Dorothea Vollenweider (Text) und Philippe Rossier (Fotos)
Die Postautofahrt von St. Gallen nach Rehetobel AR dauert 30 Minuten. Die Straße ist steil und kurvenreich. Die Strasse verlässt die Stadt und führt hinauf ins bergige Apenzellerland. Der Blick, der sich nach den ersten Kurven öffnet, ist ein Segen für alle Bewohner der Stadt: Grün, so weit das Auge reicht. Weiden und Weiden von Kühen. Die Appenzeller Bauernhäuser liegen auf grasbewachsenen Hügeln. Aber der größte Teil der Landschaft ist unterentwickelt.
Nicht nur die Aussicht ist hier besser als in der Stadt. Auch die Immobilienpreise sind im Vergleich unschlagbar. Gemäss Zahlen von Wüest Partner kostet ein Einfamilienhaus mit fünf Schlafzimmern rund 100’000 Franken weniger als in St. Gallen. Im Vergleich zur Stadt sparen Eigenheimkäufer sogar über 200’000 Franken.
Junge Menschen können sich ein Eigenheim nicht mehr leisten
Das macht Rehetobel zu einem attraktiven Immobilienmarkt, vor allem für Frühkäufer wie Thiemo (28) und Eveline Brunner (28). Blick besucht sie hier in ihrer Eigentumswohnung. Dass das junge Paar ein eigenes Haus besitzt, ist nicht ersichtlich. „Wir haben lange nach der passenden Immobilie gesucht“, sagt Elektriker Thiemo Brunner. “Aber unser begrenztes Kapital war ein Problem.”
Damit stehen die Brunners nicht allein. Gerade in jungen Jahren haben die wenigsten genügend Ersparnisse, um ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu bezahlen. Das liegt auch daran, dass die Immobilienpreise in der Schweiz seit mehr als zehn Jahren deutlich schneller steigen als die Einkommen.
Gemäss einer Studie des Versicherungsunternehmens Swiss Life ist der erste durchschnittliche Käufer eines Eigenheims in der Schweiz 48 Jahre alt. Zum Vergleich: In Großbritannien liegt das Alter bei 27 Jahren, in Frankreich liegt der durchschnittliche Erstkäufer bei 31 und in Deutschland bei 34 Jahren.
Auch in der Schweiz entsteht der Wunsch nach Wohneigentum nicht erst mit 48 Jahren. Es fällt normalerweise mit der Gründung einer Familie zusammen. Doch gerade jetzt, bei den aktuellen Immobilienpreisen, kann sich fast kein Schweizer ein Eigenheim leisten.
Das Start-up kurbelt den Wohnungsmarkt an
Dank des Start-ups Hellohome zieht Brunner seine Eigentumswohnung in Rehetobel immer noch an. Die Geschäftsidee von Hellohome lässt sich mit einer Autovermietung vergleichen, nur für das Haus statt für das Auto.
„Hellohome kommt ins Spiel, wenn ein Käufer nicht genug Vermögen für die Immobilie hat“, sagt Marius Federle (37). Er ist Mitgründer des Schweizer Start-ups. Gemeinsam mit Sven Bruss (30) und Nima Safai Rad (37) betreibt er Hellohome.
Hellohome hilft Käufern
„Wenn Käufer auf uns zukommen, ist der erste Schritt, die Eigentümerschaft ihrer Träume und ihre finanzielle Situation zu prüfen“, sagt Federle. Wenn alles gut geht, ermöglicht das Start-up den Kauf der Immobilie mit zusätzlichem Kapital. Konkret bedeutet das: Hellohome kauft die Wohnung oder das Haus für den zukünftigen Eigentümer. Dafür müssen sie zehn Prozent des Kaufpreises zahlen. Hellohome kümmert sich um den Rest. Das Geld dafür hat das Start-up von privaten Investoren.
So funktioniert der Mietkaufprozess
Das Schweizer Start-up Hellohome lockt mit seinem Geschäftsmodell Eigenheimkäufer an, die nicht über das nötige Vermögen für ein Eigenheim verfügen. Sie sind besonders hilfreich für junge Hauskäufer.
Vor Vertragsabschluss prüft Hellohome die Eigenmittel und Einkünfte des Käufers sowie die gewünschte Immobilie. „Außerdem muss plausibel aufgezeigt werden, wie die Hypothek nach Ablauf der Mietzeit bezahlbar gemacht werden kann“, sagt Marius Federle (37), Mitgründer des Start-ups.
Sind alle Voraussetzungen erfüllt, ermöglicht Hellohome seinen Kunden den sogenannten Mietkauf. Käufer erwerben eine Kaufoption für zehn Prozent des Kaufpreises. Damit und mit zusätzlichem Kapital von Investoren kauft das Start-up die Immobilie.
„Kaufinteressenten können sofort in ihr Haus oder ihre Eigentumswohnung einziehen, müssen aber vorerst noch die Miete zahlen“, sagt Federle. Je nach Vertragslaufzeit dauert der Mietvertrag zwischen fünf und zehn Jahren. Die Bewohner haben dann das Recht, ihr eigenes Haus zu kaufen.
Wenn sie wollen, müssen sie über das nötige Kapital verfügen, um die Immobilie zum ursprünglichen Kaufpreis zu übernehmen. Die anfänglich investierten zehn Prozent werden ausbezahlt. Aber nicht die gezahlte Miete.
Das Schweizer Start-up Hellohome lockt mit seinem Geschäftsmodell Eigenheimkäufer an, die nicht über das nötige Vermögen für ein Eigenheim verfügen. Sie sind besonders hilfreich für junge Hauskäufer.
Vor Vertragsabschluss prüft Hellohome die Eigenmittel und Einkünfte des Käufers sowie die gewünschte Immobilie. „Außerdem muss plausibel aufgezeigt werden, wie die Hypothek nach Ablauf der Mietzeit bezahlbar gemacht werden kann“, sagt Marius Federle (37), Mitgründer des Start-ups.
Sind alle Voraussetzungen erfüllt, ermöglicht Hellohome seinen Kunden den sogenannten Mietkauf. Käufer erwerben eine Kaufoption für zehn Prozent des Kaufpreises. Damit und mit zusätzlichem Kapital von Investoren kauft das Start-up die Immobilie.
„Kaufinteressenten können sofort in ihr Haus oder ihre Eigentumswohnung einziehen, müssen aber vorerst noch die Miete zahlen“, sagt Federle. Je nach Vertragslaufzeit dauert der Mietvertrag zwischen fünf und zehn Jahren. Die Bewohner haben dann das Recht, ihr eigenes Haus zu kaufen.
Wenn sie wollen, müssen sie über das nötige Kapital verfügen, um die Immobilie zum ursprünglichen Kaufpreis zu übernehmen. Die anfänglich investierten zehn Prozent werden ausbezahlt. Aber nicht die gezahlte Miete.
Bei Brunners gab das Start-up grünes Licht. Seine Eigentumswohnung in Rehetobel kostete 526’000 Franken. Dafür mussten die Brunners als sogenannte Kaufoption 52’600 Franken bezahlen.
Zum Vergleich: Bei der Bank muss ein Eigenheimkäufer 20 Prozent des Kaufpreises in Form von Kapital einbringen. In Brunners wären es 105’200 Franken gewesen. Ein Betrag, der ihre finanziellen Möglichkeiten überstieg.
Gerechtigkeit als Haupthindernis
Es gibt mehrere Studien darüber, wie viele Schweizer sich heute noch ein Eigenheim leisten können. Gemäss Zürcher Kantonalbank trifft dies nur auf zehn Prozent der Mieter zu.
Trotz aller Widrigkeiten ging der Traum für die Brunners in Erfüllung. Im Januar 2022 konnte das frisch vermählte Paar in die 5-Zimmer-Wohnung einziehen. Eveline Brunner ist glücklich über die Entscheidung, die Eigentumswohnung bei Hellohome zu kaufen. „Hier können wir unsere Zukunft planen; da ist auch platz für ein kinderzimmer”, sagt die friseurin. Das Paar hat noch keine Kinder. Aber er will eine Familie.
Erst mieten und dann kaufen
Momentan zahlt das Ehepaar noch die Miete: 1300 Franken netto plus 475 Franken Nebenkosten pro Monat. Eigentümer ist Hellohome. Brunners wurde vertraglich zugesichert, die Eigentumswohnung nach Ablauf der achtjährigen Vertragslaufzeit zum Neupreis zu erwerben. Das eingesetzte Kapital wird ihnen später zunächst gutgeschrieben.
Die während der fünf- bis zehnjährigen Vertragslaufzeit verdiente Miete wird jedoch nicht vom Kaufpreis abgezogen. Bei den Brunners beliefen sich die Mietkosten während der achtjährigen Vertragslaufzeit auf CHF 124’800,- ohne Nebenkosten.
Wenn Sie kündigen, verlieren Sie das investierte Geld
Und: Nimmt der Käufer nicht am Kaufvertrag teil oder entscheidet er sich gegen den Kauf, erhält er das investierte Kapital, also zehn Prozent des Kaufpreises, nicht zurück. Dadurch würden die Brunners mehr als 50’000 Franken verlieren.
Das Start-up nutzt die Notlage vieler Schweizerinnen und Schweizer, die gerne ein Eigenheim hätten, aber die Finanzierungshürden nicht überwinden. Natürlich wollen Jungunternehmer damit Geld verdienen. Die große Marge, die sie mit der Miete verdienen, verraten sie nicht. Nur mussten sie das Berechnungsmodell erstmals anpassen. Seit Anfang des Jahres sind die Zinsen stark gestiegen.
Ob das Hellohome-Konzept aufgeht, bleibt abzuwarten. Das Start-up ist seit einem Jahr auf dem Markt. „Seitdem konnten wir mehr als 80 Menschen und Familien eine konkrete Perspektive auf das eigene Zuhause zeigen“, sagt Federle. Einige von ihnen haben ihr Traumhaus bereits verwirklicht, andere stecken noch mitten im Prozess.