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Eine Postkarte von 1910 von Cevio TI. Rot markiert ist das alte Bauernhaus mit Scheune, heute im Besitz des Ehepaares Bösch. Das genaue Baujahr ist unklar und wird auf 1740 bis 1780 geschätzt.
Corine Turrini Flury
Tischlermeister Ernst Bösch (75) spielte lange mit dem Gedanken, seine Eigentumswohnung in Chur GR zu verkaufen und mit seiner Frau Phannapha (49) in den sonnigen Süden zu ziehen. „Er wollte einen kleinen Garten mit Gemüse für den Eigenbedarf“, sagt Bösch.
Der Rentner, der während seiner Karriere eine Ausbildung zum Innenarchitekten und später zum Energieberater machte, fand im Internet ein altes Landhaus mit Stall in Cevio TI für 100’000 Franken. Schätzungen zufolge wurde das Gebäude vor etwa 250 Jahren erbaut.
„Die Abstimmung des Energiegesetzes 2017 hat mir den Anstoß gegeben, ein altes, typisches Landhaus in mein Eigenes mit optimalem Energieverbrauch umzubauen“, sagt Bösch.
Umbau in Eigenregie
Das roh leerstehende Rustikal war trotz seines Alters in einem guten statischen Zustand. Im Februar 2018 unterschrieb das Ehepaar den Kaufvertrag und begann sofort mit der Innenarchitektur.
„Wir haben den gesamten Innenausbau und die Schreinerarbeiten selbst durchgeführt“, sagt Bösch. Auch die Pläne hat er selbst erstellt und die Baugenehmigung mit dem Energieausweis vom Rathaus eingeholt. Auf diese Weise konnte er einiges an Geld sparen.
Lokale Handwerker halfen dem Ehepaar beim Bau des Rohbaus. Während der Reformzeit mietete er eine Wohnung im Dorf. „Es ist besser und einfacher, wenn man dabei ist. So hatte ich den Bauplan jederzeit im Griff“, erklärt Ernst Bösch.
Zuschüsse des Kantons für Auflagen
Wo immer möglich, war es dem umweltbewussten Ernst Bösch wichtig, nachhaltig mit natürlichen Materialien zu bauen und so viel wie möglich zu recyceln und wiederzuverwenden.
Nur rund 20 Prozent des ursprünglichen Tessiner Steindaches konnten erhalten werden. Der Rest stammt aus dem nahe gelegenen Steinbruch. „Da das Rustikale in der Schutzzone liegt, war das Steindach eine Vorgabe der Gemeinde, um das Stadtbild zu erhalten. Solaranlagen sind daher nicht zugelassen“, erklärt Bösch.
Dafür erhielt er vom Kanton 20’000 Franken Subventionen. Die Gesamtkosten des Umbaus beliefen sich inklusive Eigenleistungen auf rund 400’000 Franken.
Gebäudesanierung mit Energieeinsparung
Bereits im November 2018 war das dreieinhalb-Zimmer-Landhaus mit einer Wohnfläche von 74 Quadratmetern nach zehnmonatiger Umbauzeit bezugsfertig.
Unten befindet sich die moderne, offene Küche mit Hochglanzfronten und Granitarbeitsplatten mit angrenzendem Ess- und Wohnzimmer. Im Obergeschoss befinden sich das moderne Badezimmer, ein Schlafzimmer und ein Gästezimmer mit Büro.
Heizung und Warmwasser werden durch eine neue Luft/Wasser-Wärmepumpe bereitgestellt. „Wir wollten kein Übermaß an Wohnraum, wir wollten etwas Schlichtes. Beim Umbau haben wir auf nachhaltige Baustoffe gesetzt, auch in puncto graue Energie. Dafür haben wir jetzt ein wunderbares und gesundes Raumklima im Haus“, sagt der Bauherr, der sich leidenschaftlich für die Entwicklung energetischer Gebäudesanierungskonzepte und die Energieberatung hin und wieder einsetzt.
Im Sommer 2019 wurden auch die umliegenden Arbeiten abgeschlossen. Phannapha Bösch freut sich besonders über ihren Garten, in dem unter südlicher Sonne neben Palmen ihr eigenes Gemüse wächst. „Wir sind hier glücklich und ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, dieses alte Bauernhaus zu erhalten und zu einem zeitgemäßen Niedrigverbrauchshaus zu machen“, freut sich Ernst Bösch.