Chipkrise und Rohstoffknappheit verteuern neue und gebrauchte Schweizer Autos

Lange Lieferzeiten und steigende Preise

So viel teurer macht Putins Krieg unsere Autos

Mikrochipkrise, steigende Rohstoffpreise, Containerknappheit – das Autogeschäft bremst massiv. Die Folge: Umsatzeinbußen, lange Lieferzeiten und gestiegene Preise. Aber wie viel teurer sind unsere Autos wirklich geworden? Der Blick klart auf.

Im ersten Halbjahr 2022 stiegen die Fahrzeugpreise auf dem Online-Marktplatz Autoscout24 über alle Fahrzeugsegmente und Kraftstoffarten hinweg auf ein Allzeithoch. Die Angebotsverknappung ließ den Durchschnittspreis für Neuwagen im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf 54’730 Franken steigen. Auf dem Gebrauchtmarkt kostete ein Fahrzeug durchschnittlich 29’916 Franken, 14 Prozent mehr als vor einem Jahr. Da?

Denn manchen Herstellern mangelt es immer noch an Spänen, weil Container für den Teiletransport von Zulieferern knapp sind und vor allem durch den Krieg in der Ukraine Rohstoffe und Energie massiv teuer geworden sind. Interessant: Laut Autoscout24 legten Elektroautos mit Preissteigerungen von 16 Prozent am stärksten zu. Verbrennungsmotoren legten hingegen nur um sieben Prozent zu. Laut Neuwagenimporteuren fallen die Preissteigerungen bei elektrifizierten oder reinen Elektromodellen aber moderater aus.

So betont beispielsweise der kaufmännische Leiter von Peugeot, Jördis Kutscher, dass die Preise im Strombereich praktisch stabil geblieben seien. Die Batterieversion des Peugeot 208, der e-208 Active mit 136 PS, legte zwischen Juli 2021 und Juli 2022 um nur 700 Franken von 34’050 auf 34’750 Franken zu, ein Plus von gerade einmal 2,1 Prozent. Beim Einstiegsmodell von Peugeot, dem 208 Like PureTech mit 75 PS, stieg der Preis im gleichen Zeitraum von 18.000 auf 21.000 Franken (Juli 2022), also um 16,7 Prozent (siehe Tabelle).

Die Schweizer sollen mehr Elektroautos kaufen

Importeure versuchen, Verbraucher und Neuwagenkäufer davon zu überzeugen, sich für umweltfreundlichere Modellvarianten zu entscheiden. Aus nicht ganz uneigennützigen Erwägungen: Schließlich wollen sich Hersteller und Importeure teure CO₂-Bußgelder vom Staat wegen überhöhter CO₂-Flottenemissionen ersparen. Und das geht nur, wenn die Schweizer Herren und Damen möglichst CO₂-freundliche, also elektrifizierte Neuwagen kaufen.

Doch wie stark hat der beliebteste Neuwagen der Schweiz in den letzten zwölf Monaten wirklich zugelegt? Wir haben die aktuellen Preise der 15 meistverkauften Modelle im ersten Halbjahr 2022 mit denen des Sommers vor einem Jahr verglichen. Auffällig ist, dass die 15 Modelle im Laufe der Zeit teurer geworden sind. Aber: Insgesamt fallen die Preiserhöhungen moderater aus als von vielen erwartet.

Anpassungen an Standard-Crash-Anforderungen

Während beispielsweise Tesla seine Preise in Deutschland zuletzt massiv angepasst hat, ist der Aufschlag für das Tesla Model 3 und Model Y, die derzeit auf dem Neuwagenstand auf Platz eins und zwei stehen, mit 2,3 bzw. 4,8 Prozent relativ niedrig. Deutlich höher: die Preisanpassung von 8,4 Prozent für die aktuelle Nr. 3, den Skoda Octavia.

Die Zuschläge auf die Einstiegsmodelle Octavia und Kodiaq werden bei Skoda zum einen mit der Chipkrise und den gestiegenen Rohstoffpreisen durch Russlands Krieg gegen die Ukraine begründet. Aber auch mit umfangreicherer Serienausstattung und Aktualisierungen der Sicherheits- und Assistenzsysteme, die aufgrund der Anforderungen der teilweise modifizierten Crashnorm Euro NCAP notwendig wurden.

Varianten werden reduziert

Bei Dacia ist der Grund für die deutliche Preiserhöhung beim günstigsten Sandero ein ähnlicher. Aufgrund der Chipkrise und steigender Rohstoffpreise hat Dacia sein Angebot an Modellen und Ausstattungsvarianten auf die meistverkauften Varianten reduziert. So wird beispielsweise die in der Schweiz ohnehin kaum nachgefragte Einsteiger-Engine Sce65 nicht mehr angeboten. Außerdem wurden die Ausrüstungspakete seit letztem Sommer optimiert. „Ein direkter Preisvergleich ist nicht mehr möglich, da das Einstiegsmodell Sandero TCe90 Comfort ab Sommer 2021 und der aktuelle Sandero TCe90 Expression unterschiedlich ausgestattet sind“, erklärt eine Dacia-Sprecherin.

Fakt ist, dass die Neuwagenpreise seit letztem Sommer überall in der Schweiz gestiegen sind. Bei Verbrenner-Modellen meist etwas mehr als bei elektrifizierten Varianten. Und die Situation ist derzeit so volatil, dass die meisten Importeure abwarten – und gegebenenfalls weitere Anpassungen vornehmen werden.

Erfahren Sie mehr über den Autoverkauf und die Preisgestaltung

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