Das deutsche Staatsdefizit schrumpft: Die Wirtschaft wächst überraschend leicht

Aktualisiert am 25.08.2022 08:22

  • Das Defizit von Bund, Ländern und Kommunen wird im ersten Halbjahr 2022 geringer ausfallen als zunächst erwartet.
  • Im Vorjahr hatte die Corona-Pandemie ein Loch in die Staatskasse gerissen.
  • Auch in der deutschen Wirtschaft sieht es überraschend gut aus.

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Die Kassenlage des deutschen Staates hat sich im ersten Halbjahr 2022 trotz zusätzlicher Belastungen durch den Krieg in der Ukraine deutlich verbessert. Gleichzeitig ist die Wirtschaft im Frühjahr überraschend gewachsen.

Im ersten Halbjahr habe die Staatskasse 13 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag nach vorläufigen Berechnungen mit. Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lagen die Defizite von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung bei 0,7 Prozent. Im ersten Halbjahr 2021 betrug das Defizit 4,3 Prozent.

Bruttoinlandsprodukt wächst leicht, Ökonomen erwarten aber harte Monate

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal leicht um 0,1 Prozent gewachsen. In einer ersten Schätzung gingen die Wiesbadener Behörden von einer Stagnation der wirtschaftlichen Produktion aus. „Trotz der schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich die deutsche Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2022 gut behauptet“, sagte Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Im ersten Quartal 2022 ist die deutsche Wirtschaft um 0,8 Prozent gewachsen.

Der deutschen Wirtschaft stehen laut Ökonomen aufgrund der Gaskrise schwierige Monate bevor. Der private Konsum als Konjunkturmotor wird laut Ifo-Institut im weiteren Jahresverlauf aufgrund steigender Verbraucherpreise ausfallen.

Die Deutsche Bundesbank sieht nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Wintersemester als „deutlich wahrscheinlicher“ an. „Die hohe Unsicherheit bei der Gasversorgung im nächsten Winter und starke Preissteigerungen dürften die privaten Haushalte und Unternehmen erheblich belasten“, heißt es im jüngsten Monatsbericht der Zentralbank.

Die Bundesbank geht von einer Inflation von bis zu zehn Prozent im Herbst aus

Die Bundesbank geht davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland im Herbst “eine Größenordnung von zehn Prozent” erreichen könnte. Steigende Energiepreise infolge des Krieges in der Ukraine und steigende Lebensmittelpreise heizen seit Monaten die Inflation an.

In der Corona-Krise hat der Staat die Wirtschaft mit Milliarden gestützt. Daher verzeichnete Deutschland im ersten Pandemiejahr 2020 erstmals seit 2011 wieder ein Haushaltsdefizit. Auch im vergangenen Jahr hat die Staatskasse mehr ausgegeben als eingenommen. Die letzte Corona-Finanzhilfe ist Ende Juni 2022 ausgelaufen.

Wegen der Corona-Krise hatten die EU-Staaten erstmals die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ausgesetzt, wonach das Haushaltsdefizit drei Prozent und die Gesamtverschuldung 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten darf. Der Pakt soll 2023 wieder in Kraft treten. Die Europäische Kommission will im Herbst Reformvorschläge vorlegen.

Der Krieg in der Ukraine verschärft Probleme, die die deutsche Wirtschaft ohnehin bedrängten. Sprünge bei den Energiepreisen und anhaltende Lieferengpässe belasten die Branche. Gleichzeitig reißt die höchste Inflation seit Jahrzehnten Löcher in die Kassen der Verbraucher. Die Bundesregierung versucht, die wirtschaftlichen Folgen des Krieges für Verbraucher und Wirtschaft abzumildern. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte kürzlich ein drittes Hilfspaket an. (dpa/ank)

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