Stand: 20.07.2022 23:58
Englische Fußballer haben den Traum vom Heim-Europameistertitel am Leben erhalten. Die „Löwen“ setzten sich im Viertelfinale mit einem 2:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung gegen Spanien durch.
Game Director Georgia Stanway war am Mittwochabend (20.07.22) in Brighton die Heldin ihrer Farben. Der 23-Jährige erzielte in der 96. Minute mit einem fulminanten Schuss aus rund 20 Metern das 2:1 und hätte im fernen München für Aufsehen sorgen müssen. Stanway steht seit dem 1. Juli beim FC Bayern München unter Vertrag. Bevor sie erstmals für den Bundesligisten in die Fußballschuhe schlüpft, hat die Mittelfeldspielerin höchstens noch zwei Spiele in ihrem Land zu bestreiten: das Halbfinale und das Endspiel.
„Wir waren lange Zeit wieder in der Wand, aber wir sind zurückgekommen. Heute haben wir als Mannschaft eine gute Leistung gezeigt und jetzt werden wir uns voll und ganz auf das Halbfinale konzentrieren“, sagte der Neuzugang der BBC.
Im Halbfinale trifft sie am kommenden Dienstag (26. Juli 2022, 21 Uhr MESZ) mit den „Löwen“ auf den Sieger des Spiels zwischen Schweden und Belgien (Freitag, 22. Juli 2022).
Spanien mit überragender Defensivarbeit
Nachdem sich die Engländer in der Gruppenphase erst im ersten Spiel gegen Österreich (1:0) ernsthaft gegenüberstanden und dann gegen Norwegen (8:0) und Nordirland (5:0) ein recht leichtes Spiel hatten, standen sie nun vor einem globaler Gegner dagegen. Die Spanier überzeugten nicht nur mit ihrer Passsicherheit und ihrem angenehmen Kombinationsspiel. Besonders im ersten Abschnitt war die Arbeit gegen den Ball beeindruckend.
Die Mannschaft von Trainer Jorge Vilda Rodríguez trieb die „Löwen“ sehr hoch und schloss geschickt die Lücken hinter der vorderen Drucklinie. MS-Gastgebern blieb oft nichts anderes übrig, als sich mit langen Bällen zu befreien.
“Löwen” nur gefährlich mit dem Kopf
Erst in der Schlussphase des ersten Durchgangs gab Trainerin Sarina Wiegmann, die nach ihrer Kronenisolation auf die Bank zurückkehrte, der Mannschaft etwas mehr Sicherheit bei ihren Ballaktionen. Bis zur Pause wurden jedoch keine Chancen herausgespielt. Zwei Kopfbälle von Ellen White (10.) und Lauren Hemp (40.), beide klar am Tor vorbei, sowie ein Abseitstor von White nach einem Foul von Hemp (37.) waren die einzigen nennenswerten Szenen aus dem Strafraum die erste Hälfte.
Denn Spanien entwickelt fast keine Gefahr in der Frontlinie. So beeindruckend die Angriffe der Iberer manchmal 16 Meter erreichten, ihre Vollendung war fast immer schwer. Warum „The Red Fury“ immer wieder versuchte, sich aus dem Mittelfeld heraus gegen körperlich starke Engländerinnen zu zentrieren, blieb ein Rätsel.
Spanien führt, England kontert spät
Vilda Rodríguez Athenea Del Castillo ersetzte im zweiten Drittel Marta Cardona. Eine gute Idee des Trainers, wie sich bald herausstellte. Denn die 21-jährige Offensivspielerin von Real Madrid ließ Rachel Daly raus, drang in den Strafraum ein und legte zurück auf Esther González, die Mary Earps mit einem Flachschuss besiegte (54.). Für den ehemaligen Wolfsburger war es das erste Gegentor im Turnier.
Esther González feiert ihr Tor zum 1:0 für Spanien.
Kurz darauf nahm Wiegmann die an diesem lauen Sommernachmittag wirkungslosen White und Beth Mead aus dem Spiel und brachte Alessia Russo und Chloe Kelly (58.). Sechs Minuten später ersetzte Ella Toone Francesca Kirby. Und diese Veränderungen trugen Früchte. Die „Löwen“ nahmen etwas mehr Tempo in ihren Aktionen auf und wurden für ihre unermüdliche Karriere belohnt: Russo köpfte auf Toone ein, der aus wenigen Metern glich (84.).
Stanways Distanzschuss entscheidet
Das Match ging in die Verlängerung. Und in jenen sechs Minuten spielten sie, als Stanway mehr oder weniger ruhig durch die Mitte des Feldes laufen konnte, sich aus rund 20 Metern ein Herz fasste und die Spanier mit seinem wuchtigen Schuss ins linke Eck traf – 2:1 Folge, die Iberer versuchte das Spiel zu kontrollieren und Druck auf die englische Abwehr auszuüben. Aber im Angriff fehlte ihm erneut die Durchschlagskraft, um ein entscheidendes Match zu durchdringen.
Auch nach der EM in England warten die Spanier noch auf den ersten Erfolg ihrer Geschichte in einer K.o.-Runde bei einem Major-Turnier.
England – Spanien 2:1 (1:1, 0:0)
Tore: 0:1 González (54.), 1:1 Toone (84.), 2:1 Stanway (96.) Zuschauer: 28.994 Schiedsrichter: Stéphanie Frappart (Frankreich)
England: Earps – Bronze, Bright, Williamson, Daly (82. Greenwood) – Stanway, Walsh (116. Scott) – Kirby (64. Toone) – Mead (58. Kelly), White (58. Russo), Hemp (117 ). Paris)
Spanien: Locks – Battle, Parets, León, Carmona – Abelleira (70. Aleixandri), Guijarro, Bonmati – Caldentey (100. Sarriegi), González (77. Garcia), Cardona (46. Del Castell)