Dem Gutachter läuft angesichts der Mängel „Gänsehaut über den Rücken“.

Sehr beliebt ist die Kultbar Aescher am Alpstein. Das spricht auch Wanderer an, die ohne große Erfahrung mit Rucksack anreisen.

Innerhalb weniger Wochen starben im Wandergebiet Alpstein vier Menschen. Obwohl Experten drastische Mängel auf den Straßen sehen, bleiben die Behörden untätig. Dem Staatsanwalt sind die Hände gebunden.

Unfälle am Alpstein nehmen zu: Vor zwei Wochen verunglückten zwei Personen an derselben Stelle im Wandergebiet zwischen Kultrestaurant Aescher und Seealpsee. Heute ist zwischen Aescher und Altenalp eine Mutter mit ihrer fünfjährigen Tochter tödlich verunglückt. Liegt es an den Wanderern selbst oder am anspruchsvollen Gelände?

Im Wandergebiet treffen schmale Pfade auf steile Abfahrten. Für Patricia Cornali, Sprecherin des Schweizerischen Wanderwegverbandes, ist das Alpsteingebiet nicht gefährlicher als andere Wandergebiete, wie sie auf Anfrage von blue News erklärt. „Dass das so wahrgenommen wird, ist aber nachvollziehbar: Besonders beliebt ist die Region bei Wanderern und ausländischen Gästen.“ Gerade für Touristen werden die Anforderungen an Sicherheit, Schwindelfreiheit und Fitness oft nicht ausreichend erfüllt.

Wandern ist ein beliebter Sport

Trotz Berichten über Bergunfälle ist Wandern sehr beliebt. 2019 unternahmen 57 % der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren regelmässige Reisen. Laut Patricia Cornali vom Verein Schweizer Wanderwege waren es sieben Jahre zuvor zwölf Prozent weniger. Das habe Folgen: „Wir sehen, dass es relativ mehr unerfahrene Wanderer gibt, die nicht über die nötigen Wanderkenntnisse verfügen.“

Aber ist es wirklich die alleinige Verantwortung der Wanderer? Wanderexperte Ruedi Spiess sagt nein. Denn für die „St. Galler Tagblatt» den baulichen Zustand der Strasse analysiert. Spiess hat bereits tausende Kilometer Wanderwege auf Sicherheit geprüft und führt Schulungen im Bau und Unterhalt von Wanderwegen durch.

„Wenn es so oft zu Unfällen kommt, können nicht nur die Wanderer schuld sein. Da muss mehr dahinterstecken», sagt er der Zeitung.

Der Gutachter hat einzelne Abschnitte des Wanderweges untersucht und mehrfach sofortigen Handlungsbedarf gesehen. Der Weg hat viele Fallstricke, darunter lose Steine, überhängende Stangen und lose Stufen. An den Bauteilen habe der Zahn der Zeit deutlich gelitten, so der Experte weiter. Dies insbesondere bei Passagen, bei denen einige Meter seitlich eine Tiefe von etwa 100 Metern herrscht. “Läuft mir kalt den Rücken hinunter.”

Der Kreistag sieht keinen Handlungsbedarf

Auch die Beschilderung ist problematisch. Denn beim berühmten Berggasthaus Aescher, das durch soziale Netzwerke weltweite Bekanntheit erlangt hat, steht ein gelber Wegweiser für Wanderrouten. Aber der Weg ist eine weiß-rot-weiße Bergstrecke. Die Behörden sollen den Weg mit baulichen Maßnahmen unbrauchbar machen und in einen harmlosen gelben Wanderweg verwandeln.

Landrat Sepp Manser, zuständig für die Straße, sieht keinen Handlungsbedarf. „Natürlich ist jeder Unfall auf unseren Wanderwegen ein Unfall mehr. Aber meiner Meinung nach sollte dieser Bergwanderweg ein Bergwanderweg bleiben. Konkret geht es nicht“, sagt er zu Tagebuch

Auch das Anbringen von Handläufen, wie sie der Experte an der Düschrennen-Felswand empfiehlt, hält Manser nicht für möglich. “Wenn wir diesen Weg so absichern, denken Touristen am Ende, dass alle Bergwanderwege im Alpstein so einfach zu gehen sind, und das sind sie einfach nicht.”

Die Staatsanwaltschaft sieht keinen Mangel

Kommt ein Mensch bei einem Bergunfall ums Leben, ermittelt die Staatsanwaltschaft automatisch die Todesursache. Waren schlechte Wanderwege die Ursache der Unfälle, könnten die Betreiber, also die Gemeinden, strafrechtlich verfolgt werden. Der Tatbestand der fahrlässigen Tötung oder der gefährlichen Körperverletzung wird bezweifelt.

Der Appenzeller Staatsanwalt Roland Klinger sagte gegenüber Blue News, er könne keine Auskunft über die laufenden Ermittlungen zu den jüngsten Todesfällen geben. „Nach Abschluss der Ermittlungen sind wir noch nicht zu dem Schluss gekommen, dass die Unfälle auf unsichere Wanderwege zurückzuführen sind.“

Allerdings: „Die genaue Ursache von Unfällen am Alpstein lässt sich nur selten klären, vor allem, weil objektive Beweise wie Aufzeichnungen oder direkte Augenzeugen selten vorliegen“, sagt Klinger. Ist die Person gestürzt, weil sie körperlich krank war, weil sie falsches Schuhwerk trug, oder ist sie über ihre eigenen Füße gestolpert? “Diese Fragen bleiben oft unbeantwortet.”

Laut „St. Galler Tagblatt“ will der Rat am 18. August über mögliche Maßnahmen debattieren. Wanderweg-Experte Spiess konnte das dubiose Verhalten nicht nachvollziehen.

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