Weniger Tote, weniger Hafttage, weniger Prozesse ohne Zusatznutzen: Zweieinhalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie steht Schweden nicht schlechter da als Österreich und die meisten anderen europäischen Länder.
Für die einen steht es für Eigenverantwortung und leises Handeln, für die anderen für Fahrlässigkeit und Fahrlässigkeit, ganz nach schwedischer Art. Von Beginn an tanzte das Zehn-Millionen-Einwohner-Land offline und verzichtete weitgehend auf Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen und Kommunalschließungen. Im Frühjahr 2020, während der Rest Europas unter strenger Blockade stand, konnte die schwedische Bevölkerung Skifahren, Essen gehen und Einkaufszentren besuchen. Fernunterricht und Homeoffice waren fast nie Pflicht.
Das bedeutet jedoch nicht, dass das öffentliche Leben in Schweden so weitergehen wird wie vor der Pandemie: Teilweise wurden die sozialen Kontakte so stark reduziert wie in den meisten anderen Ländern. Mit dem Unterschied, dass sie freiwillig sind, denn die meisten Maßnahmen wurden nicht angeordnet, sondern empfohlen. Eine vom Chef des Epidemiologen Anders Tegnell vorgeschlagene Strategie, die Schweden bis heute verfolgt, aber mit welchem Erfolg?
Auch wenn Ländervergleiche immer unscharf sind, weil auch indirekte Faktoren wie die Bevölkerungsdichte, der Anteil an Einpersonenhaushalten, die Struktur des Gesundheitssystems und die allgemeine Einstellung der Gesellschaft gegenüber den Behörden zu berücksichtigen sind, ist es noch Zeit für eine Zwischenbewertung anhand von sechs wesentlichen Kriterien.