Der Filmemacher Klaus Lemke ist im Alter von 81 Jahren gestorben

Stand: 08.07.2022 13:51

Unkonventionell und definitiv gegen den Mainstream, der Fokus liegt vor allem auf der dunklen Seite der Gesellschaft: So hat Klaus Lemke gearbeitet. Jetzt ist der Regisseur und Drehbuchautor im Alter von 81 Jahren gestorben.

Der im Alter von 81 Jahren verstorbene Filmemacher Klaus Lemke ist gestorben. „Erneut ist ein großer Mann des deutschen Kinos von den Bühnen gegangen“, schrieb der Münchner Künstler Flatz, der mit Lemke befreundet war und mit ihm zusammenarbeitete, der Nachrichtenagentur dpa. “Er wird vermisst werden.”

Lemke galt unter deutschen Regisseuren als Rebell, er rebellierte gegen den Mainstream. Zuletzt trat er Ende Juni beim Münchner Filmfest auf, körperlich schon sichtbar misshandelt. Er könne nicht mehr gut laufen, sagte er damals und hielt ein Schild hoch: “Kunst kommt vom Küssen.”

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Lemke beim Filmfest München. Bild: dpa

Suchen Sie nach den Sehnsüchten der Kleinen und der Mittleren

1940 in Landsberg an der Warthe im heutigen Polen geboren, wuchs Lemke als Sohn eines Regierungsdirektors und einer Tänzerin in Düsseldorf auf. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte und Philosophie arbeitete er unter anderem als Filmassistent in München. Sein erster Spielfilm „48 Stunden nach Acapulco“ feierte 1967 Premiere. Viele Low-Budget-Filme folgten. Mit seinen hauptsächlich für das Fernsehen produzierten Arbeiten wie „Brandstifter“ (1969) mit der damals noch unbekannten Iris Berben oder „Rocker“ (1972) thematisierte er die dunkle Seite der Gesellschaft.

Lemke habe sich in seinen Filmen nie über die Menschen erhoben, schrieb Alexander Bickel, Leiter des WDR-Programms Belletristik. „Die Sehnsüchte der Kleinen, in Filmen wie ‚Rocker‘, ‚Dancing with Devils‘ oder neuerdings ‚Berlin Izza Bitch!‘ sie erhalten einen brüchigen, aber nie verwelkenden Glanz. Wir werden Lemke vermissen, den Volksseher, der die Menschen versteht, was er hinterlässt, ist sein unfehlbarer Blick durch die flüchtigen Momente dieses Dings namens Leben“.

Entdecker mehrerer Sterne

Sein Wirkungsort war hauptsächlich München. Filme wie „Idole“ oder „Amore“ waren Studien der Schwabinger Szene. Meistens arbeitete er mit Laien, entdeckte München, Hamburg oder Berlin in Cafés oder auf der Straße und engagierte sie oft direkt vor Ort. Zu ihren Entdeckungen gehören TV-Stars wie Wolfgang Fierek, Cleo Kretschmer und Dolly Dollar.

In den letzten Jahren drehte sie auch Film um Film, wie „Underwear Lies“ (2016), „Bad Girl Avenue“ und „Neue Götter in der Maxvorstadt“ (beide 2018) und „Ein Callgirl für Geister“ (2020). Sein neuester Film „Champagner für die Augen – Gift für den Rest“, eine Dokumentation über das Lebensgefühl der 1970er, wurde einen Tag vor seinem Tod erstmals im BR ausgestrahlt.

Lemke wurde vielfach ausgezeichnet, darunter 1968 der Bambi für „48 Stunden in Acapulco“ und 1979 der Adolf-Grimme-Preis für „Amore“.

Nachruf auf Klaus Lemke

Knut Cordsen, BR, 07.08.2022 14:46

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *