Die Wirtschaftskammer sieht in den Werbemails der Kommunikation Burgenland einen Verstoß gegen das Lauterkeitsgebot: Es handele sich um „steuerfinanzierten Wettbewerb für private Unternehmen“, kritisierte die Marktwerbe- und Kommunikationsgruppe in einem offenen Brief. Die SPÖ lehnte es als “Aktion parteipolitischer Motivation” ab.
Konkret wirft die Kommunikationsgruppe Burgenland Werbebriefen an verschiedene Unternehmen vor, Dienstleistungen wie Öffentlichkeitsarbeit, Videos und Werbekampagnen anzubieten. Präsident Ronald Fenk betonte: „Die Kommunikation Burgenland, ursprünglich als eigene Agentur für Landesbetriebe gegründet, agiert heute am freien Markt.“ Rund 1.000 burgenländische Unternehmen – von Werbeagenturen über Grafiker und Eventveranstalter bis hin zu Fotografen und Videoproduzenten – müssen sich ihm stellen. Deshalb fordert die Werbebranche in dem offenen Brief “das Ende der wirtschaftsfeindlichen Politik der Landesregierung”.
SPÖ-Geschäftsführer Roland Fürst reagierte am Donnerstag mit einem Missverständnis auf die Kritik. Das Land konkurriere keineswegs mit der Privatwirtschaft, sondern setze sich für “einen starken Staat” ein. Die öffentliche Hand übernimmt Aufgaben in Bereichen wie Pflege, Gesundheit, bezahlbarer Wohnraum, Inflationsbekämpfung und faire Löhne. Der offene Brief sei “eigentlich eine parteipolitisch motivierte Aktion zu Lasten der Kammermitglieder”, sagte Fürst. Auch die Wirtschaft werde mit der Kronenkrise, dem Ukrainekrieg und der Inflation einen “starken Staat” brauchen.
Die ÖVP hat sich in einer Aussendung der Kritik der Wirtschaftskammer angeschlossen. „Ohne Vernunft und vor allem ohne Rücksicht auf die bewährten Strukturen stellt sich SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil dem entgegen“, sagte Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas. Das sah auch der Vorsitzende der FPÖ-Landespartei, Alexander Petschnig, so und sprach von „ungezügeltem Staatsinterventionismus“. „Eine als ‚interne‘ Agentur konzipierte nationale Gesellschaft tritt nun in offenen Wettbewerb – und natürlich zu sehr niedrigen staatlich subventionierten Preisen – mit rund tausend privaten Anbietern“, sagte er.