Der Ausbau des schnellen Breitband-Internets beginnt mit der Ausgrabung

Stand: 10.06.2022 14:22 Uhr

Der Bundesrat hat der Einführung des Rechts auf schnelles Internet zugestimmt. Die Situation wird sich jedoch nicht sofort verbessern. Breitbandausbau ist teuer und zeitintensiv, wie das Beispiel Hechingen zeigt.

Eine Hechinger Höhle. Schnelleres Internet soll es für die knapp 20.000 Einwohner der Stadt am Fuße der Schwäbischen Morgenröte geben. Vor allem Schulen brauchen Glasfaserkabel, aber auch Privathaushalte. An der Kärtnerstraße etwa, die in einem Altbauviertel liegt, kämpfen sich die Bürger noch durch das Sechs-Megabit-Netz. Das macht keinen Spaß und vor allem ist es nicht mehr zeitgemäß.

„Sowohl für den Wirtschaftsstandort Hechingen mit dem Branchenschwerpunkt Medizintechnik als auch für die Versorgung privater Haushalte ist der Ausbau einer leistungsfähigen glasfaserbasierten Internetinfrastruktur ein Muss“, sagt Hechingens Oberbürgermeister Philipp Hahn. Für sie bietet eine schnelle und zuverlässige Internetverbindung die richtige Lebensqualität im digitalen Zeitalter. „Die Pandemie und die damit verbundene Zunahme von Homeoffice-Jobs haben auch gezeigt, dass die Versorgung aller mit einem schnellen Internetanschluss eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Notwendigkeit ist“, sagt der Bürgermeister.

Der Bundesrat berät über den Mindeststandard für die Internetgeschwindigkeit

Christian Feld, ARD Berlin, Tagesschau um 12 Uhr, 10. Juni 2022

Die Erweiterung kostet viel Geld und Zeit

Das Problem wurde also in Hechingen erkannt. Doch der Breitbandausbau hat seine Schattenseiten. Caren Wagner kann davon ein Lied singen. Sie ist die Breitbandkoordinatorin der Stadt Hechingen, ihr Posten ist als Mitarbeiterin des Bürgermeisters eingerichtet, also sehr wichtig. Wagner plant, das Internet um 1,5 bis zwei Millionen Euro pro Jahr schneller auszubauen. Das ist Hechingens größter Hausrat.

Der Breitbandausbau in Hechingen ist teuer und zeitintensiv. Bild: Eva Macht, SWR

Immerhin fördert der Bund 50 Prozent und das Land Baden-Württemberg wiederum 40 Prozent. Klingt gut, bleibt aber eine Herkulesaufgabe. Sie müssen Firmen suchen, die die Rohre leer legen, dann Firmen finden, die die Kabel verlegen, und schließlich brauchen Sie noch den Operator. Das kann eine Weile dauern.

„Das dauert sehr lange, weil die Infrastruktur komplett neu aufgebaut werden muss“, erklärt Wagner. Gerade im ländlichen Raum sind die Entfernungen zwischen den Siedlungsgebieten einer Gemeinde lang und viele Orte in der Stadt sind aufgrund ihrer topografischen Lage nur schwer und mit großem Aufwand zu verbinden.

„Neben der Kernstadt hat Hechingen acht Ortsteile, also ehemals eigenständige Dörfer, die in den 1970er Jahren eingemeindet wurden. Einige von ihnen liegen mehrere Kilometer von der Kernstadt entfernt, die das Auf und Ab der Landschaft bergig und naturbelassen entlangführen sanften Jura, was die Entwicklung zusätzlich erschwert“, sagte Wagner.

Der Bundesrat entscheidet über das Recht auf schnelles Internet

Schnelleres Internet für alle: Das hat die Ampelkoalition in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat dem Recht auf schnelles Internet zugestimmt, das rückwirkend zum 1. Juni in Kraft tritt. Allerdings kritisierte die Länderkammer, dass die zunächst geforderten Mindeststandards nicht den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an ein „schnelles Internet“ entsprechen würden und diese Standards daher schneller entwickelt werden sollten.

„Wir haben uns ehrgeizige Ziele für ein modernes, digitales Deutschland gesetzt“, sagte Volker Wissing, Bundesminister für Digitalisierung und Verkehr. „Wir wollen Glasfaser bis ins Haus und den neusten Mobilfunkstandard überall dort, wo Menschen leben, arbeiten oder reisen.“

Die in der Telekommunikations-Mindestversorgungsverordnung, kurz TKMV, festgelegten Mindestanforderungen an die Grundversorgung garantieren die digitale Teilhabe aller bisher von der Versorgung abgeschnittenen. Laut Verordnung soll künftig deutschlandweit eine Download-Geschwindigkeit von mindestens 10 Megabit pro Sekunde und eine Upload-Rate von 1,7 Megabit pro Sekunde erreicht werden. Latenz, dh Reaktionszeit, sollte 150 Millisekunden nicht überschreiten.

Die Einsprechenden halten die Spezifikationen für unzureichend

Für die Opposition reicht diese Definition nicht aus. „Digitalministerin Wissing hat eine Blindentscheidung zum Rechtsanspruch auf schnelles Internet getroffen“, kritisierte Reinhard Brandl, digitalpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

„Nach zwei Jahren Pandemie, Homeoffice, Home Education und dem üblichen Verhalten von heute scheint die Ampel mit 10 Megabit pro Sekunde Download nicht mehr zeitgemäß zu sein.“ Daher forderte CDU/CSU eine moderate Anhebung der Mindestbandbreiten auf bis zu 20 Mbit/s für Downloads und 3,4 Mbit/s für Uploads im zuständigen Bundestagsausschuss. „Das würde auch in Mehrpersonenhaushalten eine technisch einwandfreie Home-Office-, Home-Education- und Internet-Nutzung garantieren. Das entspricht auch den aktuellen Marktgegebenheiten. Leider hat die Ampel das abgelehnt“, so Brandl.

Der Anteil der Haushalte ohne 10-Megabit-Standard ist unklar

Es ist unklar, wie viele Haushalte derzeit mit weniger als 10 Megabit pro Sekunde auf das Internet zugreifen. Die Bundesnetzagentur schätzt, dass 630.000 Haushalte weniger als 16 Megabit pro Sekunde haben. Ein Schätzwert für den 10-Megabit-Balken liegt nicht vor.

Sicher ist, dass Deutschland beim Glasfaserausbau im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinterherhinkt. Von 42 Millionen Haushalten sind nur etwa zehn Millionen …

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