen: Aufregung über Leerflug der Lufthansa

Update vom Mittwoch, 6. Juli, 14.03 Uhr: Am Frankfurter Flughafen herrscht seit Wochen Chaos wegen massiven Personalmangels. Auch die Lufthansa trägt mitten in der Ferienzeit zur Verwirrung am Frankfurter Flughafen bei. Fluggesellschaften streichen zunehmend geplante Passagierflüge und lassen stattdessen Flugzeuge ohne Passagiere an Flughäfen anfliegen, sagt das Branchenportal Aviation.Direct.

Der Lufthansa-Flug LH202 von Frankfurt nach Berlin wurde erst kurz zuvor von der Fluggesellschaft gestrichen. Per Lautsprecherdurchsage informierte die Lufthansa die Frankfurter Fluggäste über die Streichung des Fluges aus Berlin. Tatsächlich flog die Maschine in die Hauptstadt, aber ohne Passagiere. Lufthansa begründete den Leerflug gegenüber Aviation.Direct damit, dass die Maschine für einen stabilen Flugplan in Berlin platziert werden solle.

Flughafen Frankfurt: Ehemaliger Bild-Chef von Flugausfall betroffen

Betroffene Passagiere hätten nach der Flugannullierung keine Unterstützung von Lufthansa erhalten, so Aviation.Direct weiter. Die Airline konnte ihren Passagieren nach der Absage weder Hotelzimmer noch Bahntickets zur Verfügung stellen. Gekaufte Bahntickets können zumindest zur Erstattung an Lufthansa gesendet werden.

Die designierten Passagiere von Flug LH202 waren sichtlich verärgert über die schlecht kommunizierte Absage, wie das Beispiel von Bild-Ex-Chef Kai Diekmann zeigt, der angeblich ein Ticket für den Flieger hatte und sichtlich emotional auf die Absage reagierte. „Bitte sagen Sie mir, dass es nicht wahr ist …“, schrieb er an die Lufthansa, die sich „vielfach für die verursachte Verwirrung entschuldigte“.

Chaos am Frankfurter Flughafen: „Das System ist ziemlich heruntergekommen“

+++ 15.11 Uhr: Das Chaos im Luftverkehr ist nach Angaben der Gewerkschaft Verdi die Folge des harten Wettbewerbs in der Luftfahrtbranche. Die Probleme seien schon vor der Corona-Pandemie sichtbar gewesen, sagte Verdi-Vizepräsidentin Christine Behle am Dienstag (5. Juli) der dpa. „Der Arbeitgeber hat die Kurve überholt, sodass fast niemand mehr in der Luftfahrt arbeiten will“, kritisierte der Gewerkschafter. “Das System ist ziemlich schlecht. Die Tickets decken die Kosten nicht und wir haben Arbeitsbedingungen im Untergrund. Jemand muss fürs Fliegen bezahlen. Bisher war es das Personal. Das kann nicht so bleiben.”

An vielen Flughäfen, wie dem Flughafen Frankfurt, herrscht ein massiver Personalmangel, der im Sommer 2022 zu Verspätungen, Ausfällen und langen Wartezeiten führen wird, dessen Behebung jedoch Monate dauern wird. Grund dafür sieht Verdi in jahrzehntelangen Missständen wie „Billiger-Angeboten“ bei der Flugzeugabfertigung, anhaltenden Lohnkürzungen und der Zersplitterung verschiedener Dienste, die massive Kontrollprobleme an europäischen Flughäfen verursacht hätten.

Die Luftfahrtindustrie steht vor schwierigen Zeiten. © Patrick Pleul/dpa

Personalmangel am Frankfurter Flughafen: „Unternehmen haben Chance empfunden“

Erschwerend kommt hinzu: Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber haben sich verschätzt, nicht nur laut Arbeitnehmerverband. Die Nachfrage nach Flugreisen stieg nach der Corona-Krise schneller als erwartet. Bereits im Mai etwa waren die Passagierzahlen in Frankfurt fast wieder auf dem Vorkrisenniveau angelangt. Gleichzeitig wurden viele Stellen abgebaut. Behle: „Unternehmen haben die Chance gewittert, erfahrene und damit teure Mitarbeiter loszuwerden. Man darf sich nicht wundern, wenn etwas nicht funktioniert.“

Verdi-Vertreter Behle zeigt sich besorgt über die Lage bei der Lufthansa. Durch die ständige Belastung durch Krankenstände auf einzelnen Einheiten hören bis zu 40 Prozent zu. Auch physische und psychische Angriffe auf das Personal nehmen in besorgniserregendem Maße zu. Verdi hofft, bald konkrete Schritte von der Lufthansa-Führung zu erfahren. Eine Lösung für die gesamte Branche wären aus gewerkschaftlicher Sicht entsprechende Tarifverträge.

Chaos am Frankfurter Flughafen: Fraport streicht Frachtflüge

Update Dienstag, 5. Juli, 10.15 Uhr: Der akute Personalmangel am Frankfurter Flughafen wirkt sich auch auf den Luftfrachtverkehr aus. Wie das interne Nachrichtenportal der Branche airliners.de berichtet, verhängte der Flughafen für zahlreiche Frachtflüge an den traditionell stark frequentierten Wochenenden wegen Personalmangels terrestrisch eine vorübergehende Flugsperre. Betroffen sind mehr als 30 Frachtflüge, darunter viele der lokalen Fluggesellschaft Lufthansa Cargo, die zwischen Freitag und Sonntag verkehren soll. Dies teilte die Frankfurter Flughafenbetreiberin den Fluggesellschaften am Freitag in einer Mitteilung mit.

Zudem werden in den kommenden Wochen weitere Frachtflüge auf verkehrsärmere Tage verlegt. Die Maßnahme gilt zunächst bis Ende August und soll sicherstellen, dass der Frankfurter Flughafen den derzeit großen Touristenansturm bewältigen kann. Während der Corona-Krise hatte der Flughafenbetreiber rund 4000 Stellen gestrichen, diese fehlen nun, um alle Passagier- und Frachtflüge abwickeln zu können. Gerade bei der Gepäckabfertigung kommt es immer wieder zu langen Warteschlangen und Wartezeiten. Fraport rät Reisenden, genügend Zeit für ihren Aufenthalt am Frankfurter Flughafen einzuplanen.

Chaos am Frankfurter Flughafen: „Wir haben Angst, unseren Flug zu verlieren“

Erstmeldung am Montag, 4. Juli: Am Frankfurter Flughafen wird derzeit vieles zusammengetragen. Die mit der Krone verbundene Verkleinerung kommt der wiederentdeckten Gehlust der Passagiere entgegen. Immer wieder führt der Personalmangel dazu, dass die Gepäckausgabe nicht funktioniert. Die Zunahme der Kronenkrankheit verschärft die Situation an Deutschlands größtem Flughafen. Die Folgen sind lange Wartezeiten, annullierte Flüge und Frust bei den Passagieren.

Natürlich lässt die Situation die Passagiere nicht kalt. „Ich habe fast vier Stunden auf meinen einzigen Koffer gewartet“, klagte der 62-jährige Reisebürochef kürzlich nach seiner Reise von Gran Canaria nach Frankfurt gegenüber Bild. Hunderte Menschen hätten sich stundenlang bei ihm in der Lobby aufgehalten: „Die Kinder haben völlig erschöpft geweint, die Eltern waren aufgebracht. Die Stimmung wurde von Minute zu Minute aggressiver.“

Den Fahrgästen tun die Mitarbeiter leid

Laut Fahrgast haben sich die Mitarbeiter “wirklich bemüht”. Aber: “Es waren zu wenige.” Ähnliches beschrieben zwei Jugendliche auf dem Weg nach Mallorca in den Urlaub gegenüber der Boulevardzeitung: „So etwas haben wir noch nie gesehen!“. Sie rannten am Frankfurter Flughafen herum, aber wenn sie mit jemandem sprachen, schickten sie sie zu einem anderen Schalter oder Mitarbeiter.

Am Frankfurter Flughafen warten Passagiere derzeit deutlich länger auf die Bearbeitung ihres Gepäcks. © Arne Dedert

Auch in den sozialen Medien wird die Situation am Frankfurter Flughafen heiß diskutiert. Viele Nutzer beklagen die langen Wartezeiten bei der Gepäckabholung und kritisieren den großflächigen Stellenabbau während der Corona-Krise. „Es ist eine blöde Zeit für die, die dort arbeiten und erst recht für die Sommerfrischler“, resümiert ein Nutzer der Bewertung. Der Fraport-Führung wird oft “Misswirtschaft und Inkompetenz” vorgeworfen. Andere hingegen sehen das Chaos gelassener: „Also lieber Auto fahren und keinen Stress“, verweist ein Nutzer auf eine Alternative zum Flugzeug.

Flughafen Frankfurt: Stellenabbau mit schwerwiegenden Folgen

Während der Corona-Krise hatte der Frankfurter Flughafenbetreiber rund 4.000 Stellen abgebaut; der Personalmangel macht sich jetzt bemerkbar. Fraport arbeite hart daran, neue Mitarbeiter einzustellen, aber das werde dauern, erklärt er …

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