NÖN: An diesem Samstag feiern Sie mit Puccinis „La Bohème“ Premiere in Klosterneuburg. Wie ist das?
Clemens Kerschbaumer: Das wird toll! Und es wird opulent!
Böhmen ist Liebe, aber auch Armut, Arbeitslosigkeit … Und es gibt auch kein Happy End. Wie singst du es? Und warum müssen wir das heute noch singen – und hören?
Abgesehen davon, dass die Musik schön ist, haben gute Geschichten immer mit immer aktuellen Themen zu tun. Und das ist noch nicht lange her, die Menschen haben sich nicht verändert. Liebe, Eifersucht, Krankheit machen uns zu Menschen. Und Rodolfo selbst sagt, dass er sich reich fühlt, weil er Luftschlösser baut …
In Klosterneuburg singt oder spielt man nicht in einem Opernhaus, sondern im Innenhof eines Klosters, und das unter freiem Himmel, erschwert das die Sache? Und wie schief steht die Bühne dieses Jahr?
Natürlich ist es für uns eine Herausforderung, ohne Verstärkung und über weite Strecken. Die Natur ist immer eine Herausforderung. Aber draußen ist toll! Wir werden sehen, wer besser singt: die Vögel oder wir! Auf der Bühne macht alles Sinn, es wird sehr attraktiv, auch ohne ebene Flächen!
Sie haben schon in Klosterneuburg gesungen, auf der „Zauberflöte“. Sie haben aber auch in Baden und Blindenmarkt, Shanghai und Caracas gesungen. Wie wichtig ist der Ort für die Musik? Wie wichtig ist die Richtung beim Singen?
Und ich war schon als junger Stipendiat in Klosterneuburg, das war 2004, im Herzen der „Bargained Bride“ … Natürlich hat man auf den großen Bühnen mehr Platz, aber man muss auch größer spielen. Das Ideal ist, einen Regisseur zu haben, der die Bedürfnisse der Sänger kennt. Auf einer Kopfbedeckung kann man schließlich nicht Geige spielen! Mit François de Carpentries in Klosterneuburg macht es viel Spaß, das bekommt man nicht oft!
Sie haben oft Perlen gesungen, auch komische Rollen. Magst du sie mehr? Und was fehlt?
Ich mache gerne Comedy und ich werde weiterhin Operetten machen, ich muss auch Geld verdienen [lacht]! Rodolfo ist ein neues Thema für mich … Und ich habe keine Stimme für sehr schwierige Wagner-Rollen. Aber: Ich liebe es zu singen!
Was kommt als nächstes?
„Der Graf von Luxemburg“ in Blindenmarkt, mein fünfter oder sechster Alfred in „Fledermaus“ [Anmerkung: in Baden]und ich habe auch Aussicht auf einen Herzog in “Rigoletto” …
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