Frankfurt Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag seine jüngsten Kursgewinne ausgebaut. Der deutsche Leitindex Dax schloss den letzten Tag der Handelswoche mit einem Plus von 1,6 Prozent bei 14.462 Punkten, was ebenfalls dem Tageshoch entspricht. Auf diesem Hoch schloss der Dax am 21. April.
Der Freitagshandel könnte für neue Stabilität sorgen. In den letzten beiden Wochen kam es relativ schnell zu Gewinnmitnahmen, als der Dax über 14.000 Punkte notierte. Dagegen stieg der Handel am Donnerstag und Freitag weiterhin langsam an. Wie nachhaltig diese Stabilität ist, wird die neue Woche zeigen.
Vor allem US-Figuren sorgen für gute Laune. Denn, wie das US-Handelsministerium mitteilte, obwohl die hohe Inflation die persönlichen Einkommen der Amerikaner im April verringerte, fiel die jährliche Inflation (PCE-Basisrate) ohne Lebensmittelkosten und Energie leicht von 5,2 % auf 4,9 %.
„Die Inflationswelle scheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben“, sagte Privatbankanalyst Bastian Hepperle von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Entsprechend legten die Kurse an der Wall Street zu, was hierzulande einen zusätzlichen Schub verlieh.
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Dies verstärkt die Hoffnung vieler Anleger, dass die US-Notenbank die Geldpolitik nicht noch stärker straffen muss als bisher erwartet. Auch der ein oder andere Schnäppchenjäger habe offenbar noch eine Chance, sich mit günstigen Vorräten einzudecken, sagte Naeem Aslam, Chefmarktanalyst beim Maklerunternehmen AvaTrade.
Das hat in dieser Woche vor allem an der Wall Street die Stimmung nach dem letzten Tief beflügelt. „Die sehr negative Stimmung lässt Spielraum für Bärenmarktgewinne“, sagt Konstantin Oldenburger, Marktanalyst von CMC Markets. “Das Ausstiegssignal hätte für eine Woche so gegeben werden können.”
Ein Bärenmarkt bezieht sich auf einen längeren Zeitraum fallender Aktienkurse. Eine Erholung im Bärenmarkt beschreibt die Situation, in der die Kurse für einen kürzeren Zeitraum wieder stark steigen, bevor der Abwärtstrend wieder einsetzt.
Apropos Oldenburger Sichtweise: Auch wenn die allgemeine Lage mit Krieg in der Ukraine, hoher Inflation weltweit, steigenden Zinsen zur Inflationsbekämpfung und damit einhergehenden Rezessionsängsten und Kronensorgen in China schwierig ist, hat der Dax nun seine Nase vorn dritte positive Woche in Folge.
In der Woche zum 13. Mai stieg er um 2,6 Prozent. Anders als in den Vorwochen gab es keine großangelegten Gewinnmitnahmen, dennoch hielt der Dax in der Woche bis zum 20. Mai sein Niveau mit einem Wochenverlust von 0,3 Prozent. In dieser Woche hat der Index nun einen Wochengewinn von mehr als drei Prozent erzielt.
Der gleitende 100-Tage-Durchschnitt ist jetzt in Reichweite
Damit hat sich der Dax über 14.000 Punkte gefestigt, in denen er seit Anfang Mai arbeitet. Nicht selten folgt darauf eine Aufwärtsbewegung. Aus technischer Sicht ist der seit Jahresbeginn anhaltende Abwärtstrend endgültig beendet. Inzwischen hat sich der Dax von seinem Mai-Tief bei 13.381 Punkten entfernt.
Aus technischer Sicht nähere sich die 100-Tage-Linie mit 14.565 Punkten, schreiben Ralfcircul und Ulrich Wortberg von der Helaba in ihrer aktuellen Analyse. Diese Linie zeigt den gleitenden Durchschnitt in diesem Zeitraum und den mittelfristigen Trend.
Aber die 14.980-Punkte-Marke sei entscheidend für eine echte Erholung, sagt Martin Utschneider, Leiter Technische Analyse bei Donner & Reuschel. Ende März scheiterte hier ein Sanierungsversuch.
Das starke Wochenende stimmt Experten jedoch optimistisch. Die Marke sei „ein realistisches Ziel für die kommenden Wochen“, sagt Utschneider. Die Spanne von 14.041 bis 13.871 Punkten im unteren Bereich bietet laut Utschneider eine verlässliche Stop-Orientierung.
Individuelle Werte im Fokus
Beiersdorf: Die starken Verkaufszahlen des US-Kosmetikhändlers Ulta Beauty ermutigen Investoren, in europäische Anbieter von Schönheitsprodukten wie Beiersdorf und L’Oreal zu investieren. Ulta habe mit einem Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 6,30 Dollar je Aktie die Erwartungen übertroffen, lobt JP-Morgan-Analyst Christopher Horvers. Die angehobenen Ziele für 2022/23 sind konservativ, mit 9,35 bis 9,55 Millionen Dollar Umsatz und 19,20 bis 20,10 Dollar Gewinn je Aktie. Die in Frankfurt notierten Ulta-Aktien stiegen um 14 Prozent, genauso stark wie vor anderthalb Jahren.
Henkel: Ein negativer Kommentar eines Analysten aktiviert den Verkauf an den Konsumgüterhersteller. Die Henkel-Aktie fiel um 1,7 Prozent auf 61,60 Euro. Experten der Investmentbank Jefferies stuften das Halten von „Kaufen“ auf „Halten“ herab und senkten das Kursziel von 75 Euro auf 69 Euro.
RWE: Die Anbieter RWE und Eon waren mit einem Minus von drei bzw. 2,3 Prozent die größten Verlierer im Dax. Insgesamt hatten beide Aktien eine schwache Handelswoche.
Öl macht wöchentlich starke Gewinne
Die Ölpreise behielten gestern Freitag ihre starken Gewinne bei. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) Brent aus der Nordsee nach Angaben von Refinitiv 118,62 Dollar. Das war rund ein Prozent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Sorte American West Texas Intermediate (WTI) stieg leicht auf 114,35 Dollar.
Früher am Tag wurden die Ölpreise durch einen schwächeren Dollar nach enttäuschenden US-Wirtschaftsdaten unterstützt. Die Schwäche der US-Währung macht das in Dollar gehandelte Rohöl auf dem Weltmarkt billiger, was für eine stärkere Nachfrage sorgt.
Seit Montag sind Nordsee-Rohöl und US-Öl um mehr als vier Prozent teurer geworden. Marktbeobachter verwiesen auf die Entwicklung der Treibstoffreserven in den USA. Im Laufe der Woche wurde bekannt, dass die US-Gasreserven ein Minimum von mehreren Jahren erreicht haben.
Mit dpa-Material und Reuters.
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