Marktbericht
Stand: 19.10.2022 16:51
Nach der jüngsten zaghaften Eskalation sind Investoren zunächst zurückhaltend bei neuen Engagements. Der DAX gibt leicht nach, auch weil für den Abend Nachrichten von der US-Notenbank erwartet werden.
Rund zwei Stunden vor XETRA-Schließung ist unklar, ob der DAX nach dem stürmischen Wochenstart einen weiteren Tag der Gewinne verbuchen kann. Im Moment sieht es nicht danach aus. Denn der deutsche Leitindex ist ins Negative geschwenkt und liegt nur noch knapp über seinem bisherigen Tagestief von 12.708 Punkten. Die Marke von 12.800 Punkten, die am Morgen um 12.819 Punkte übertroffen wurde, konnte der Index nicht halten. Es sieht also so aus, als ob der kraftvolle Zwischenspurt von rund 700 Punkten seit letzter Woche vorerst auf Eis liegt.
Die Wall Street öffnet gemischt
Auch keine Unterstützung aus New York. Die wichtigsten Aktienindizes der Wall Street bewegen sich im frühen Handel wenig und neigen dazu, inkonsistent zu sein. Der Dow Jones legt leicht zu, die Tech-Börse Nasdaq und der S&P 500-Index des Gesamtmarktes verlieren etwas mehr. Gestern hatte der Dow um 1,12 Prozent auf 30.523 Punkte zugelegt.
Kurs Feuerwerk auf Netflix
Investoren konzentrieren sich zunehmend auf neue Unternehmensergebnisse. Die gestern nach Börsenschluss veröffentlichten Geschäftszahlen des Videostreamingdienstes Netflix werden mit Sturm aufgenommen. Netflix hat im dritten Quartal dank Erfolgsserien deutlich besser abgeschnitten als erwartet. Im Quartal bis Ende September verbuchte der Streaming-Gigant insgesamt 2,4 Millionen neue kostenpflichtige Abos. Netflix erzielte damit ein Nutzerwachstum von 4,5 % im Jahresvergleich und übertraf sowohl die eigene Prognose von einer Million Neukunden als auch die des Finanzmarktes deutlich.
Rückenwind für die Airline-Branche
Zuversicht breitet sich auch in der US-Luftfahrtindustrie aus. Die US-Airline United Airlines erwartet dank anhaltend guter Geschäfte erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie eine höhere operative Marge als 2019.
Das gab der Konzern auch an diesem Dienstagabend bekannt. Bei der Eröffnung stiegen die Aktien der Fluggesellschaft um mehr als 6,5 Prozent. Auch Star-Alliance-Kooperationspartner Lufthansa gewinnt durch United Airline den Anteil um mehr als 1,5 Prozent im MDAX.
Der Wirtschaftsbericht der US-Notenbank wird erwartet
Für einen nachhaltigen Rückgang der Aktienmärkte sei jedoch eine echte Trendwende bei der Inflationsrate notwendig, sagte Analyst Christian Henke von Broker IG. Im Moment sieht es nicht danach aus. Am Abend warten Anleger auf Signale der US-Notenbank. Die Fed legt ihren monatlichen Wirtschaftsbericht, das “Beige Paper”, vor, von dem sich Experten Hinweise auf die US-Konjunktur und die Straffung der Geldpolitik der Notenbank erhoffen.
Die Inflation bleibt hoch
Für die Märkte ist eine weitere Zinserhöhung um 75 Basispunkte durch die Fed im November eine ausgemachte Sache. Vor allem aber stellt sich die Frage, ob dies das Ende der aggressiven Zinserhöhungen ist oder ob es im Kampf gegen die hohe US-Inflation von derzeit 8,2 Prozent noch weitere Zinserhöhungen geben wird.
Angesichts der Euro-Inflation von fast zehn Prozent wird erwartet, dass die EZB bei der Sitzung am 27. Oktober weitere 75 Basispunkte anhebt. Die Eurostat-Inflation für September wurde heute in einer zweiten Schätzung leicht von 10,0 auf 9,9 Prozent nach unten revidiert.
Der Euro schwächt sich leicht ab
Vorerst scheint die gemeinsame europäische Währung ihre Aufwärtsbewegung gegenüber dem Dollar in Richtung Parität gebrochen zu haben. Der Euro wird derzeit bei 0,9784 $ gehandelt, 0,7 % schwächer als gestern.
Deutsche Industrie mit vollen Auftragsbüchern
Trotz der sich verschlechternden Konjunktur weist die deutsche Industrie einen Rekordbestand an Auftragsbeständen auf. Im August stieg der preisbereinigte Wert der verfügbaren Aufträge im Vergleich zum Juli um 0,3 Prozent. Gemessen am gleichen Monat August 2021 gab es ein Plus von 11,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit verzeichnet das verarbeitende Gewerbe seit Februar 2022 jeden Monat ein neues Maximum an offenen Aufträgen.
Wirtschaftsupdate vom 19.10.2022
Dorothee Holz, HR, 19.10.2022 10:15
Überangebot an Öl
Investoren blicken heute auch auf den Ölmarkt in die Vereinigten Staaten. Der im März von der Regierung angekündigte Verkauf von 180 Millionen Barrel Rohöl (rund 29 Milliarden Liter) aus eigener strategischer Reserve ist nahezu abgeschlossen. Damit wollen die USA den Weltmarktpreis tendenziell drücken. Aber auch Sorgen über eine sinkende Treibstoffnachfrage in China aufgrund einer schwächelnden Wirtschaft belasten die Ölpreise. Ein Barrel Nordseesorte Brent kostet derzeit 90,35 Dollar, ein leichtes Plus von 0,3 Prozent.
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