Containerdorf in Bern – „Schnellschuss“: Massive Kritik an Flüchtlingslager Megacamp

Inhalt

In Bern entsteht eine Containersiedlung für 1000 ukrainische Flüchtlinge. Ein Experte für Notunterkünfte kritisiert das Projekt nun massiv. Dies sind die wichtigsten Punkte.

Bis spätestens Juli sollen bis zu 1000 ukrainische Flüchtlinge in das Berner Containerdorf Viererfeld ziehen. Der Kanton Bern ist in den letzten Wochen auf den Grundstücksvergleich getreten.

Das ging alles ganz schnell, sagt Ueli Salzmann, Architekt und Experte für Notunterkünfte. Das Containerdorf sei im Vergleich zu europäischen Richtlinien «grundlegend schlecht» konzipiert und entspreche nicht den humanitären Mindeststandards, sagte Tamedia gegenüber Zeitungen.

“Like Lesbos”: Das sind die Kritikpunkte

Falsche Raumaufteilung, zu wenig Wohnfläche pro Person. „In unseren Schulungen verwenden wir diese Art von Stadtarchitektur als Beispiel dafür, was man nicht tun sollte“, fährt er fort. Salzmann hat in den vergangenen 30 Jahren zahlreiche Notunterkünfte für die UNO und das Internationale Rote Kreuz geplant.

Ukraine: Das ist die Containerstadt Bern

Foto 1/5

Titel: Der Kanton baut im Berner Viererfeld ein Containerdorf für 1000 ukrainische Flüchtlinge. Schlussstein

Foto 2/5

Bildunterschrift: Im Juli könnten die ersten Menschen in die Containersiedlung einziehen. Schlussstein

Foto 3/5

Bildunterschrift: Projektleiter Stefan Bähler wehrt sich gegen harsche Kritik. Das Projekt ist kein Schnellschuss. SRF

Foto 4/5

Bildunterschrift: Flüchtlinge haben 16 Kochstellen für je 200 Menschen. SRF

Foto 5/5

Bildunterschrift: In einem Container dürfen maximal vier Personen wohnen. Schlussstein

Der Gutachter bemängelt nicht nur die hohe Wohnungsdichte – bei Vollbeschäftigung stehen einer vierköpfigen Familie 15 Quadratmeter Wohnfläche zu –, sondern vor allem die Anordnung zweigeschossiger Wohnmodule.

„Diese Zentren müssen um einen zentralen Kreis herum organisiert werden“, fährt Salzmann fort. Denn auf dem Grill würden sich traumatisierte Bewohner wie in einer Militärkaserne oder einem Gefängnis fühlen. Das brennende Flüchtlingslager auf Lesbos wurde laut Salzmann ähnlich aufgebaut wie die Siedlung Viererfeld.

Titel: Enge Verhältnisse: Jeweils 200 Menschen leben in fünf Reihen im Containerdorf. SRF

Salzmann bekräftigt seine Kritik an SRF. “Auf so engem Raum kann man nicht leben.” Und er bemängelt weiterhin das Fehlen eines halbprivaten Vorraums vor einzelnen Containern. “Es wird Chaos geben.” Wenn die Flüchtlinge nur einen Monat hier wären, fände ich das in Ordnung. Aber niemand weiß genau, wie lange sie unter diesen Bedingungen tatsächlich leben sollten. “Es ist nicht das Leben”, fuhr Salzmann fort.

Das sagt der Bürgermeister zur Kritik

Öffnen Sie die Schachtel. Schließen Sie die Schachtel

Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried verteidigt das Containerdorf im Viererfeld. Dabei ist der Kontext zu beachten: Es handelt sich um einen ersten Aufenthalt nach der Einreise in die Schweiz. Für Flüchtlinge ist es immer besser, in Containern zu leben als in unterirdischen Bunkern.

Die Stadt Bern hat dem Kanton die Flächen des Viererfeldes zur Verfügung gestellt und wird die Bewirtschaftung der Siedlung übernehmen. Planung ist eine Sache der Ecke.

All diese Fehler hätten bei guter Planung vermieden werden können, sagt Ueli Salzmann. „Und das zum gleichen Preis“, sagt der Experte. Das Containerdorf kostet mehr als zehn Millionen Franken.

„Keine Änderung“: Canton wehrt sich gegen Kritik

Projektleiter Stefan Bähler führte einen SRF-Journalisten durch die Seite. Kritik etwa an der Anordnung von Containern „als Kaserne“ weist Bähler zurück. „Aus Platzgründen können wir Wohneinheiten nicht frei einbauen“, sagt Bähler. Fahrräder und andere persönliche Gegenstände können in separaten Containern aufbewahrt werden.

Bildunterschrift: „Keine Änderung“: Projektleiter Stefan Bähler weist Kritik zurück. SRF

Im Notfall haben sie schnell reagiert und unter großem Zeitdruck geplant. Der Kanton Bern habe das nötige Wissen, um diese Containersiedlungen umzusetzen, fährt er fort.

Aufgrund der hohen Baugeschwindigkeit keine Änderungen.

Bähler will Salzmanns Kritik ernst nehmen. Aber: «Im Grunde gibt es nichts zu ändern, auch wegen der hohen Baugeschwindigkeit», sagt Bähler, der früher als kantonaler Impfmanager tätig war. Auch das Containerdorf ist nicht voll belegt. “Wenn eine Frau mit zwei Kindern einen Container betritt, wird das Zustellbett sicher nicht belegt sein.”

Wie viele Menschen tatsächlich in dem Containerdorf leben werden, ist noch nicht klar. Aktuell verfügt der Kanton über weitere Reserven von über 600 Betten.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *