Credit Suisse: CEO Thomas Gottstein über Gerüchte und Verluste

Der CS-Chef entlastet die Vernehmer an der Finanzkonferenz

“Beantworte keine dummen Fragen”

Die Grossbank Credit Suisse steht unter Druck, allen voran CEO Thomas Gottstein. Auf einer Investorenkonferenz am Donnerstag musste er zudem Fragen zu den Übernahmespekulationen über sich ergehen lassen, die er harsch beantwortete.

Gepostet: 21:31 Uhr

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Aktualisiert: 9:54 Uhr

Investorenkonferenz von Goldman Sachs gestern in Rom, Italien: Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein (58) wird zur Gewinnwarnung der Grossbank in dieser Woche befragt. CS verlor das zweite Viertel, wie in den beiden vorangegangenen. Offenbar haben Anleger zu viele Fragen zu den am Mittwoch aufgekommenen Übernahmegerüchten um ihre Bank gestellt.

“Kommentieren Sie niemals Marktgerüchte”, sagte der Credit-Suisse-Chef auf die Frage nach Spekulationen um die Übernahme des amerikanischen Finanzkonzerns State Street. Barsch ergänzt Gottstein: Schon sein Vater habe ihm beigebracht, dass “dumme Fragen nicht beantwortet werden sollten”.

Offensichtlich sind die Nerven in der CS-Chefetage am Ende: Die Finanzmedien fragen sich, wie lange Gottstein noch amtieren kann, dann die Verlustserie und nun die Übernahmegerüchte, die den Finanzblock «Inside Paradeplatz» am Mittwochnachmittag nährten.

Unter Berufung auf eine Quelle schrieb er, State Street erwäge ein Übernahmeangebot für die zweitkrankste Schweizer Bank hinter der UBS und biete 9 Franken pro CS-Aktie. In der Folge stieg der Kurs der CS-Aktie, der aufgrund der Verlustmitteilung auf 6,20 Franken einbrach, zeitweise auf über 7 Franken.

State Street dementiert Akquisitionsspekulationen

Tatsächlich ist an den Spekulationen über einen 1-Milliarden-Dollar-Deal an der State Street wohl nichts dran. „Aktuelle Marktgerüchte sind völlig unbegründet“, sagte der Finanzkonzern laut Bloomberg in einer Erklärung. „Obwohl es seit langem unsere Politik ist, diese Spekulationen nicht zu kommentieren, glauben wir, dass eine Reaktion auf diese Berichte in diesem Fall gerechtfertigt ist“, sagte er. Im Mittelpunkt steht die laufende Übernahme des Fondsdienstleistungsgeschäfts von Brown Brothers Harriman im Wert von 1 Milliarde US-Dollar.

Dieses Dementi war ein weiterer Schlag für die CS-Aktie: Die Aktie fiel und notierte am Freitagmorgen nach Börseneröffnung bei 6.30 Franken.

Im Markt unter Analysten werden diese Übernahmegerüchte mit Skepsis betrachtet. Vielmehr bedeutet es, dass die CS zunächst ihre Probleme lösen und das Vertrauen der Stakeholder zurückgewinnen muss. Gottstein selbst bezeichnet das laufende Jahr als “Jahr des Übergangs”. Die CS-Investmentbank ist zwar jetzt weniger kapitalintensiv, aber auch weniger diversifiziert als die entsprechenden Geschäftsbereiche vieler ihrer Konkurrenten. Gottstein: „Wir haben also auch höhere Schwankungen.“

Auch Gottstein zeigte sich überzeugt, dass die CS ihre Risikokultur nun deutlich gestärkt habe. Die Grossbank wurde im vergangenen Jahr durch das Debakel um die millionenschwere Pleite des Hedgefonds Archegos und die Liquidation des Greensill-Fonds erschüttert. (Euro / SDA)

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