Dax heute und aktualisiert: Indexentwicklung und aktualisierte Kurse

Düsseldorf Der deutsche Leitindex baut nach einer vierwöchigen Erholung seine kurzfristige Konsolidierung aus. Der Dax notierte am Mittag bei 14.272 Punkten, ein Minus von 1,2 Prozent.

Die vorläufige Ankündigung der prognostizierten Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte im Juli zeigte Wirkung an der Börse. Der Leitzins bleibt vorerst auf dem Allzeittief von null, und die Banken müssen weiterhin 0,5 Prozent Zinsen auf bei der EZB geparkte Gelder zahlen. Wie erwartet wird die EZB ihr Anleihekaufprogramm zum Ende des Quartals aussetzen.

Die Entscheidung hatte deutlichere Auswirkungen auf den Rentenmarkt. Für Thomas Altmann von QC Partners gibt es ein „Verkaufsumfeld“. In der Folge sind die Preise deutlich gefallen und die Renditen steigen.

Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe stieg innerhalb weniger Minuten um mehr als acht Prozent auf über 1,45 Prozent. Für eine zweijährige Bundesanleihe, die besonders stark auf geldpolitische Maßnahmen reagiert, liegt dieser Wert bei 0,82 Prozent, ein Plus von 20 Prozent in nur wenigen Minuten.

Der Grund: Die Notenbank hat ihre Inflationsprognosen deutlich angehoben. Und das nicht nur für das laufende Jahr. Auch für 2023 rechnet die EZB nun mit einem Anstieg der Inflation um 3,5 Prozent und damit deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Eine Rückkehr der Inflation in das Zielband der EZB wird erst 2024 erwartet.

Diese massiven Anpassungen der Inflationserwartungen machen sowohl höhere Zinserhöhungen als auch einen längeren Anstiegszyklus viel wahrscheinlicher, erklärt Altmann. “Sehr wenige haben mit einer so deutlichen Anpassung nach oben gerechnet.”

Anleger befürchten, dass mögliche Zinserhöhungen eine neue Eurokrise auslösen könnten. Ganés Fondsmanager Marcus Hüttinger hält dies derzeit für unwahrscheinlich.

Deshalb investiert Gané in kurzlaufende deutsche und spanische Staatsanleihen, die aufgrund steigender Renditen und hoher Liquidität ein attraktiver Ersatz für den Geldmarkt sind. „Allerdings sind wir uns der Herausforderungen für die europäischen Staatshaushalte bewusst und halten uns daher von längerfristigen Laufzeiten fern“, sagte Hüttinger.

Gute Nachrichten bringt eine mittelfristige Umfrage der Frankfurter Wertpapierbörse unter privaten und institutionellen Anlegern. Denn laut Verhaltensökonom Joachim Goldberg, der die Umfrage auswertet, haben sich die meisten Profis angesichts von Kursgewinnen von 1.300 Punkten in den letzten vier Wochen auf eine Erholung des Bärenmarktes eingestellt und erwarten daher bald wieder fallende Kurse.

„Der Drang, bei steigenden Dax-Kursen zu kurz zu kommen, ist nicht überwältigend, aber unverkennbar“, sagt der ehemalige Devisenhändler. Dieses Verhalten ist aus zwei Gründen gut für den deutschen Aktienmarkt.

>>> Lesen Sie hier: Zinswende, Anleihekauf, Perspektiven, Südeuropa helfen: Das sind die Punkte, um die es bei der EZB-Sitzung geht

Einerseits bietet der Anstieg der Short-Spekulation ein Sicherheitsnetz. Denn Verkaufsoptionen funktionieren ähnlich wie Leerverkäufe. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Kauft ein Anleger ein Produkt zum Verkauf auf den Dax, muss die Bank im Hintergrund den Dax verkaufen. Und wenn das Derivat verkauft wird, muss der Dax zurückgekauft werden. Goldberg rechnet damit, dass Profis einen Gewinn im Bereich von 14.150 bis 14.250 Punkten machen wollen, was den Dax stützt.

Andererseits birgt dieses Verhalten das Potenzial für steigende Überraschungen. Wenn der deutsche Aktienmarkt mit positiven Nachrichten steigt, sollten die Shorts diesem Kursanstieg folgen und somit diesen Rebound speisen.

Noch sei die Zahl der Pessimisten für ein solches Szenario zu gering, doch mit ausländischem Kapital könne es gelingen: „Gerade weil der Konsens vieler Kommentatoren und Strategen zum Dax immer noch eine ‚Bärenmarkt-Rallye‘ ist“, so jeder Preisüberraschung ist größer. Sie erwarten wahrscheinlich einen Vorteil “, sagte Goldberg.

Schauen Sie sich die einzelnen Werte an

Gerresheimer: Die Aktie wird mit einem Dividendenabschlag von 1,25 Euro gehandelt. Der Schlusskurs am Mittwochabend lag bei 72,60 Euro, der aktuelle Kurs liegt bei 71,45 Euro.

Heidelberger Druck: Nach einer Gewinnsteigerung im vergangenen Jahr steht das Unternehmen trotz steigender Energie- und Rohstoffkosten auf Wachstumskurs. Die Aktien fielen jedoch um 2,4 Prozent. Seit April leitet der Lehrphysiker Ludwin Monz die Gruppe. Druckmaschinen werden weiterhin ein Eckpfeiler des Geschäfts bleiben. Um sich breiter aufzustellen, stieg die SDax-Gruppe in das Geschäft mit Wandladegeräten für Elektroautos ein.

Wacker Chemie: Ein negativer Kommentar eines Analysten belastet das Papier. Die Aktien des Chemiekonzerns fielen um 5,8 Prozent. Die Experten von JP Morgan haben die Aktie von neutral auf untergewichtet herabgestuft.

Hochtief: Einer der größten Verlierer am deutschen Aktienmarkt ist der Baukonzern mit einem Kursrückgang von fast fünf Prozent auf 57,54 Euro. Das Unternehmen sammelt 406 Millionen Euro von Investoren ein, um die vollständige Übernahme der Cimic-Tochter zu finanzieren. Die Papiere kosteten den Angaben zufolge jeweils 57,50 Euro. Ein Börsenmakler beklagte, es sei kein gutes Zeichen, dass 85 Prozent der Aktien an den Hochtief-Großaktionär ACS gegangen seien.

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