Chiesa enteignet am 1. August gegen die Linke aufgewacht

Politiker nehmen den Nationalfeiertag oft zum Anlass, vom mit der Schweizerfahne geschmückten Rednerpult die Schweiz als willige Nation zu preisen und an den Zusammenhalt von Land und Leuten zu appellieren.

Doch SVP-Präsident Marco Chiesa (47) spaltet lieber, als zu vereinen, auch am 1. August. Nachdem der Tessiner den letztjährigen Bankfeiertag zum Anlass genommen hatte, in den Städten auf «die Luxuslinke und die paternalistischen Grünen» einzuprügeln, diesmal um den Tag mit einem Edelweiss-T-Shirt zu feiern, kritisierte das «Gender gegen die Freiheit». “Unsinn”-Welle.

“Kann nur ein ‘echter’ Schweizer jodeln?”

Chiesa greift die aktuelle Debatte auf, die ein abgesagtes Konzert einer Reggae-Band in der Brasserie Lorraine in Bern ausgelöst hat. Anonyme Zuschauer hatten der Band wegen ihrer Dreadlocks und afrikanischen Kleidung “kulturelle Aneignung” vorgeworfen.

„Können nur Schwarze schwarze Musik spielen und afroamerikanische Frisuren tragen?“, will Chiesa wissen. „Oder anders formuliert: Kann nur ein Jodler oder ein „echter“ Schweizer swingen? Jagen wir einen Chinesen in die Kneipe, weil er Fondue essen will?

Unterschiedliche Prioritäten

Der SVP-Präsident regt sich auch darüber auf, dass sich Kinder an der Fasnacht nicht mehr als Indianer verkleiden können und die Stadt Zürich Millionen für geschlechtsneutrale Toiletten ausgibt. Chiesas Urteil: “Das sind die Probleme einer wohlhabenden grün-linken Elite, die die Schweiz verachtet.” Die Schweizerinnen und Schweizer haben andere Sorgen: zum Beispiel Inflation, AVS, die drohende Energiekrise oder die Sicherheit und Neutralität der Schweiz.

Darauf hätte Chiesa zuerst seine eigene Jugendgruppe hinweisen sollen. Die junge SVP, angeführt von David Trachsel (27), hat sich in den letzten Wochen nicht den Kopf darüber zerbrochen, wie wir verhindern können, dass wir im nächsten Winter frieren, oder was getan werden muss, damit zukünftige Generationen im Alter genügend Renten haben. in Würde zu leben.

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Stattdessen erstattete die junge SVP Anzeige gegen die Brasserie, in der die Reggae-Band aufgetreten war. Die Jugendpartei hatte zuvor auch eine Petition lanciert, um Ballermanns sexistischen Hit «Layla» auf Platz 1 der Schweizer Charts zu kapitalisieren, und war mit einem Gender-Sprachführer der UBS in den Medien.

Frage der Kantone

Auch Chiesa selbst setzt seine Schwerpunkte je nach Inhalt seiner Rede vom 1. August anders. Am Ende seiner Rede schlägt er vor, dass Universitäten die Steuern senken, wenn sie “diesen freiheitsfeindlichen Unsinn verbreiten”.

Wie kann man es kontrollieren? Die SVP weiß es auch nicht. Auf Anfrage der «SonntagsZeitung» wies Generalsekretär Peter Keller (51) darauf hin, dass die Hochschulen – ausser der ETH – den Kantonen unterstehen. Deshalb ist es Sache der Kantonsparteien.

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