Der Rechnungshof entsendet Rechnungsprüfer an die ÖVP

von. – 10.06.2022 15:03 (akt. 10.06.2022 15:05)

Die ÖVP erhält Besuch vom Wirtschaftsprüfer ©APA/GEORG HOCHMUTH

Der Rechnungshof entsendet Rechnungsprüfer an die ÖVP. Der Grund: Der Rechnungshof hat Zweifel an den veröffentlichten Kosten des türkischen Wahlkampfs.

Der Rechnungshof hat am Freitag die Bilanz der ÖVP für das Wahljahr 2019 veröffentlicht, die eine Reihe von Verstößen gegen das Parteiengesetz aufzeigt. Überhaupt gibt es für die Türken einige heikle Äußerungen.

Der Rechnungshof sieht Verstöße gegen Kronenhilfe und Ankündigungen

So stuft der Rechnungshof beispielsweise Vereine des ÖVP-Seniorenverbandes, die durch Kronenzuschüsse finanziert werden, als Teil der ÖVP ein, was bedeutet, dass sie keine Kronenzuschüsse hätten erhalten dürfen. Prüfer verweisen auf Vereinssitze oft deckungsgleich mit dem Sitz der jeweiligen Bundes- oder Landespartei, entsprechende Formulierungen in Beitrittsbekundungen und Selbstbezeichnung des Seniorenverbandes. Die Frage muss nun vom Transparenzsenat der Unabhängigen Partei (UPTS) im Kanzleramt und später vom Bundesverwaltungsgericht geklärt werden.

Der Rechnungshof informierte den UPTS auch über den Werbefall des Vorarlberger Wirtschaftsbundes. Dazu verglichen die Wirtschaftsprüfer die 1,6 Millionen Euro Werbeeinnahmen im Jahr 2019 mit dem in Aufmachung und Umfang ähnlichen „Gemeindeblatt der Landeshauptstadt Bregenz“, wo diese Anzeigen nur 268.000 Euro beigesteuert hätten. Die Differenz von 1,3 Millionen Euro meldete der Rechnungshof dem Senat als verdeckte Zuwendung der Partei. Hinzu kamen Wahlkampfanzeigen in der „Niederösterreichischen Zeitung“ der ÖVP, die Anzeige des Landwirtschaftsministeriums für die Bauernverbandspartei und zwei vom Finanzministerium in Auftrag gegebene Umfragen vor den Wahlen zur EU 2019.

Der Rechnungshof entsendet erstmals Rechnungsprüfer

Dass ein vom HR bestellter Prüfer die Parteizentrale besucht, liegt daran, dass die Prüfer nicht glauben wollen, dass die ÖVP bei der EU-Wahl 2019 6,9 Millionen mehr Geld ausgegeben haben will, als es der politisch klar wichtigste Nationalratswahlkampf ist ( nur 5,6 Millionen Euro). Zudem liegen dem Rechnungshof vermutlich interne Dokumente der ÖVP vor, die die Einhaltung der Kostengrenze zweifelhaft erscheinen lassen.

„Dies ist das erste Mal, dass der Rechnungshof dies tut“, sagte Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker. Er gehe davon aus, dass die Steuerberater- und Wirtschaftsprüferkammer “sehr schnell” eine Liste geeigneter Wirtschaftsprüfer vorlegen könne, bei denen Interessenkonflikte ausgeschlossen seien. Anschließend wird per Los ein Prüfer ermittelt, ob die Angaben der ÖVP zutreffend sind.

Häme und Kritik an der ÖVP nach der Entscheidung des Rechnungshofs

Die Opposition reagierte mit Kritik und teilweise Häme. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz zeigte sich „überrascht“ und bezeichnete die ÖVP-Zahlen als „eine einzige Falle und einen schillernden Job“. Die NEOS sahen darin erneut eine Bestätigung des “Korruptionsproblems” der Türken. Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch sitzt der „türkisfarbene Sumpf des Skandals“ so tief, dass sofortige Neuwahlen unvermeidlich sind.

Und auch die Grünen als Koalitionspartner der ÖVP lassen an dem Bericht kein gutes Haar: Die Aussage des Rechnungshofs sei „vernichtend“ und stelle die Rechnung der ÖVP-Partei „ein schlechtes Zeugnis“ ab, heißt es Grün . Nationalrätin Nina Tomaselli.

Die ÖVP sieht dem Besuch des Wirtschaftsprüfers „gelassen“ entgegen

Die ÖVP sah das natürlich anders und wartete „entspannt“ auf die neue Prüfung des Wirtschaftsprüfers. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) sagte am Freitag bei einem Besuch in Tallinn: „Wir haben diesmal nichts zu verbergen.“ Nehammer sicherte dem Rechnungshof volle Transparenz und Zusammenarbeit zu.

Die Antwort auf eine parlamentarische Anhörung der NEOS zeigte derweil, dass fast nur ÖVP-nahe Organisationen Fördergelder aus dem „Unterstützungsfonds für gemeinnützige Organisationen“ erhielten. Im Umfeld der anderen Parteien gab es fast keine solche Unterstützung, von der die Parteien und ihre Unterorganisationen wirklich ausgeschlossen sind. Und laut einem Bericht des Ö1-“Morgenjournals” profitierte auch die ÖVP-Politische Akademie von den Corona-Hilfen, nämlich durch den Hotelbetrieb des Seminarhotels in den Akademieräumlichkeiten. Die zum Akademieverbund gehörende Springer Schlössl GesmbH erhielt 185.000 Euro Verkaufsentschädigung und 200.000 Euro aus dem NPO-Fonds.

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