Marktbericht
Stand: 09.06.2022 09:55 Uhr
Risiko reduzieren – das ist heute die Devise der DAX-Anleger. Mit Spannung wird insbesondere die Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde zum Zinsentscheid erwartet.
Nach Handelsbeginn verlor der DAX knapp über 0,5 Prozent auf 14.350 Punkte. Das monatliche Minimum liegt bisher bei 14.329 Punkten. Gestern schloss der DAX mit 0,8 Prozent bei 14.446 Punkten.
Grund für die vorsichtige Stimmung unter den Anlegern ist die heutige Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB wird aufgrund der hohen Inflation wahrscheinlich damit beginnen, die Geldpolitik umzudrehen. Da die Geldlawine der EZB als Hauptkurstreiber der letzten Jahre gilt, sind die Aktienmärkte wenig begeistert.
EZB später als andere Zentralbanken
„Mit der EZB-Sitzung und den US-Inflationsdaten am Freitag freuen sich die Anleger auf die beiden Schlüsseltermine der Woche, um neue Positionen aufzubauen, sobald der Markt reagiert hat“, sagte Jochen Stanzl, Chief Market Analyst bei CMC Markets. . In der Vorperiode seien den Aktien zunächst Gewinne entnommen worden, um sie vom kurzfristigen Risiko wegzubewegen, so der Marktbeobachter.
Klaus-Rainer Jackisch, HR, zur erwarteten Zinsentscheidung der EZB
Morning Magazine, 9. Juni 2022
„EZB-Präsidentin Lagarde hat angedeutet, dass die EZB heute beschließen wird, das allgemeine Programm zum Ankauf von Vermögenswerten Anfang des dritten Quartals zu beenden“, schreiben die Commerzbank-Experten. „Außerdem dürfte eine erste Zinserhöhung verbal vorbereitet werden. Dann würde die EZB einen geldpolitischen Kurswechsel einleiten, wenn auch deutlich später als viele andere Notenbanken“, heißt es in ihrem Marktkommentar.
Es wäre die erste Zinserhöhung seit mehr als einem Jahrzehnt. Der Zinsentscheid wird um 13:45 Uhr bekannt gegeben. Dann, um 14.30 Uhr, wird die Präsidentin der Zentralbank, Lagarde, die Einzelheiten erläutern.
Der Euro steigt
Die gemeinsame europäische Währung stieg vor der Entscheidung der EZB leicht an. Zuletzt kostete ein Euro 1,0730 US-Dollar, etwas mehr als am Mittwochabend. Der Euro pendelt seit rund drei Wochen um 1,07 Dollar. Eine stärkere Bewegung am Devisenmarkt könnte das Ergebnis der Notenbanksitzung bringen.
Inflationssorgen lasten auf der Wall Street
Inflationssorgen waren gestern an der Wall Street wieder hochgeschnellt und hatten die jüngste Erholung gestoppt. Der Dow Jones fiel um 0,9 Prozent auf 32.895 Punkte. Der S&P 500 verlor 1,1 Prozent auf 4.116 Punkte. Der Hightech-Titel Nasdaq fiel um 0,7 Prozent auf 12.086 Punkte. Anleger wurden unter anderem aufgrund der für Freitag prognostizierten US-Verbraucherpreisdaten zurückgehalten. Auch im Mai wird mit einer höheren Inflation gerechnet.
Auch hier gibt es Bedenken hinsichtlich der Ausgangsbeschränkungen in China
Drohende neue Belastungen für die chinesische Wirtschaft bereiten dem lokalen Aktienmarkt Probleme. Die Shanghai Stock Exchange fiel um gut 1% auf 3228 Punkte. Der japanische Nikkei-Index behielt derweil seine jüngsten Kursgewinne bei und stieg leicht auf 28.265 Punkte.
Die Regierung verhängte wegen eines Coronavirus-Ausbruchs neue Beschränkungen für Teile von Shanghai. Erst vor wenigen Tagen endete eine zweimonatige Haft in der Wirtschaftsmetropole. Aufgrund der Ungewissheit über den Verlauf der Pandemie werde am chinesischen Aktienmarkt mit großen Kursschwankungen gerechnet, schrieben Analysten von BNP Paribas.
Chinesische Exporte nur eine Momentaufnahme?
Chinas Exporte sind im Mai deutlich schneller gewachsen als von Experten erwartet. Die Volksrepublik verzeichnete nach Angaben der Zollverwaltung ein Plus von 16,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten rechneten mit acht Prozent. Die Exporte stiegen im April um 3,9 Prozent.
Öl wird teurer
Die Ölpreise stiegen am Donnerstag weiter und blieben nahe dem Dreimonatshoch. Ein Barrel (159 Liter) Brent aus der Nordsee kostete zuletzt 124,08 Dollar, einen halben Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel West Texas Intermediate (WTI) stieg um 33 Cent auf 122,44 Dollar.
Die Ölpreise sind in den letzten Tagen und Wochen stetig gestiegen, nachdem einige der starken Gewinne infolge des russischen Krieges in der Ukraine Mitte April aufgegeben wurden. Seitdem beträgt die Steigerung wieder 25 Prozent.
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