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Das Urteil bleibt bestehen: Die antisemitische Schmähplastik in der Kirche der Stadt Wittenberg wird aufrechterhalten. Das müssen Sie über die Gerichtsentscheidung wissen.
Was ist los? Das mittelalterliche Relief “Judensau” befindet sich in der Kirche der Stadt Wittenberg. Das Relief stammt aus dem 13. Jahrhundert und zeigt ein Schwein, dessen Titten von zwei Personen gesäugt werden, die an ihren spitzen Hüten als Juden erkennbar sind. Ein Kläger hatte beantragt, den Kunststoff zu entfernen. An den Vorinstanzen ist es gescheitert: Nun hat der Bundesgerichtshof gegen den Entzug der Vertretung entschieden.
Ist das Urteil nachvollziehbar? Zusammen mit einer anschließenden Gerichtsbetrachtung ist es verständlich. Dieser warnt: Die kleine Informationstafel am Fuße der Kirche reicht nicht aus, um die ungeheuerliche Geschichte der Auswirkungen dieser antisemitischen Darstellung zu erzählen. Kirche und Gemeinde müssten hier mehr tun, so der Richter. Nur dann kann aus einer Schande ein Mahnmal werden.
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Titel: 1988 wurde diese Gedenktafel vor der Kirche in der Stadt Wittenberg in Erinnerung an die Judenverfolgung auf den Boden geworfen, aber sie reicht nicht mehr aus. IMAGO / epd
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Titel: Eine bereits vorhandene Erklärtafel in der Nähe der Schmähskulptur soll die historischen Hintergründe des antisemitischen Reliefs erläutern. IMAGO / Rolf Walter
Was ist übrig? Die Schmähplastik der Wittenberger Kirche steht im Epizentrum des Protestantismus. Der Reformator Martin Luther hielt gerade auf dieser „Judensau“ antijüdische Predigten. Diese wurden mit Bildern einer Sau bedruckt, die Juden auf der ganzen Welt säugte. Im Mittelalter stellte das Schwein den Teufel dar, und dieses Bild ist bis heute nicht ausgestorben.
Gibt es ähnliche Fälle in der Schweiz? Hierzulande ist nur ein Objekt bekannt: Bis 1996 wurde eine solche Figur im Gestühl des mittelalterlichen Chores des Basler Münsters gefunden. Doch so eine ekelhafte Figur und damit den Judenhass wollte der reformierte Pfarrer nicht mehr in seiner Kirche haben. Die „Judensau“ wurde dem Schweizerischen Jüdischen Museum in Basel übergeben, wo sie, eingebettet in die Erläuterungen, zu sehen ist.
Titel: Ein Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert: Darstellungen von Juden, die von einer riesigen Sau getötet wurden und sogar den Rücken leckten, waren keine Seltenheit. IMAGO / United Archives International
Wo wirkt das mittelalterliche Bild der „Judensau“ heute noch nach? Längst ist das Schimpfbild digital und global. Es erscheint in Webvideos und wird in sozialen Medien geteilt. Auch auf Spielplätzen oder in Fußballstadien ist das Wort immer wieder zu hören. Wer jemanden wie “Judensau” beleidigt, kann auch strafrechtlich verfolgt werden. Daher besteht noch Klärungsbedarf, und die Kirchen haben hier eine besondere Pflicht.