Der Keyboarder von Depeche Mode, allFletch, spielte im Hintergrund

Als ich, der BILD-Reporter, zum ersten Mal die Musik von „Depeche Mode“ hörte, war ich 12 oder 13 Jahre alt. Ich teilte mir Walkman-Kopfhörer mit meinem Freund Nils im Schulbus und kannte nicht einmal den Namen dieser Band, als mich Songs wie „Just Can’t Get Enough“ und „Boys Say Go“ erwischten.

Seit Mitte der Achtziger begleitet mich die Musik von Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher (natürlich auch Vince Clarke und Alan Wilder) mein ganzes Leben. Ich habe Hunderte von Schallplatten und CDs gesammelt, bin zu Dutzenden von Konzerten gegangen.

Andrew Fletcher, Gründungsmitglied von Depeche Mode, ist im Alter von 60 Jahren gestorben.

Ausgerechnet Fletch, die ich wegen ihrer ruhigen Art immer bewundert habe. Während der Konzerte, die ich besuchen durfte, saß er hinter seinem Keyboard. Von Zeit zu Zeit drückte er die Tasten und man hatte den Eindruck, dass er mehr damit beschäftigt war, das Publikum mit Applaus zu unterhalten.

Hannover, 1998: BILD-Reporter Sven Stein trifft Andrew Fletcher hinter den Kulissen

Foto: Privat

Während Dave Gahan wie ein Derwisch auf der Bühne tanzte und mit Martin Gore an der Seitenlinie schwankte, schien Fletch seine Rolle in der zweiten Reihe zu genießen. Keine Spur von Selbstportrait, keine Star-Posen.

Er wirkte zufrieden mit sich und gleichzeitig befremdet in dieser bunten Inszenierung. Er brauchte keine extravaganten Outfits wie Bandkollege Gore, noch konnte er einen durchtrainierten Körper wie Dave tragen. Ihr Bauch war an keiner Stelle mehr zu übersehen.

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Ich dachte: Er hat alles richtig gemacht. Er war erfolgreich und schien gleichzeitig ein für Schlagerstars relativ unspektakuläres Leben zu führen.

Ich hatte nie etwas über Fletchs Drogen- oder Alkoholmissbrauch gelesen, im Gegensatz zu Dave Gahan, der in den 1990er Jahren an einer Überdosis Heroin dem Tod entging. Oder Martin Gore, der viele Jahre alkoholabhängig war und sich schließlich davon abhielt. Fletch hingegen schien ein vollkommen gesundes Leben zu führen.

Er hatte damals ein Restaurant in London, und unter Fans war bekannt, dass man ihn dort mit etwas Glück finden und gemeinsam ein Foto von ihm machen konnte.

Der Hintermann: Andrew Fletcher mit Dave Gahan (Mitte) und Martin Gore (links) im Jahr 2001

Foto: Privat

Auf den Fotos der Band „Depeche Mode“ hielt sich Fletch meist im Hintergrund auf. Nicht, weil er unwichtig war, sondern weil er mit gut 1,90 Metern über seinen Teamkollegen stand. Er war dafür bekannt, die Band zusammenzuhalten, als sie ihre größten Krisen durchmachten.

Fans wussten, dass er dank Fletch Depeche Mode sehr regelmäßig neue Platten veröffentlichte und dann ausgedehnte Welttourneen unternahm. Der „schwarze Schwarm“, wie die Band ihre treuen, meist schwarz gekleideten Fans nannte, folgte ihnen von Konzert zu Konzert, oft durch ganz Europa.

Am Ende jedes Konzerts kam Fletch hinter seinem Keyboard hervor, lächelte, applaudierte dem Publikum und verabschiedete sich, zuerst auf der einen und dann auf der anderen Seite. Er war immer der Letzte, der die Bühne verließ.

Jetzt ist es das erste, was uns für immer verlässt.

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