China-Gefangenschaft: Schlafen, Essen und Waschen in der Fließbandfabrik

Die härteste Haft der Welt ist vorbei: Nach zwei Monaten Eingesperrtsein in den eigenen vier Wänden können die Bewohner der größten Stadt Chinas wieder ausziehen. Obwohl langsam wieder der Alltag nach Shanghai zurückkehrt, werden die Bilder der letzten Wochen nicht vergessen.

Unternehmen in der Metropole haben die Produktion bereits vor Wochen wieder aufgenommen. Die Pekinger Regierung hat Ausnahmeregelungen für die angeschlagene Branche erlassen. Die Bedingung: Einmal in den Fabrikanlagen angekommen, darf man sie nicht mehr verlassen. Alle Mitarbeiter waren in einer Blase eingeschlossen, wie das ARD-China-Büro kürzlich berichtete.

Apple-Anbieter wollten die Arbeiter nicht nach Hause gehen lassen

Seit mehr als einem Monat müssen Tausende chinesische Arbeiter in der Fabrik arbeiten, essen, waschen, schlafen. Bilder in sozialen Medien zeigen die prekären Arbeitsbedingungen. Mitarbeiter mit Schlafsäcken, keine Privatsphäre, lautes Schnarchen und Husten, alles auf engstem Raum.

Besonders in der Kritik: Der Zulieferer von Apple Quanta Computer Inc. Nach fünf Wochen wollten viele Jugendliche das Werksgelände verlassen, durften es aber nicht. Laut ARD kam es zu Ausschreitungen und Schlägereien. Die meisten mussten bleiben, einige durften nach Hause zurückkehren. Wer auf dem Werksgelände bleiben sollte, verdient jetzt das Dreifache seines Gehalts. Schließlich.

Beamte sagen, niemand in China sei gezwungen worden, in die Fabriken zurückzukehren. Doch Arbeiter haben oft keine Wahl, weil sie und ihre Familien auf niedrige Löhne angewiesen sind.

Swissmem: «Die Alternative wäre Arbeitslosigkeit»

“Aus Schweizer Sicht wirken diese Bilder ungewöhnlich und dramatisch. In vielen fremden Ländern waren diese Szenarien in Covid-Zeiten jedoch üblich”, sagt Ivo Zimmermann, Vorstandsmitglied des Verbands der Schweizerischen Industrie Metall (Swissmem) im Blick. Zur konkreten Umsetzung in Unternehmen kann sich Swissmem nicht äussern. «Wir sind aber überzeugt, dass die Schweizer Industrieunternehmen alles tun werden, um in solchen Ausnahmesituationen mit den Mitarbeitenden so freundlich und vernünftig wie möglich umzugehen», sagt Zimmermann.

Doch angesichts der Pandemie hätte die Produktion normalerweise nur unter diesen Bedingungen aufrechterhalten werden können. „Trotz aller Schwierigkeiten und Nöte wäre die Alternative, den Betrieb zu schließen und die Arbeiter arbeitslos zu lassen.“ Doch Ivo Zimermann ist überzeugt: «Aus zahlreichen Kontakten mit Schweizer Industrieunternehmen, die in China produzieren, wissen wir, dass sie nicht nur alle lokalen Gesetze und Vorschriften einhalten, sondern ihren Mitarbeitenden auch Arbeitsbedingungen nach Schweizer Standards bieten.» (nein)

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