Die Gasfüllmenge nimmt weiterhin nur geringfügig zu. OMV meldet stabile Liefermengen aus Russland und laut Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) ist die Versorgungslage in Österreich nicht gefährdet. Die Regierung will über die aktuelle Gassituation sprechen.
Anscheinend lief die Füllung nicht wie geplant. Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe (GIE) liegt der Füllgrad in Österreich aktuell (Stand 3. Juli) bei rund 45,6 Prozent und damit nur leicht im Vergleich zur Vorwoche. Angesichts der jüngsten Senkung der Gasspeichertarife wird die Regierung am morgigen Dienstag (5. Juli 2022) die aktuelle Situation erörtern. Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) bezeichnete die Lage am Freitag als „ernst“.
Gewessler wird sich Berichten zufolge am Montagnachmittag mit Unternehmensvertretern treffen. Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) sollen vor weiteren Konsultationen mit der Regierung die aktuelle Lage und das weitere Vorgehen, nicht in den Medien, besprochen werden.
Nicht konstanter Gasfluss
In den letzten Tagen gelangten weniger als 100 Gigawattstunden (GWh) pro Tag in die Speicher, nachdem die täglichen Mengen im Juni meist 300 GWh überschritten hatten. Am vergangenen Samstag lag der Tarif allerdings wieder bei rund 355 GWh, womit der Füllstand um 0,4 Prozent höher lag als am Vortag. Wöchentlich entspricht dies nur einem relativ geringen Plus von 1,1 Prozent.
Die Regierung strebt eine Befüllung von 80 Prozent der Speicherkapazität während der Heizperiode an. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen noch 32.900 GWh gespeichert werden. Derzeit werde so viel Gas wie möglich gespeichert, sagte ein OMV-Sprecher am Montag in einer APA-Anfrage. Der Speicherstatus in den Speichern der OMV liegt derzeit bei gut 71 Prozent.
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Mit Blick auf die Liefermengen aus Russland wird die Lage als stabil eingeschätzt. Die Auslieferungen gingen Mitte Juni zunächst um 30 Prozent zurück und stiegen dann um 50 Prozent. Derzeit können die Verluste aber durch Käufe am Spotmarkt ausgeglichen werden, so der OMV Sprecher. Allerdings zeigt die Preisentwicklung seit Beginn der Krise in der Ukraine, dass dies eine teure Alternative ist: Der Preis für eine Megawattstunde (MWh) liegt derzeit bei etwa 152 Euro, macht im Jahr knapp 36 Euro.
Die Rate der Gasspeicherung im Winter ist ungewiss
Wie dem täglichen Lagebericht der AGGM zu entnehmen ist, ist die Versorgungslage der Endkunden in Österreich derzeit gesichert. Die Nachfrage wird weiterhin vollständig durch Importe gedeckt. Nach Einschätzung der OMV ist die Versorgung derzeit gewährleistet, vor allem weil in der Sommersaison nicht geheizt wird. Außerdem sollte man bedenken, dass Österreich über relativ große Speicher verfügt. Eine Prognose zur Lage im Winter wollte der OMV-Sprecher allerdings nicht abgeben.
Österreich hat am 30. März die Frühwarnstufe des dreistufigen Gasnotfallplans bekannt gegeben. Deutschland hatte vor zwei Wochen die Alarmstufe ausgerufen, nachdem der russische Staatskonzern Gazprom Mitte Juni die Lieferungen nach Europa eingestellt hatte. Auch in Österreich steht die Alarmstufenaussage im Raum. Am Freitag teilte das Energieministerium mit, bei einer Gefährdung des Speicherziels werde „auch in Österreich die Alarmstufe ausgerufen“.