Schon früh war der Stachel im Brentford’s Community Stadium von den örtlichen „Bienen“ jedoch tief. Wie schon im Hinspiel gegen England (0:1) hatte sich Österreich gegen den Weltranglistenfünften sehr teuer verkauft, auch diesmal hatte man mehrere gute Chancen auf mindestens ein Tor. Dreimal ging der Ball ans Alu, aber die Deutschen hatten zweimal das gleiche Pech. Der am Ende verdiente Sieg war auch Fehlern in der ÖFB-Abwehr geschuldet.
„Am Anfang ist es bittersüß, weil wir gegen eine absolute Weltklassemannschaft eine sehr gute Leistung gezeigt haben. Aber am Ende haben wir zu viele Fehler gemacht, das explodiert bei einer Mannschaft wie dieser kalt“, analysierte Fuhrmann gewohnt souverän. Er betonte das Positive und blickte nach vorne. „Wenn wir den Schwung und die Konstanz mitnehmen können, ist die erstmalige Teilnahme an einer Weltmeisterschaft in greifbarer Nähe.“
Das Beste aus Deutschland – Österreich
Der Traum von der Rückkehr ins Halbfinale einer EM ist Österreichs Fußballern am Donnerstag nahe, doch er ist geplatzt. Das Team von Teammanagerin Irene Fuhrmann hat sich im Viertelfinale der Europameisterschaft 2022 im deutschen Brentford mit 0:2 geschlagen gegeben.
“Es tut jetzt weh, rückblickend können wir stolz sein”
Nach dem Schlusspfiff lagen die Österreicher zunächst unten. Bei dem einen oder anderen flossen Tränen, darunter Torhüterin Manuela Zinsberger. Das hatte aber nichts mit seinem Patzer vor dem 0:2 von Alexandra Popp kurz vor Schluss zu tun. „Die Tränen kommen, weil das Turnier für uns vorbei ist. Es war unglaublich schönes Wetter. Wir haben wieder viel erreicht und hoffen, dass Österreich stolz sein wird“, erklärte der 26-Jährige. „Natürlich tut es jetzt noch weh, aber rückblickend können wir stolz sein.“
GEPA/Ashley Western Der Abgang tat Manuela Zinsberger sichtlich weh, doch wenig später überwog der Stolz
Ähnlich erging es Carina Wenninger. „Du bist enttäuscht, du bekommst viele gute Nachrichten, aber du kannst sie noch nicht verarbeiten. Du brauchst einen Moment“, sagte der Verteidiger nach seinem 120. Länderspiel, in dem ihm vor dem 0 von Lina Magull auch ein schwerer Fehler unterlief -1 . Je weiter der Schlusspfiff entfernt war, desto mehr Lächeln kehrte auf die Gesichter zurück. „Nach dem Spiel wird es jede Minute leichter. Wir haben viel erreicht, es war wieder eine tolle Reise“, sagte Laura Feiersinger, die auf dem Platz offensichtlich noch in Erinnerungen schwelgte.
Österreich ging als Außenseiter in die Partie gegen den achtfachen Rekord-Europameister. Das merkt man nach den ersten paar Minuten nicht. Fuhrmanns Frauen machten ihren Gegnern Probleme und hatten an dem Abend erstmals Pech, als Marina Georgieva den Ball ins Tor köpfte. Die von Beginn an aufgestellte Abwehr um die am Knie verletzte ÖFB-Kapitänin Viktoria Schnaderbeck traf die Latte. „Wenn wir das erste Tor erzielt hätten, hätte uns das einen Schub gegeben. So rennt man einem deutschen Anführer hinterher“, argumentierte Feiersinger.
Selbstkritik, wenn falsch
In der 25. Minute tappte Österreich in die Falle des deutschen Pressings. Popp setzte Zinsberger unter Druck, dessen Schuss wurde sofort abgeprallt und Wenninger ließ Klara Bühl den Ball stehlen. „Ich nehme es in meinen Hut. Ich war überrascht, dass Klara so schnell da war. Da muss ich meinen Körper besser reinstecken“, betonte Wenninger. “Dann hat es aufgeholt und ist schwer zu verteidigen.”
Deutschland stoppt Österreichs Reise
Fuhrmann hatte das Gegentor vor der Pressekonferenz noch nicht im Fernsehen gesehen, sagte aber: „Fehler passieren, aber sie führen nicht unbedingt zu Toren. Wir haben auch Deutschland zu Fehlern gezwungen, aber wir haben sie nicht ausgenutzt. Das.“ ist der nächste Schritt, den wir gehen müssen.” Darin waren sich alle einig, auch Julia Hickelsberger-Füller, die gleich zu Beginn eine gute Chance verpasste: „Da müssen wir effizienter werden.“ In insgesamt drei Knockouts. , Österreich hat bei der EM noch kein Tor geschossen.
Die Aluminiumstufe verhindert ein Ausgleichen
Österreich musste sich zunächst vom 0:1-Rückstand erholen, ist aber wieder in der Spur. Vor allem in der zweiten Halbzeit, als Barbara Dunst und Sarah Puntigam in fünf Minuten zwei weitere Schüsse bekamen. „Wir hatten einfach kein Glück auf unserer Seite“, sagte Dunst, der bei diesem Turnier zweimal die Latte traf. „Ich weiß nicht, wie viel Pech ich hatte, ich wollte es nicht haben. Da muss ich wohl mehr trainieren.“ Auf der anderen Seite hat Deutschland auch zweimal Aluminium getroffen.
Die Deutschen, die dank des starken Bühl schon etwas früher hätten aufholen können, haben in der Schlussminute einen weiteren Fehler bestraft. Zinsberger schoss auf Popp, der Ball ging direkt ins Tor zum Endstand. „Das war technisch nicht richtig gemacht, natürlich übernehme ich die Verantwortung für das Tor“, betonte Zinsberger, der zuvor das ÖFB-Team im Spiel gehalten hatte. Aber Deutschland war an diesem Abend etwas entschlossener. „Wir sind ans Limit gegangen, wir haben gut gespielt, aber wir müssen den ein oder anderen Fehler korrigieren“, stellte Wenninger im Anschluss klar.
Die weitere Entwicklung ist positiv
Am Ende landete Österreich bei seiner zweiten Teilnahme an der Europameisterschaft unter den besten acht in Europa. 2017 gelang bei der Premiere der sensationelle Aufstieg ins Halbfinale, nun verlief die Weiterentwicklung des Spiels besonders positiv. „Wir haben uns nicht versteckt, wir haben mutig gespielt, wir haben nach flachen Lösungen gesucht, wir haben auch den hohen Ball eingebaut, einfach um flexibler zu sein, um unberechenbarer zu sein“, betonte Zinsberger.
Debatte
Was bleibt von der EM 2022?
Fuhrmann stimmte zu: „Wir haben einen ganz anderen Fußball gespielt, da ist klar, dass immer noch Fehler passieren. Wir haben gegen so starke Gegner eine unglaubliche EM gespielt und diese Leistung immer wieder bestätigt. Deutschland wird das so sehen, das mussten sie alles geben, um uns zu schlagen.” Seine Gegnerin Martina Voss-Tecklenburg artikulierte später: „Wir haben gegen einen hartnäckigen Gegner gespielt. Ein großes Kompliment an Österreich. Das Spiel kann 6:3 enden, uns wurde alles abverlangt.“
„Diese Mannschaft ist bereit für die WM“
Das Wichtigste zuerst, um jetzt die Enttäuschung über das Ausscheiden zu verdauen, die Spieler wehrten sich bald. „Es passt, es tut weh, aber wir kommen wieder“, versprach Zinsberger. „Wir lassen uns davon nicht unterkriegen, nehmen das Positive und schöpfen neue Kraft. Auch aus negativen die richtigen Schlüsse ziehen. Dann gibt es wieder einen totalen Angriff.”
Das nächste Ziel liegt auf der Hand, sich erstmals für die WM-Playoffs qualifiziert zu haben und ins Finale einziehen zu wollen. „Diese Mannschaft ist definitiv bereit für die WM“, betonte Dunst, sagte aber auch, dass noch ein langer und schwieriger Weg vor uns liegt. Das WM-Playoff 2023 in Australien und Neuseeland ist mehrstufig. Zudem werde Österreich nach der zweiten erfolgreichen EM in Folge nicht mehr auf die leichte Schulter genommen, wie Zinsberger betonte. “Wenn uns jetzt noch jemand unterschätzt, weiß ich nicht mehr.”
Viertelfinale der UEFA Women’s Euro 2022
Donnerstag:
Deutschland – Österreich 2:0 (1:0)
London, Brentford Community Stadium, 16.025, SR Welch (ENG)
Torfolge: 1:0 Magull (25.) 2:0 Popp (90.)
Deutschland: Frohms – Gwinn, Hendrich, Hegering, Rauch (95./Kleinherne) – Däbritz (64./Lattwein), Magull (64./Dallmann), Oberdorf – Huth (95./Lohmann), Popp, Bühl (83. /Feuer)
Österreich: Zinsberger – Wienroither, Wenninger, Georgieva, Hanshaw – Puntigam (81./Höbinger) – Hickelsberger-Füller (72./Naschenweng), Zadrazil, Feiersinger, Dunst – Billa (86./Makas)
Gelbe Karten: Däbritz oder Hanshaw, Dunst, Naschenweng