Der Betrieb wird mit dem SAS-Konkursverfahren fortgesetzt

Stand: 05.07.2022 12:14 Uhr

Die skandinavische Fluggesellschaft SAS scheint finanziell mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Einen Tag nach Beginn eines Pilotenstreiks meldet sich das Unternehmen für zahlungsunfähig. Der Betrieb soll aber weitergehen.

Die Fluggesellschaft SAS ist insolvent. Das Unternehmen teilte heute Morgen mit, dass Insolvenzschutz nach US-Recht beantragt worden sei. Die Entscheidung fiel kurz nach Beginn eines Streiks der Piloten, der gestern begann. Bereits vor dem mehrfach verschobenen Streik hatte das Unternehmen auf die schwierige wirtschaftliche Lage hingewiesen. Laut SAS-Chefin Anko van der Werff hat der Marsch die Entscheidung zu diesem Schritt beschleunigt, weil er die Finanzlage und Liquidität der Fluggesellschaft belaste.

Täglich sind etwa 30.000 Fahrgäste betroffen

In den vergangenen Wochen war der geplante Streik wegen laufender Schlichtungsgespräche zwischen der Unternehmensleitung und der Pilotengewerkschaft mehrfach verschoben worden. Nach dem Scheitern der Gespräche hat die Gewerkschaft gestern den Streik mit rund 900 Piloten begonnen.

Aufgrund des Abflugs würden etwa die Hälfte aller Flüge gestrichen, teilte das Unternehmen gestern mit. Täglich sind etwa 30.000 Fahrgäste betroffen. Der Ausstieg ist für SAS derzeit verheerend und gefährdet laut CEO van der Werff die Zukunft des Unternehmens und tausende Arbeitsplätze. Die Entscheidung zum Streik zeigt nun das rücksichtslose Vorgehen der Pilotengewerkschaften.

Der schwedische Pilotenverband wirft dem Unternehmen vor, die Pandemie genutzt zu haben, um fast die Hälfte der Piloten mit einem vereinbarten Recht auf Wiedereinstellung zu feuern, dieses Recht aber aufzuheben. SAS hat Anfang dieses Jahres ein Sparprogramm angekündigt.

Das US-Recht macht eine finanzielle Neuregulierung möglich

Die nunmehr nach US-Recht beantragte Insolvenz nach Chapter 11 (Chapter 11) des U.S. Bankruptcy Law ermöglicht es der Gesellschaft, sich einem Sanierungsverfahren zu unterziehen. SAS ist für einen bestimmten Zeitraum vor Gläubigeransprüchen geschützt. Dazu gehören auch Verpflichtungen aus Arbeitsverträgen. Amerikanische Unternehmen nutzen dieses Arrangement häufig, um eine geordnete Neuausrichtung einzuleiten. Das US-Recht schützt in erster Linie das angeschlagene Unternehmen, während das deutsche Insolvenzrecht in erster Linie Gläubiger schützt.

Laut SAS soll der Prozess zwischen neun und zwölf Monate dauern. Der Konzern will sich mit allen Beteiligten auf eine Umschuldung einigen und über eine Kapitalerhöhung frisches Kapital mobilisieren. Die Fluggesellschaft wird von Schweden und Dänemark staatlich kontrolliert. Die Regierungen von Schweden und Dänemark sind mit jeweils 21,8 Prozent an SAS beteiligt und hatten weitere Finanzspritzen nach der Rettungsaktion Crown Crisis abgelehnt. Aus diesem Grund verwendet SAS Kapitel 11.

SAS will den Flugbetrieb trotz Insolvenz und Pilotenstreik fortsetzen. Laut Experten eine heikle Aufgabe. Sydbank-Analyst Jacob Pedersen kommentierte: “Sie versuchen, den Motor mit Hochdruck zu reparieren.”

Streikwelle im Reiseboom in Europa

Inmitten des Feiertagstrubels an den europäischen Flughäfen kommt es zu Streiks bei verschiedenen Fluggesellschaften und Flughäfen. vor allem im beliebten Urlaubsland Spanien. Das Kabinenpersonal des irischen Billigfliegers Ryanair will im Juli für weitere zwölf Tage streiken, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, wie die zuständigen spanischen Gewerkschaften USO und Sitcpla am Wochenende mitteilten. Das Kabinenpersonal in Spanien streikte Ende Juni sowie zwischen Donnerstag und Samstag. Auch das Kabinenpersonal des britischen Konkurrenten Easyjet wird seinen Dienst in Spanien Ende Juli für insgesamt neun Tage einstellen.

Am Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle in Paris führten Warnstreiks am Wochenende erneut zu Annullierungen. Etwa 20 Prozent der geplanten Starts und Landungen fielen am Samstag nach Angaben des Flughafens aus. Streikende fordern wegen steigender Inflation höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

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