“Delicious and Dot”: Russischer Nachfolger von McDonald’s eröffnet Filialen

Aktualisiert am 12.06.2022 um 16:33 Uhr

  • Auch McDonald’s in Russland war eine Annäherung an den Westen.
  • Als Folge des Ukrainekrieges zog sich der amerikanische Konzern wie viele andere Unternehmen aus dem Land zurück.
  • Nun wurde ein Nachfolger eröffnet, der auch ein Symbol für verhärtete Fronten ist.

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„Alles schmeckt wie vorher, nur der Kleber ist schlechter“, sagt ein junger Mann. Am Sonntagnachmittag steht er mit seinen Freunden vor einer der alten McDonald’s-Filialen, die im Zentrum Moskaus unter ihrem neuen russischen Besitzer wiedereröffnet wurden. Hunderte von Menschen warteten bereits mehr als eine Stunde vor dem Einlass am Sonntag vor dem Gebäude am Puschkin-Platz. Die Kette heißt jetzt „Wkusno und totschka“: „Lecker und Spitze“. Es hat auch ein neues Logo: zwei orangefarbene Striche und ein roter Kreis auf dunkelgrünem Hintergrund, die zwei Pommes Frites und einen Burger darstellen sollen.

Bei der Eröffnung des russischen McDonald’s-Nachfolgers in Moskau bildete sich eine lange Schlange.

© dpa/Hannah Wagner/dpa

Standorte, Mitarbeiter und Verpflegung bleiben praktisch gleich

Darüber hinaus sollte sie sich jedoch so wenig wie möglich ändern. Die Standorte der Restaurants sind die gleichen, ebenso das Personal und die Speisekarte ist fast identisch mit McDonald’s. Nur der „Filet-o-Fish“-Burger heißt jetzt „Fish Burger“, der „Royal“-Burger wurde zum „Grand“ und der „Double Royal“ zum „Double Grand“.

Nach mehr als 30 Jahren hat McDonald’s Anfang März als Reaktion auf den von Kremlchef Wladimir Putin angezettelten Angriffskrieg gegen die Ukraine sein Geschäft in Russland vorübergehend geschlossen. Der Fast-Food-Konzern zog sich wie einige andere internationale Konzerne schließlich aus dem flächenmäßig größten Land der Erde zurück, wo er mit 62.000 einheimischen Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber war.

Lediglich an Bahnhöfen und Flughäfen sollen einzelne Restaurants aufgrund spezieller Franchiseverträge, die nicht einfach zu kündigen sind, zunächst mit dem US-Logo weitergeführt werden.

“Lecker und Punkt” plant, bundesweit McDonald’s-Filialen wieder zu öffnen

Der neue Eigentümer, Unternehmer Alexander Gowor, will nun innerhalb von zwei Monaten die landesweit 850 Büros wiedereröffnen. Sie hat in den vergangenen Jahren bereits 25 McDonald’s-Filialen in Sibirien betrieben. Gowor, der einst in der Bergbau- und Ölindustrie ein Vermögen gemacht hat, ist vertraglich verpflichtet, bestehende Mitarbeiter mindestens zwei Jahre lang zu denselben Bedingungen zu behalten. Gowor darf unterdessen keine McDonald’s-Symbole mehr verwenden.

Am Eröffnungstag, der symbolisch mit der Feier zum „Tag Russlands“ zusammenfällt, kam auch der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin auf den Puschkin-Platz. Sobyanin lobt „Lecker und Punkt“ als russisches Erfolgsmodell.

McDonald’s galt schon immer als amerikanisch, aber in Wirklichkeit sei “alles unser, russisch”, sagt er und meint damit auch russische Bauern, von denen das amerikanische Unternehmen früher die Zutaten für seine Filialen in Russland bezog. Kremltreue Politiker betonen weiterhin, dass westliche Sanktionen Russland nichts anhaben können und noch stärker ausfallen werden. Die neue Kette soll es beweisen.

Zum Verwechseln ähnlich: das russische Schnellrestaurant “Lecker und Punkt” in einem ehemaligen McDonald’s in Moskau.

© dpa / Dmitri Serebrjakow / AP / dpa

McDonald’s-Filialen wurden in den 1990er Jahren in Russland eröffnet

Anfang der 1990er-Jahre war die Eröffnung der ersten McDonald’s-Filialen aber auch ein Zeichen des Aufbruchs und Aufbruchs in Russland. So repräsentiert nun auch das neue russische “McDonald’s” die verhärteten Fronten zwischen Moskau und dem Westen.

Die Rückkehr der russischen Kleidung zieht auch viele Senioren an. Vielleicht haben Sie vor mehr als drei Jahrzehnten die Eröffnung des ersten russischen McDonald’s an derselben Stelle miterlebt, als die Schlange bis zu 500 Meter lang war. Jetzt ist der Ansturm langsamer, sagen manche.

Ansonsten sind es vor allem junge Moskowiter, für die McDonald’s zum Alltag gehörte und die jetzt sehen wollen, wie es weitergeht. Ein Mann sagt, ihm gefällt das neue Logo nicht so gut, “aber wir werden uns daran gewöhnen.”

„Lecker und spitze“: Es sieht so aus wie das russische Original: Es schmeckt gut und das war’s. Das bringt so manchen zum Schmunzeln, denn der Newsroom erinnert an die sowjetische Küche, die nicht unbedingt für ihren hohen Servicestandard bekannt war. Was auf dem Tisch lag, wurde gegessen. Und fertig. (sbi/dpa)

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