Der Druck aus dem Ausland nimmt zu

Dänemark will 20 dieser Schützenpanzer Piranha III an die Ukraine liefern. Doch das Seco hat einen entsprechenden Antrag abgelehnt. (Archivbild)

KEYSTONE / LAURENT GILLIERON

Die Schweiz blockiert unter Berufung auf das Kriegsmaterialgesetz und die Neutralität die Lieferung dänischer Waffen an die Ukraine. Doch der Druck aus dem Ausland nimmt zu. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Sobald der Westen schwere Waffen niederlege, werde die ukrainische Armee mit der Befreiung der von Russland besetzten Gebiete beginnen, kündigte Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen mit dem slowakischen Präsidenten an. Waffen und Munition haben für die Ukraine “absolute Priorität”: Bereits vor einer Woche hatte der Präsident in einer Videobotschaft die Forderung nach Waffenlieferungen bekräftigt.

Einige europäische Länder sind gekommen und erfüllen es. So auch die dänische Regierung, die eigentlich geplant hatte, die ukrainischen Streitkräfte mit 20 Panzern zu unterstützen. Dass daraus derzeit wohl nichts wird, liegt vor allem an der Schweiz: Das Seco hat erneut Waffenlieferungen an die Ukraine blockiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Gründen und Folgen einer Absage.

Von welchen Waffen redest du genau?

Die dänische Regierung wollte 20 ihrer gepanzerten Mannschaftstransporter mit Piranha-III-Rädern zur Verteidigung an die Ukraine übergeben. Diese schwer gepanzerten Armeefahrzeuge dienen der Deckung von Soldaten im Kampf und stammen aus der Schweiz, genauer gesagt vom Hersteller Mowag in Kreuzlingen. Bereits Anfang Mai war über die Lieferung dieser und weiterer Panzer spekuliert worden.

Da es sich um in der Schweiz hergestellte Panzer handelt, musste Dänemark gemäss Schweizer Kriegsmaterialgesetz eine Bewilligung bei den lokalen Behörden beantragen. Dazu hatte sich das Land beim Kauf verpflichtet. Und laut Recherchen der SRF «Rundschau» wurde der Schweizer Staatssekretär für Wirtschaft (Seco) abgewiesen. La Seco bestätigte auch die Anfrage „einer dänischen Behörde bezüglich gepanzerter Radfahrzeuge des Typs Piranha III“ und ihre Ablehnung der Blue-News-Frage.

Warum lehnt die Schweiz das Gesuch ab?

Das schweizerische Kriegsmaterialrecht verlangt für Kriegsmaterialexporte an Staaten grundsätzlich eine Nicht-Wiederausfuhrerklärung. Das Empfängerland verpflichtet sich daher, das Material nicht ohne vorherige Zustimmung der Schweiz zu übermitteln. Beispielsweise sind Exporte in Kriegsländer nicht erlaubt, dazu gehört auch die Ukraine.

Diese Ablehnungskriterien seien „obligatorisch“, sagte ein Sprecher von Seco Blue News. Ein weiterer Teil der Begründung ist die schweizerische Neutralität.

Gab es ähnliche Fälle?

Zwei Anträge aus Deutschland waren bereits im April aus demselben Grund abgelehnt worden. Der eine bezieht sich auf Schweizer 35-mm-Munition für Flugabwehrpanzer vom Typ “Cheetah” in der Ukraine, der zweite auf nicht näher bezeichnete 12,7-mm-Munition.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck fragte daraufhin bei einem Treffen mit Bundesberatern in der Schweiz, ob es möglich sei, in der Schweiz hergestellte Munition für Gepardenpanzer in die Ukraine zu liefern. Auch er wurde abgelehnt. Insgesamt gingen bei den Schweizer Behörden bisher drei Anfragen ein.

“Bei allen drei Anfragen ging es darum, ob das aus der Schweiz erhaltene Kriegsmaterial in die Ukraine übermittelt werden könnte”, sagte Seco auf Anfrage von Blue News. “Diese wurden mit Verweis auf die schweizerische Neutralität und die Kriterien für die obligatorische Ablehnung der schweizerischen Kriegsmaterialgesetzgebung verneint.”

Wie reagieren Länder?

Der Druck aus dem Ausland scheint zuzunehmen, insbesondere aus Deutschland. Der deutsche Vizekanzler Robert Habeck hat vergangene Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos “maximale Unterstützung” für die Ukraine gefordert. “Wir müssen unsere eigene Einstellung an der Realität messen”, sagte Habeck seiner Partei, den Grünen, die auch ihre Meinung zu Rüstungsexporten in Kriegsgebiete geändert habe.

Und die Bundesregierung gibt bei Waffenlieferungen nicht auf: Laut Rundschau hat die Bundesregierung den Bundesrat gebeten, ihre Ablehnung von Munitionsexporten zu überdenken.

Könnte der Bundesrat seine Meinung ändern?

Nach Recherchen der „Rundschau“ könnte an diesem oder am kommenden Freitag feststehen, ob die Regierung ihre Entscheidung noch einmal revidiert. Der Bundesrat soll dann über die neue Petition Deutschlands entscheiden.

Würden deutsche Munitionsexporte genehmigt, hätte dies wohl auch Konsequenzen für die Dänen, die Panzerexporte nachprüfen könnten.

Wäre eine Genehmigung überhaupt legal?

Laut SRF sehen einige Experten in Parlament und Verwaltung das Kriegsmaterialgesetz als Chance, den Export von in der Schweiz hergestellten Waffen und Munition zu ermöglichen. Dies wäre unter bestimmten Voraussetzungen eine großzügigere Auslegung des Gesetzes.

Grünliberale Fraktionschefin Tiana Angelina Moser etwa fordert einen Richtungswechsel: Laut der SRF-Politikerin handele es sich nicht um direkte Waffenexporte, sondern um Waffen, die bereits an befreundete Demokratien verkauft worden seien. Diese würden “an ein Land übermittelt, das sich gegen einen Angreifer verteidigt”.

Laut SRF haben die UDC und die Grünen angekündigt, dass der Bundesrat nicht von seiner bisherigen Praxis abweichen soll. «Die bisherige Praxis hat sich weitgehend angelehnt. Davon sollte sich der Bundesrat nicht hinter den Kulissen verabschieden, ohne das Parlament zu fragen», sagte Grünen-Chef Balthasar Glättli, der die Schweizer Neutralität sieht.

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