Der Euro wird in Kroatien ab 2023 eingeführt

12.07.2022 15:51 (Akt. 12.07.2022 16:00)

Der spezifische Wechselkurs für die Einführung des Euro in Kroatien ist verfügbar. Der entsprechende Wechselkurs wurde auf dem Treffen der europäischen Finanzminister am Dienstag auf 7,5345 Kuna pro Euro festgelegt. Der Balkanstaat will zum 1. Januar 2023 die gemeinsame europäische Währung einführen. Dann wächst die Zahl der Länder im Euroraum auf 20 EU-Mitgliedsstaaten. Litauen hat den Euro zuletzt 2015 als offizielle Währung eingeführt.

„Das bringt große Vorteile für die heimische Wirtschaft“, freut sich Mariana Kühnel, stellvertretende Generalsekretärin der Wirtschaftskammer (WKÖ), über die endgültige Entscheidung der EU-Finanzminister in Brüssel. Auch der Geldwechsel in Kroatien, das aufgrund seiner historisch sehr engen Verbundenheit oft als Österreichs Nachbarland ohne direkte Grenze bezeichnet wird, ist praktisch für die vielen österreichischen Touristen, die den ehemaligen jugoslawischen Staat gerne besuchen. Kroatien gilt als beliebtestes Reiseziel der Österreicher, noch vor Italien.

Touristen, Österreicher und andere Unternehmen aus Euro-Ländern, die nach Kroatien reisen oder dort arbeiten, müssen keine Devisenprovisionen mehr zahlen und sparen sich die Währungsabsicherung angesichts einer Währungsabwertung. „Für unsere Unternehmer bedeutet das auch viel weniger Unsicherheit, weil die Gefahr von Währungsspekulationen sinkt“, erklärte Kühnel in einer Aussendung.

Mit einem bilateralen Außenhandelsvolumen von fast 2 Milliarden Euro und einem Dienstleistungsaustausch von rund 1,8 Milliarden Euro sind Kroatien und Österreich wirtschaftlich eng miteinander verbunden. Österreich ist der zweitgrößte Investor in Kroatien. Lokale Wirtschaftsbüros sind in allen Branchen präsent. Die österreichischen Direktinvestitionen in Kroatien beliefen sich bis Ende 2021 auf rund 5 Milliarden Euro.

Chancen gibt es laut WKÖ für österreichische Unternehmen in nahezu allen Bereichen. „Zum Beispiel in der Tourismusbranche gibt es zahlreiche Möglichkeiten für österreichische Unternehmen: einerseits für Investitionen und Beteiligungen an Projekten, andererseits für Lieferungen, die wir als Wirtschaftskammer auch als Wegbereiter und Wegbegleiter unterstützen.“ Auch beim laufenden Ausbau der kroatischen Infrastruktur sind Aufträge lukrativ.

Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, es handele sich um eine vernünftige politische Entscheidung. “Kroatien erfüllt alle notwendigen wirtschaftlichen Kriterien.” Im Vorfeld der formellen Entscheidung vom Dienstag wurden Kriterien wie Preis- und Wechselkursstabilität, solide Haushaltsführung und langfristige Zinsen überprüft. Tschechien hat den Euro noch nicht eingeführt.

Die Europäische Zentralbank teilte mit, dass zahlreiche kroatische Finanzinstitute seit 2020 von der EZB beaufsichtigt werden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach von einem Grund zur Freude und gratulierte Kroatien. Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Valdis Dombrovskis, sagte, eine größere Eurozone hätte auch international mehr Einfluss. Mit dem Euro wird es einfacher, in Kroatien zu investieren. Zu erwarten sind mehr Arbeitsplätze im Land und ein steigender Lebensstandard.

Kroatien mit rund vier Millionen Einwohnern ist seit 2013 EU-Mitglied, hat aber bisher die Kuna als Währung beibehalten. Seit 1991 ist das Land unabhängig. Das Nachbarland Slowenien – ebenfalls ehemals Teil Jugoslawiens – führte 2007 den Euro ein.

Erstmals seit rund zwei Jahrzehnten ist der Euro wieder genau einen Dollar wert. Am Dienstagmittag fiel die Gemeinschaftswährung auf genau einen Dollar und fiel damit erstmals seit 2002 wieder auf die Parität. Das bedeutet ein Wechselkursverhältnis von eins zu eins.

Rezessionsängste und ein deutlich schnellerer Anstieg der US-Zinsen machen sich derzeit im Euro bemerkbar. Die Gemeinschaftswährung startete 1999 mit einem Kurs von knapp über 1,17 $. Das bisherige Rekordtief lag im Oktober 2000 bei 0,8225 $, doch der Euro stieg im Juli 2008 auf ein Allzeithoch von 1,6038.

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