Laut dem amerikanischen Forschungsinstitut „Bloom Lab“ könnten vor allem zwei Mutationen von BA.2.75 gefährlich sein: G446S und R493Q. G446S soll das Immune Escape der Variante deutlich erhöhen, während R493Q es dem Virus noch leichter macht, an menschliche Zellen zu binden: „Im Vergleich: BA.4 und BA.5 können dem Immunsystem etwa dreimal besser entkommen als BA. 2“, schreibt „Bloom Lab“ auf Twitter. “Nach unserem Modell sollte BA.2.75 wieder den gleichen Effekt haben.” Menschen, die sich bereits mit BA.1 infiziert haben, sollen den Forschern zufolge aber einen gewissen Schutz vor der neuen Variante haben.
In Indien wächst BA.2.75 schnell
Angesichts der bisher wenigen Fälle von BA.2.75 ist unklar, welche Auswirkungen die Variante tatsächlich auf die Pandemie haben wird. Sorgen bereiten Experten allerdings die Entwicklung in Indien, wo bisher die meisten Fälle aufgetreten sind: „Dort ist BA.2.75 sehr schnell auf 18 Prozent aller sequenzierten Proben angestiegen“, berichtet Datenexperte Mike Honey auf Twitter. . In den am stärksten betroffenen Bundesstaaten Madyha Pradesh und Maharashtra liegt der Anteil von BA.2.75 sogar zwischen 21 und 25 Prozent. Laut Honey könnte BA.2.75 bereits auf dem Weg sein, BA.5 als dominierende Variante in Indien abzulösen.
Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Indien ist zuletzt wieder gestiegen, von weniger als 3.000 auf über 18.000 Anfang Juli. Ob dies an BA.2.75 liegt, ist unklar, da die Variante noch nicht einzeln registriert ist. Der jüngste Anstieg ist jedoch hauptsächlich auf BA.2-Fälle zurückzuführen.
Die britische Gesundheitsbehörde beachtet BA.2.75
Ungewöhnlich an BA.2.75 ist auch, dass sich eine Variante der zweiten Generation damit global ausdehnt. Bisher gelang dies nur mit genetisch signifikant unterschiedlichen Varianten zu seinen Vorgängern. „Die Tatsache, dass eine Variante der zweiten Generation ausgestrahlt wird, ist alarmierend“, schrieb der Virologe Shay Fleishon auf Twitter. „Das bedeutet, dass selbst wenn BA.2.75 nicht in die Nähe kommt, es sich um eine weitere Variante der zweiten Generation handeln könnte.“
Neben Indien und Deutschland wurde BA.2.75 bisher in Großbritannien, den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Japan nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Robert-Koch-Institut haben noch nicht entschieden. Die britische Gesundheitsbehörde überwacht BA.2.75, hat es aber noch nicht als besorgniserregend eingestuft.