Der Gasfluss von Nord Stream 1 läuft weiterhin stabil

Stand: 22.07.2022 08:42 Uhr

Gas fließt weiterhin kontinuierlich durch die Pipeline Nord Stream 1. Grund zur Entwarnung gibt es jedoch nicht. Die Bundesregierung bereitet sich mit einem Maßnahmenpaket auf mehr Energiesicherheit im Winter vor.

Durch die Nord Stream 1-Pipeline floss laut Netzdaten seit Abschluss der Wartungsarbeiten kontinuierlich Gas, lieferte laut Betreiber Nord Stream AG auf seiner Website knapp 29,3 Gigawattstunden pro Stunde.

Das entspricht einer Lieferung von etwa 700 Gigawatt pro Tag und etwa 40 Prozent der theoretisch möglichen Auslastung. Damit wird der Gasfluss auf dem Niveau vor Beginn der zehntägigen Wartungsarbeiten gehalten.

Deutschland will bereit sein

Obwohl Russland die Gaslieferungen nach Europa über die Ostseepipeline wieder aufgenommen hat, bereiten sich Regierung, Unternehmen und Experten auf eine Fortsetzung oder sogar eine mögliche Verschärfung der Gaskrise vor. “40 Prozent können uns kein sicheres Gefühl geben”, warnte Wirtschaftsminister Robert Habeck. “Deshalb ist es wichtig, an den politischen Instrumenten immer weiter zu feilen.”

Habeck hat am Donnerstag ein Maßnahmenpaket für mehr Energiesicherheit vorgestellt. Angesichts der Unsicherheiten bei russischen Lieferungen sollte die Wintervorsorge verstärkt werden. Der Winter steht noch bevor und der folgende Winter wird auch Herausforderungen mit sich bringen.

„Gasverbrauch muss sinken“

Das Energiesparpaket umfasst höhere Füllstände in Gasspeichern und Einsparmaßnahmen sowohl für private Verbraucher als auch für Unternehmen. „Der Gasverbrauch muss weiter sinken, die Speicher müssen voll sein. Daran sollten wir mit vereinten Kräften arbeiten“, sagte Habeck.

Die Speicherfüllstände von Gasspeichern müssen gegenüber den bisherigen Vorgaben um fünf Prozentpunkte erhöht werden: bis 75 % zum 1. September, 85 % zum 1. Oktober und 95 % zum 1. November. Damit soll verhindert werden, dass Gas aus den 23 deutschen Speichern verkauft wird.

Energiekosten sparen

Habeck will Unternehmen per Regulierung zum Energiesparen zwingen. So sollten beispielsweise nicht mehr genutzte Räume wie Flure oder Eingangshallen im Winter nicht beheizt werden.

Zudem sollten möglichst viele Vermieter zum Ende der nächsten Heizperiode 2023/24 einen Heizungscheck bei Gasheizungen durchführen. Alle Eigentümer von Gebäuden mit zentraler Wärmeversorgung – also in der Regel Wohngebäude – sollen laut Ministerium auch einen hydraulischen Abgleich durchführen, sofern sie dies nicht bereits in den vergangenen Jahren getan haben. Die Kosten hierfür hat der Eigentümer zu tragen.

Braunkohlekraftwerke werden aus der Reserve genommen

Um die Versorgung sicherzustellen, will der Wirtschaftsminister auch die Braunkohlekraftwerke wieder hochfahren. Ab dem 1. Oktober werde neben Steinkohle auch die Braunkohlereserve aktiviert, kündigte der Grünen-Politiker an. Betroffene Braunkohlekraftwerke könnten dann an den Strommarkt zurückkehren und Erdgaskraftwerke ersetzen.

Das Ministerium von Habeck stellte fest, dass der Ansatz zur Energieeinsparung im Einklang mit den Bemühungen der Europäischen Kommission steht, den Energieverbrauch zu senken. Demnach müssten die Mitgliedsstaaten ihren Gasbedarf im März freiwillig um 15 Prozent reduzieren. Deutschland wird nach aktuellem Stand weniger als die Hälfte erreichen. Mit dem Sparpaket wollen Sie ans Ziel kommen.

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