In seinem persönlichen Statement wollte Schützenhöfer den Transfer regulär vornehmen. „Nach 1945 nehmen Rücktritte oft die Form von Hinterhalten an“, sagt Schützenhöfer.
Aus diesem Grund beschloss er, am 1. Juli als Gouverneur zurückzutreten. Als seinen Nachfolger wird er Christopher Drexler nominieren. Dieser Schritt sei schweren Herzens, aber auch guten Gewissens erfolgt, sagte Schützenhöfer in einer Mitteilung.
„Politik war mein Job, aber auch wenn ich als Landeshauptmann in den Ruhestand gehe, wird die Steiermark weiterhin mein Leben sein“, sagt Schützenhöfter mit gebrochener Stimme.
Nach der Sitzung des Parteivorstandes um 13 Uhr findet im Volkskundemuseum eine weitere Pressekonferenz statt. Dort beantwortet er die Fragen.
Das Timing ist erstaunlich, und es auch nicht. Seit Monaten wird in Graz spekuliert, dass der 70-Jährige Partei und Landesregierung abgeben wird. Auf dem Karmeliterplatz, dem Sitz der Steirischen Volkspartei, soll Schützenhöfer nach einem überraschenden Moment gesucht haben. Jetzt ist er gekommen.
Zudem bleibt für seinen Nachfolger genügend Zeit, sich als Parteivorsitzender und Landeshauptmann einen Namen zu machen: Der nächste reguläre Termin für Landtagswahlen in der Steiermark ist 2024.
Vor einigen Wochen, bei ihrer 70. Feier, die notorisch in den Lobbys der Arbeiterkammer stattfand, war ein möglicher Rücktritt oder eine Ankündigung erwartet worden, aber es war nicht so. Bei seiner Dankesrede vor 400 Gästen sagte der Steirer schmunzelnd, dass er im Boardinghouse kochen lernen wolle. Schließlich sind „Zippwürste“ seine Spezialität. Als er das zu Hause sagte, herrschte Stille am Mittagstisch. “Meine Frau hat Angst vor ihm und fragt nicht mehr.”
Doch erst am vergangenen Dienstag scherzte Schützenhöfer bei einer Pressekonferenz erneut über den Termin seines Rücktritts: „Stellst du mir die Frage noch einmal oder soll ich sie selbst stellen?“ fragte er Reporter. Schützenhöfer selbst antwortete: “Ich werde heute nicht zurücktreten.”
Klassische ÖVP-Karriere
Der gebürtige Niederösterreicher Schützenhöfer hat eine klassische Karriere in der ÖVP hinter sich. Er war Landesvorsitzender der JVP, Ratsherr in der Arbeiterkammer, nahm an mehreren Legislaturperioden im Landtag teil. Seit der Wahlniederlage von Waltraud Klasnic im Dezember 2005 entließ die SPÖ unter Franz Voves die ÖVP, die bis dahin ununterbrochen den Landeshauptmann gestellt hatte – von der ersten Stelle an – an der Spitze der ÖVP in der Steiermark. Zehn Jahre lang war Schützenhöfer Landeshauptmann-Stellvertreter bei Voves, die erste Zeit in einer aggressiven Variante, die zweite aber in einer freundschaftlichen Variante, aus der der „Reformverband“ SPÖ-ÖVP wurde, bis hin zu einer persönlichen Freundschaft zwischen den beiden Parteiführern.
2015 war Schützehöfer selbst der Erste im Land: Die ÖVP landete bei der Landtagswahl knapp hinter der SPÖ, Voves ebnete den Weg für mehr Zusammenarbeit der Parteien, ohne ihn, aber diesmal unter schwarzer Herrschaft. Bei den Neuwahlen 2019, ausgelöst durch einen Streit um das geplante Krankenhaus Liezen, wurde die ÖVP selbst zur Fraktion mit den meisten Stimmen. Seitdem regiert Schützenhöfer – mit SPÖ-Vize Anton Lang – in seiner zweiten Amtszeit.