Containerdorf in der Kritik: Es gibt vier Küchen für 200 Flüchtlinge

Containerstadt in der Kritik

Für 200 ukrainische Flüchtlinge gibt es nur vier Küchen

Eine große Unterkunft für 1.000 Flüchtlinge wird kritisiert, noch bevor sich jemand dort niederlässt. Insgesamt stehen 3,8 Quadratmeter pro Person zur Verfügung. Ein Experte rechnet auch mit sexuellen Übergriffen.

Gepostet: 6.9.2022 um 17:36 Uhr

Aktuell sind schweizweit 50’000 Privatbetten für ukrainische Flüchtlinge kostenlos. Und dennoch: Die Behörden ziehen es den Ukrainern vor, in Kollektivunterkünften zu leben. Das grösste davon entsteht derzeit am Stadtrand von Bern. 1000 Flüchtlinge sollen eine Bleibe finden.

Doch kaum gebaut, sorgen Massenunterkünfte bereits für negative Schlagzeilen. Ueli Salzmann, Architekt und Experte für Notunterkünfte, kritisiert die Behelfsunterkunft für Flüchtlinge scharf. Konkret: Es erfüllt nicht die humanitären Mindeststandards. „In unseren Schulungen nehmen wir diese Wohnarchitektur als Beispiel, wie man es nicht machen soll“, sagte er dem Tages-Anzeiger.

Falsche Raumaufteilung

Salzmann war in den vergangenen 30 Jahren immer wieder für die UNO, das Internationale Rote Kreuz und die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) tätig. In dieser Zeit hat er mehr als 100 Notunterkünfte geplant und Experten in dieser Planung geschult.

Seine Kritik ist eindeutig: «Grundsätzlich falsch» baue der Kanton Bern. Humanitäre Mindeststandards werden nicht eingehalten. Die Korridore sind zu eng, die Raumaufteilung falsch. Außerdem gibt es zu wenig Wohnraum.

Risiko sexueller Übergriffe

Konkret: 3.800 Quadratmeter Wohnraum werden für 1.000 Flüchtlinge geschaffen. Machen Sie 3,8 Quadratmeter pro Person. Seine 15 für eine vierköpfige Familie. Für Salzmann ist klar: „Bei solch engen Platzverhältnissen nehmen harmlose Konflikte zu.“ Ähnlich war es im Flüchtlingslager Lesbos, das im September 2020 durch einen Brand zerstört wurde.

Aber das ist noch nicht alles: Das Abstellen von Containern birgt die Gefahr sexueller Übergriffe. Der Grund: Kinder, Frauen und Männer müssen auf dem Weg zu Duschen und Toiletten dieselben schmalen Gänge benutzen. (pbe)

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