Das Urteil gefallener Prominenter: Blatter, Platinis Millionen und eine „Verschwörung“

Der Blatter-Promi-Prozess, Platinis Millionen und eine „Verschwörung“

08.06.2022, 06:20 Uhr

Joseph Blatter und Michel Platini waren zwei der mächtigsten Männer im Weltfussball. Inzwischen haben beide ihre Ämter längst verlassen, beide sind in ihren Verbänden auf dubiose Vorgänge gestoßen. Nun müssen sich Blatter und Platini vor Gericht verantworten.

Am Fusse des Castelgrande von Bellinzona sind zwei ehemalige Fussballweltmeister auf die Knie gefallen. Unweit einer der drei Burgen der Tessiner Stadt beginnt am Mittwoch (9 Uhr) vor dem Bundesstrafgericht der Prozess gegen den ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter und den ehemaligen UEFA-Direktor Michel Platini. Im Zentrum: eine dubiose Zahlung von zwei Millionen Franken und die Frage, ob Platinis Verteidigung die Theorie einer «Verschwörung» gegen seinen Mandanten erhärten kann.

Sieben Jahre nach Eröffnung des Verfahrens gegen Blatter, das Platini schnell seine Beamtenkarriere kostete, müssen sich beide wegen Betrugsvorwürfen und anderer Delikte verantworten. Ihm wird vorgeworfen, den Weltverband um eine angeblich schwebende Klage Platinis betrogen zu haben. Gemäss Anklageschrift bestätigte Blatter rechtswidrig die Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken plus Sozialabgaben der FIFA an Platini.

Sowohl Blatter als auch Platini haben die Vorwürfe zurückgewiesen. „Wir sind zuversichtlich, dass das Verfahren zu einem positiven Ergebnis führen wird, das die volle Aufrichtigkeit von Herrn Michel Platini in dieser Angelegenheit demonstrieren wird“, sagte sein Anwalt Dominic Nellen. „Die Verteidigung ist erfreut, dass mehrere Zeugen, die genau wissen, was passiert ist und die Bundesanwaltschaft nicht ins Kreuzverhör nehmen wollte, in der Hauptverhandlung aussagen.“

Welche Rolle spielt Infantino?

Angehört werden unter anderem der frühere spanische Spitzenfunktionär Ángel Maria Villar Llona und der inzwischen zurückgetretene Olivier Thormann, ein ehemaliges Mitglied der Generalbundesanwaltschaft. Insgesamt elf Verhandlungstage sind für den 22. Juni angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 8. Juli verkündet. Blatter wird am Mittwoch vernommen, Platini wird ihm einen Tag später folgen und die Zeugenaussagen beginnen.

Interessant wird auch, inwieweit der Name des aktuellen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino dabei eine Rolle spielt. Bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe galt Platini als logischer Nachfolger Blatters. Nach dem Sturz des Präsidenten der Europäischen Fußball-Union wurde Infantino Chef des Weltverbands. Platini verklagte den ehemaligen UEFA-Generalsekretär Ende letzten Jahres vor der französischen Justiz wegen aktiver Einflussnahme. Die Treffen Infantinos mit dem ehemaligen Bundesanwalt Michael Lauber sind jedoch nicht Teil des Prozesses. Der Fifa-Chef hatte den Vorwurf der Absprache stets zurückgewiesen.

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