Das Ozonloch beeinflusst das saisonale Klimamuster

Atmosphärenchemie

Der Abbau der arktischen Ozonschicht trägt dazu bei, das Klima der nördlichen Hemisphäre zu bestimmen

Der Ozonabbau in der Arktis beeinflusst das saisonale Klimamuster in der nördlichen Hemisphäre. ETH-Forschende berichten, dass Wetter- und Klimamodelle möglicherweise verbessert werden könnten, wenn detailliertere Informationen über die Ozonschicht einbezogen werden.

Gepostet: 07.07.2022 um 17:37 Uhr

Die Ozonschicht wurde sowohl in der Antarktis als auch in geringerem Maße in der Arktis abgebaut. Die Dichte der Schicht schwankt im Laufe des Jahres: In der Arktis erreicht sie immer im Frühjahr ihren niedrigsten Wert.

Der Ozonabbau ist gefährlich, weil ohne die Schutzschicht mehr UV-Licht die Erde erreicht. Dies kann zu gesundheitlichen Problemen wie Hautkrebs führen. Darüber hinaus war in der Antarktis bereits bekannt, dass der Ozonabbau die klimatischen Bedingungen auf der Südhalbkugel in großem Umfang beeinflusst. Ob dies auch für das arktische Ozonloch gilt, war bisher unklar.

Für die in der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlichte Studie analysierten ETH-Forschende um die Umweltwissenschaftlerin Marina Friedel Daten aus den letzten vier Jahrzehnten, um den Einfluss des Ozonabbaus auf das Klima der Nordhalbkugel zu untersuchen.

Ergebnis der Studie: In Jahren mit ausgeprägtem Abbau der Ozonschicht im Frühjahr gab es wenige Wochen später wärmere und trockenere Bedingungen in Südeuropa und Eurasien sowie Starkregenperioden im Norden Europas.

Computermodelle deuten darauf hin, dass der stärkste Ozonabbau den Kollaps des sogenannten Polarwirbels im Frühjahr verzögert. Der Polarwirbel ist ein Tiefdruckgebiet in der Stratosphäre in einer Höhe von 15 bis 50 Kilometern, das sich jeden Herbst über der Arktis bildet und für unterschiedliche Zeiträume anhält. Den Forschern zufolge verursacht die längere Existenz des Polarwirbels die beobachteten Temperatur- und Niederschlagsanomalien.

Viele aktuelle Meteorologie- und Klimamodelle berücksichtigen die jährlichen Schwankungen des stratosphärischen Ozons nicht oder nur sehr vereinfacht. Die Forscher vermuten, dass die Vorhersagekraft der Modelle mit genaueren Informationen über den Zustand der Ozonschicht verbessert werden könnte. Zukünftige Studien müssen zeigen, wie viel Potenzial dies für bessere Vorhersagen hat.

Seit dem weltweiten Verbot von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die die Ozonschicht zerstören, hat sich die zuvor geschädigte Ozonschicht über der Antarktis und der Arktis langsam wieder geschlossen. Dennoch wird es laut Forschern auch in Zukunft zu starken Episoden des Ozonabbaus kommen, die das globale Klima weiter beeinflussen werden.

https://doi.org/10.1038/s41561-022-00974-7

(SDA)

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