Komplexitätsforscher Peter Klimek von der Med-Uni Wien, Mitglied der Corona-Kommission, spricht über das mögliche Ende der Isolationspflicht für positiv Getestete, den Kontrollverlust über das Infektionsgeschehen und die großen Herausforderungen der kommenden Monate.
„Nach unseren aktuellen Zahlen macht der Anteil der Krankenhauspatienten mit Covid-19 als Nebendiagnose etwa die Hälfte der Fälle aus, Tendenz steigend“, sagt Peter Klimek, Komplexitätsforscher an der Med-Uni Wien und Mitglied des Corona-Kommission (Ampelkommission) und Prognosekonsortium der Bundesregierung. „Die meisten Patienten sind also wegen Covid-19 nicht im Krankenhaus. Diese Situation ist auch deshalb pervers, weil Krankenhäuser der einzige Ort sind, an dem das Infektionsgeschehen kontinuierlich überwacht wird. Die Zahlen der Krankenhauseinweisungen spiegeln also zunehmend die allgemeine Infektionslage wider, aber nicht mehr die Anzahl.“ seriöse Studiengänge, die uns wirklich interessieren.”
Hinsichtlich des seit Wochen diskutierten Endes der Isolationspflicht positiv Getesteter hält er diesen Schritt „aktuell auch in Österreich für möglich, ohne das Gesundheitssystem unmittelbar zu gefährden. Andere Länder wie Spanien und Großbritannien sind seit Monaten auf diesem Weg, die Krankenhäuser dort sind auch nicht kaputt gegangen.” Was ihn an der Debatte jedoch stört, ist das Argument, “nach dem wir die Isolationspflicht abschaffen sollten”. weil sich sowieso niemand daran hält oder es nicht mehr sinnvoll ist. Die Argumentation sollte einer umgekehrten Logik folgen. Länder, die erfolgreich Lockerungen der Isolation umgesetzt haben, haben diese Maßnahme nicht damit begründet, dass es nutzlos ist, zu isolieren, sondern dass es unnötig ist sagen, dass es sein sollte, zu Hause zu bleiben und sich von der Krankheit zu erholen”.
Um zur Normalität zurückzukehren, muss im Gesundheitsbereich eine nachhaltig geordnete Struktur aufgebaut werden. „Wir müssen weg von der Krisenstruktur. Künftig wird es nicht mehr darum gehen, wann sich die nächste Welle aufbaut und wie groß sie wird, sondern welche Vorkehrungen das Gesundheitssystem treffen kann, um sie abzufedern. Denn wir werden in Zukunft regelmäßige Wellen haben.“ Interview mit Peter Klimek.
Die Presse: Sie prognostizierten Anfang Juli zwischen 30.000 und 70.000 Neuinfektionen pro Tag für den August, wiesen aber auch auf Unsicherheiten hin und sagten, dass wir erst Mitte Juli detaillierte Prognosen abgeben könnten. wie sieht es aus