Stand: 11.06.2022 13:12
Im Herbst nahte zwischen Frankreich und Australien ein handfester Riss: Die Regierung von Canberra kündigte auf einen Schlag einen U-Boot-Deal. 555 Millionen Euro Entschädigung sollen nun beschlossen werden.
Australien und Frankreich reparieren ihre kürzlich missbrauchte Beziehung. Die Regierung von Canberra hat zugestimmt, dem französischen Schiffbauer Naval Group eine Entschädigung für einen gescheiterten U-Boot-Deal zu zahlen. 555 Millionen Euro müssen an das Unternehmen gezahlt werden, damit es einen seit Jahren bestehenden Vertrag über den Kauf französischer U-Boote auflösen kann.
Premierminister Anthony Albanese sagte, der Deal würde den Deal beenden. Er sprach von einer “fairen und gerechten Einigung”. Dem Deal waren Gespräche mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vorausgegangen. Er dankte Macron für „die aufrichtige Art und Weise, wie wir eine bessere Beziehung zwischen Australien und Frankreich wiederherstellen“.
Paris zog den Botschafter ab
Dem jetzigen Abkommen ging ein Zerwürfnis zwischen den beiden Staaten voraus. Australien, die USA und Großbritannien kündigten im Herbst 2021 ein neues gemeinsames Sicherheitsbündnis im Indopazifik an, ohne ihre Verbündeten zu konsultieren. Laut Sicherheitsexperten soll das neue Bündnis Chinas militärischer Bedrohung des Indopazifik entgegenwirken. In diesem Zusammenhang erhält Australien Zugang zu US-Technologie für den Bau und Betrieb von Atom-U-Booten.
Infolgedessen galt ein 56-Milliarden-Euro-U-Boot-Deal zwischen Frankreich und Australien als sicher. Paris reagierte verärgert. Macron beschuldigte den damaligen australischen Premierminister Scott Morrison öffentlich der Lüge und entfernte sogar den französischen Botschafter aus Canberra.
Albanese ruft zur Zusammenarbeit auf
Erst als Albanese im Mai zum neuen australischen Premierminister gewählt wurde, beruhigten sich die Dinge. „Die Art und Weise, wie diese Entscheidung gehandhabt wurde, hat zu enormen Spannungen in den Beziehungen zwischen Australien und Frankreich geführt“, sagte Albanese. “Frankreich ist ein wichtiger Verbündeter, ein Verbündeter, gegen den wir in zwei Weltkriegen gekämpft haben, und ein Verbündeter, der eine bedeutende Präsenz im Pazifik hat.”
Seit seinem Amtsantritt im vergangenen Monat engagiert er sich für die Verbesserung der Beziehungen. In einem Telefonat im Mai waren sich Albanese und Macron einig, dass sie wieder ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Ländern aufbauen wollten. Man wolle zum Beispiel die Klimakrise und strategische Herausforderungen im Indopazifik bewältigen, sagte er.
China arbeitet daran, viele pazifische Inselstaaten in einen Sicherheitspakt einzubeziehen. Ein entsprechendes Abkommen zwischen China und den Salomonen rund 1000 Kilometer vor der Küste Australiens hatte in westlichen Ländern für Besorgnis gesorgt.