Die Schriftstellerin Anna Baar erhält den Österreichischen Staatspreis 2022. Das gab das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS) am Donnerstag bekannt. Dieser Preis wird von der Republik Österreich auf Vorschlag des Österreichischen Kunstsenats vergeben und jährlich in einem nicht festgelegten Turnus an eine/n Künstler/in aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur oder Musik vergeben. Im vergangenen Jahr wurde die bildende Künstlerin Martha Jungwirth ausgezeichnet. Die letzten Preisträger waren Florjan Lipuš (2018) und Gerhard Roth (2016). Der höchste Kulturpreis der Republik ist mit 30.000 Euro dotiert.
„Außergewöhnliches Sprachgefühl“
Der Österreichische Kunstsenat, der den Gewinner nominierte, begründete seine Wahl wie folgt: „Anna Baar lotet in ihrem avantgardistischen Werk die Grenzen des Erzählens mit einem außergewöhnlichen, radikalen und verstörenden Sprachgefühl aus. . Seine als Musikstücke komponierten Texte voller sprachlicher Schönheit, die immer wieder in beklemmende Abgründe kafkaesker Albträume hinabsteigen, thematisieren auf ungewöhnliche Weise das Verhältnis von Realität und Fiktion.
Er ist zweisprachig aufgewachsen
Anna Baar, geboren 1973 im damaligen Jugoslawien, wuchs zweisprachig in Wien und Klagenfurt auf. Nach dem Medizinstudium studierte er Slawistik, Publizistik, Theaterwissenschaft und Medienarbeit. Sein Studium schloss er 1999 ab und promovierte 2008. Seine Texte – Gedichte, Erzählungen, Essays und Reden – wurden in mehrere Sprachen übersetzt und in zahlreichen deutschen und internationalen Zeitschriften und literarischen Anthologien veröffentlicht.
Bachmann-Leser
2015 wurde sie für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert und las ihren kurz darauf erschienenen Debütroman Die Farbe des Granatapfels. Anna Baar wurde 2017 für ihren Roman „Als ob du träumst“ mit dem Theodor-Körner-Preis ausgezeichnet. Ihr Roman „Nil“ stand 2021 für zwei Monate auf Platz 1 der ORF-Bestenliste und wurde für den Österreichischen Buchpreis nominiert.
„Anna Baar ist eine unverwechselbare Stimme auf der Bühne der Gegenwartsliteratur. Sie ist Sprachkünstlerin im besten Sinne des Wortes und zeigt uns, was Literatur im Zeitalter der Digitalisierung und medialen Berichterstattung unserer Gesellschaft leisten kann: Nämlich in der Kunst des Erzählens und des Romans, die authentische Erfahrungen vermittelt und vermittelt Visionen über unsere Gegenwart und unser Gefühl von Ungerechtigkeit, Fehler und Versäumnisse, Risiken und Chancen“, sagte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer.