2. September 2022, 14:10 Uhr
Es ist seit langem bekannt, dass die Seele ein riesiges Land ist.
„Dieses riesige Land ist so groß, dass man es eigentlich gar nicht vermessen kann“, sagt Regisseurin Barbara Frey, der es weniger um die psychologische Vermessung der Seelenlandschaft als um die Zergliederung einer ganzen Gesellschaft geht.
Sie strafft, verkürzt und kühlt das Stück, verzichtet auf Schnitzlers Schnörkel, Gestik und Intonation und legt Schicht für Schicht eine von Argwohn und Misstrauen geprägte Gemeinschaft frei.
Kommunikation oben und unten
„Was die Menschen verbindet, ist ihr gegenseitiges Misstrauen, und das hat viel mit heute zu tun“, sagt Barbara Frey. „Wir kommunizieren zu viel, weil unsere Tools rund um die Uhr laufen. Gleichzeitig kommunizieren wir zu wenig, weil wir nicht miteinander argumentieren oder einander zuhören können me ist der Kern von piece und im negativen Sinne das, was in unserer Gesellschaft auffällt”.
Michael Maertens spielt den Glühbirnenbauer Hofreiter, der seine Frau Genia (Katharina Lorenz) betrügt und von ihr betrogen wird. Ein Mann, der mit dem Tod flirtet und mit dem Alter kämpft.
Tod der Kunst
„Es ist der Niedergang eines Mannes, der alles hatte und der zu Beginn des Stückes in eine tiefe Skepsis verfällt und diese Skepsis sich bis zur Paranoia steigert. In der Figur des Reiters des Hofes taucht auch Don Juan auf, es ist nämlich Don Giovanni, der Frauen konsumiert, um den Tod abzuwehren. Es gibt einige Szenen, in denen der Hofreiter über den Tod spricht, und sein eigener möglicher Selbstmord fließt durch das Stück.“
Der Selbstmord des Pianisten Korsakov zu Beginn ist für Barbara Frey auch ein Symbol für den Tod der Kunst, an dem diese Gesellschaft kein Interesse zeigt, und für das tödliche Duell am Ende einer ausgerotteten jungen Generation.
Ein Kammerwerk
Wie aus der Vogelperspektive kann der Betrachter dieses konzentrierte und etwas statische Kammerspiel betrachten; Bei der Ruhrtriennale vor zwei Wochen kam das Ensemble besonders gut an – darunter Branko Samarovski, Itay Tiran, Dorothee Hartinger und Bibiana Beglau, die neben Regisseurin Aigner auch seine Ex-Frau spielt.
… ob sie mich hier noch dringend brauchen?
Laut “Kurier”-Gerüchten wird Maertens im kommenden Jahr dringend als neuer Jedermann in Salzburg gebraucht. Bestätigt ist das noch nicht, sicher ist aber, dass nach der heutigen Akademietheater-Premiere von „Das weite Land“ am Sonntag die „Ingolstädter“-Koproduktion in Salzburg zu sehen sein wird.