DAX steigt nur leicht Kurserholung pausiert

Marktbericht

Stand: 20.07.2022 12:21 Uhr

Das gestrige Kursniveau von über 13.000 Punkten mag der DAX auch am Mittag verteidigen, die Tagesgewinne sind aber ausgeschöpft. Anleger warten auf die morgige Entscheidung über die Zinssätze der EZB.

Mit aktuell 13.320 Punkten liegt der Deutsche Aktienindex noch im positiven Bereich. Allerdings hat sich der DAX trotz positiver Marktstimmung vom Tageshoch verabschiedet.

Die Gasaussichten haben sich deutlich verbessert

„Die Aussicht auf eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen nach Russland hat die Stimmung an den Aktienmärkten ins Positive gekehrt“, sagt Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Auslöser für den jüngsten Anstieg am deutschen Aktienmarkt war eine Reuters-Meldung, wonach nach dem Ende der Wartungsarbeiten an der wichtigen Gaspipeline „Nord“ ab morgen Gas aus Russland nach Deutschland zurückfließen soll.

Auf dem erreichten Niveau des DAX sieht es jedoch so aus, als würden die Anleger erst einmal abwarten. Nach den starken US-Aktienmärkten am Vorabend und Kursgewinnen auch an den asiatischen Aktienmärkten deuten die US-Futures auch für die Wall Street auf einen stabilen, aber schleppenden Start der New Yorker Indizes hin.

Wirtschaftsupdate vom 20.07.2022

Stefan Wolff, Personal, 20.7.2022 10:09 Uhr

Zinsentscheidung der EZB steht noch aus

Darüber hinaus wird die morgige Entscheidung über die Zinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB) überschattet. Experten fragen sich derzeit, ob die Notenbank den Euro-Leitzins um 0,25 oder gar 0,5 Prozent anheben könnte.

Der Inflationsdruck in Deutschland scheint jedenfalls hoch zu bleiben. Das zeigen die Produktionspreise im Juni. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Erzeugerpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 32,7 Prozent. Energiepreise sind die Hauptschuldigen an steigenden Preisen. Das waren im Juni rund 86 Prozent mehr als vor einem Jahr. Erdgas war um gut 141 Prozent teurer. Strom kostet etwa 93 Prozent mehr. Die Produktionspreise beeinflussen die Verbraucherpreise, auf denen die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik basiert.

Euro in Rückgewinnung

Die Zinsentscheidung sollte auch den späteren Wechselkurs des Euro zum Dollar beeinflussen. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,0248 US-Dollar und stabilisiert sich damit wieder deutlich über der Parität.

Der Ölpreis sinkt leicht

Die Ölpreise fallen im Vorfeld der US-Bestandsaktualisierung heute Nachmittag leicht. Die Nordseesorte Brent ist mit 105,90 Dollar pro Barrel 1,4 Prozent günstiger. Händler erwarten angesichts der schwachen Nachfrage nach Mineralölprodukten vollständigere Felder. Die Preise stiegen gestern in der Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung. Eine Feinunze Gold wird immer noch bei 1.711 $ gehandelt.

Industriemetalle gefragt

Die wachsende Risikobereitschaft der Anleger und Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung spiegeln sich in steigenden Industriemetallpreisen wider. Kupfer stieg um 1,5 Prozent auf 7.386 Dollar je Tonne, Nickel stieg um 3,3 Prozent auf 21.280 Dollar. Ein schwächerer Dollar hilft auch den notierten Preisen in der US-Währung in die Höhe zu treiben, sagten Börsenmakler.

Zählen Sie besser als erwartet

Im DAX ist die Aktie des Autozulieferers Continental an die Spitze gestiegen. Die Gruppe hatte im zweiten Quartal eine bessere operative Leistung als von Analysten erwartet. Mit 9,4 Milliarden Euro lag der Konzernumsatz rund 200 Millionen Euro über den Schätzungen der Experten. Auch die bereinigte Umsatzentwicklung vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) übertraf die Prognose um 4,4 Prozent. Continental folgt der im April gekürzten Prognose für 2022. Allerdings muss Continental fast eine halbe Million Euro zurückzahlen. Die zusätzlichen Sanktionen gegen Russland schlagen sich im Geschäft der dortigen Reifensparte mit Abschreibungen in Höhe von 75 Millionen Euro nieder.

Uniper-Aktien gefragt

Die Aktien des Energiekonzerns legen deutlich zu. Kreisen zufolge ist das Rettungspaket für Uniper so gut wie es aufgehängt ist. Der Deal mit der Bundesregierung könne in den kommenden Tagen abgeschlossen werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg gestern Abend unter Berufung auf informierte Personen. Dann könnte die Bundesregierung eine Sperrminorität von bis zu 30 Prozent bei Uniper haben. Deutschland erwägt, mehr als 5 Milliarden Euro in Uniper zu investieren, bei einem Gesamtengagement von weniger als 10 Milliarden Euro.

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